„Anstatt ihn zu pushen und zu unterstützen ... Nein, sie haben ihn nur runtergemacht“ – De Decker kritisiert belgische Fans nach Van den Berghs Formkrise

PDC
Donnerstag, 27 August 2026 um 10:00
Mike De Decker und Dimitri Van den Bergh feiern ihren Sieg
Der belgische Dartsport durchlebt eine schwierige Phase. Noch vor wenigen Jahren stellte Belgien mit Dimitri Van den Bergh und Mike De Decker gleich zwei Spieler an der Weltspitze. Inzwischen hat sich die Lage bei beiden deutlich verändert. Van den Bergh hat sich vorerst vom Sport zurückgezogen und sieht sich in den sozialen Medien heftiger Kritik ausgesetzt. Sein enger Freund De Decker nimmt ihn im Podcast „Darts Draait Door" nun entschieden in Schutz.
De Decker findet die Schelte gegen Van den Bergh unverhältnismäßig. Er versteht nicht, warum sein Landsmann, über Jahre eines der Aushängeschilder des belgischen Darts, wegen ausbleibender Ergebnisse derart attackiert wird. „Was Dimitri in den sozialen Medien abbekommt, ist jenseits von Gut und Böse. Das ergibt überhaupt keinen Sinn", sagt De Decker. „Er hat die belgische Darts-Flagge hochgehalten. Vor allem in den letzten fünf Jahren, seit er 2020 das World Matchplay gewonnen hat."

Der Blackpool-Triumph als Karrierehöhepunkt

Der Sieg beim World Matchplay bleibt bis heute der Höhepunkt in Van den Berghs Karriere. „The Dreammaker" bezwang im Finale Gary Anderson und sicherte sich damit seinen ersten großen PDC-Titel. Lange zählte er zu den festen Größen an der Weltspitze. Umso schwerer wiegt die aktuelle Krise.
Dimitri Van den Bergh und Mike De Decker spielten 2026 den World Cup of Darts für Belgien
Mike De Decker und Dimitri Van den Bergh erreichten beim World Cup of Darts 2026 das Achtelfinale
Auch De Decker steckt in einer turbulenten Phase. 2024 erreichten beide Belgier gemeinsam das Halbfinale des World Grand Prix und schienen den Weg zurück in die Elite gefunden zu haben. Seitdem hat sich einiges verändert: De Decker kämpft weiter um seine Form, während Van den Bergh dem Sport vorerst den Rücken gekehrt hat.
Die beiden Freunde sprechen mittlerweile seltener miteinander. Das liegt nach De Deckers Worten nicht nur an Van den Berghs schwieriger Situation, sondern auch daran, dass beide umgezogen sind und heute weiter voneinander entfernt wohnen. „Ich höre nicht mehr so viel von ihm. Ich versuche auch, nicht ständig nachzufragen", erklärt De Decker. „Früher haben wir viel öfter gesprochen, aber seit wir beide umgezogen sind, klappt das einfach nicht mehr. Es ist schlicht zu weit."
Dennoch treffen sich beide gelegentlich. Rund um den World Cup of Darts besuchte Van den Bergh seinen Freund für einen gemeinsamen Trainingstag – mehr Kontakt gibt es derzeit nicht. Druck möchte De Decker dabei bewusst vermeiden. Er lässt Van den Bergh selbst entscheiden, wann dieser über seine Themen sprechen will. „Ich will es nicht ständig bei ihm ansprechen", sagt er. „Dimitri weiß, dass er sich melden kann, wenn er etwas loswerden will, egal was. Ich glaube nicht, dass ich derjenige sein sollte, der ihn fortwährend fragt, wie es ihm geht und wie es läuft."

Der World Cup of Darts als Wendepunkt

Beim World Cup of Darts traten die Probleme offen zutage, berichtet De Decker. Als Team teilten sich die Belgier die Verantwortung, ihr Land möglichst weit zu bringen. Für De Decker bedeutete das eine zusätzliche Belastung, weil er sich nicht allein auf sein eigenes Spiel konzentrieren konnte.
„Ich habe einfach versucht, mein Ding zu machen und so gut wie möglich zu performen. Und gehofft, dass ich Dimitri mitziehen kann. Ja, das war sehr hart", blickt er zurück. Van den Berghs mentale Verfassung erschwerte die Situation zusätzlich. „Wenn du der zweite Spieler bist und jedes Mal liefern musst, obwohl du spürst, dass du nicht im Reinen mit dir bist … Du hoffst nur, dass der Dart die Triple findet", beschreibt De Decker die Lage seines Freundes.
Auch die öffentliche Stimmung in Belgien machte es nicht leichter. Schon Monate vor dem Turnier dominierte der World Cup of Darts die Schlagzeilen im Land – ein zusätzlicher Druckfaktor für Van den Bergh. „Super für Dimi", kommentiert De Decker sarkastisch. „Er musste spielen, aber ganz Belgien hat ihn schon zerrissen, weil es nicht lief. Anstatt ihn zu pushen und zu unterstützen … Nein, sie haben ihn nur runtergemacht."
Nach Ansicht von De Decker kann niemand konstante Leistungen abrufen, wenn er innerlich mit sich ringt und gleichzeitig das Gefühl hat, von einem ganzen Land bewertet zu werden. „Was erwarten sie denn noch von dem Jungen, wenn er ans Oche tritt?!", fragt er mit Nachdruck.
De Decker möchte Van den Bergh vor allem den nötigen Raum geben, um sich selbst wiederzufinden. Er betont, dass „The Dreammaker" über Jahre eine Schlüsselrolle im belgischen Darts eingenommen hat – daran ändert auch eine schwierige Phase nichts. Wann und wie Van den Bergh auf die PDC-Tour zurückkehrt, bleibt offen. Zu einem Comeback drängen will ihn De Decker jedenfalls nicht. Stattdessen will er als Freund da sein, sobald Van den Bergh ihn braucht.
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