„Ich will einfach ein Major gewinnen" – Humphries macht seine Ambitionen für die restliche Saison deutlich

PDC
Donnerstag, 27 August 2026 um 8:30
Luke Humphries (2)
Luke Humphries hat eindrucksvoll bewiesen, dass er auch nach einer längeren Wettkampfpause jederzeit in der Lage ist, sein Niveau genau dann anzuheben, wenn es zählt. Der Engländer sicherte sich den Titel bei Players Championship 28 und feierte damit seinen dritten Sieg dieses Event-Typs innerhalb eines Kalenderjahres. Nach eigener Aussage zeigte Humphries dabei nicht sein bestes Darts – er nutzte das Turnier vielmehr als Vorbereitung auf die intensive zweite Saisonhälfte.
Der ehemalige Weltmeister erlebte zuletzt eine ungewohnte Durststrecke ohne Matchpraxis. „Seit den US Darts Masters habe ich eigentlich nur ein Match gespielt. Das war vor fast zwei Monaten. Gestern fühlte ich mich ziemlich rostig, obwohl ich noch halbwegs ordentlich spielte. Heute wirkte mein Wurf überhaupt nicht natürlich. Es war alles etwas ruckelig, und das war extrem frustrierend, weil es sich anfühlte, als müsste ich für jeden Pfeil hart arbeiten", schilderte Humphries seine Ausgangslage.

Der Arm streikt, der Wille trägt

Humphries kämpfte sich trotz fehlenden Rhythmus' durch den harten Turnierbaum. In den entscheidenden Momenten bewahrte er die nötige Nervenstärke und stand am Ende mit dem Titel in der Hand da – auch wenn er selbst als Erster einräumte, dass es kein makelloser Auftritt war.
„Ich hatte heute nicht das Gefühl, besonders gut gespielt zu haben, aber ich habe gewonnen. Dreimal in dieser Halle in einem Kalenderjahr zu siegen, ist sehr schwer. Ich spiele hier zudem nicht so oft, deshalb macht es mich sehr glücklich, dass ich jetzt drei von acht oder neun gewonnen habe. Nach so einer langen Pause bin ich einfach unglaublich zufrieden, zurück zu sein und wieder Matches zu gewinnen", freute sich der Engländer.
Die zwei intensiven Turniertage forderten spürbar ihren Tribut, besonders in der Schlussphase. Humphries musste körperlich tief in die Reserven gehen, denn sein Körper hatte sich noch nicht an so viele Matches an einem Tag gewöhnt. Vor allem der Wurfarm bereitete ihm Probleme.
„Ich hatte es schwer. Im Finale fühlte es sich an, als würde mir der Arm fast abfallen. Es war unglaublich schwierig. Ich habe gedrückt und gezogen, und mein Arm war einfach komplett ermüdet. Das ist logisch, wenn man nicht viel spielt. Seit meinem Urlaub habe ich kaum trainiert, und wenn man es nicht gewohnt ist, sechs, sieben oder acht Stunden am Tag Darts zu spielen, muss man das wieder aufbauen", erklärte Humphries die körperliche Belastung.
Auf dem Weg zum Titel musste der Engländer zudem einige brenzlige Situationen überstehen. Sowohl gegen Bradley Brooks als auch gegen Danny Noppert entkam Humphries nur knapp dem Aus, nachdem seine Gegner bereits Matchdarts besessen hatten. Diese Wendungen machten den Triumph aus seiner Sicht nur noch wertvoller.
„Vielleicht bin ich gegen Bradley und Danny ein paar Mal gut davongekommen. Manchmal braucht man eben ein bisschen Glück und hofft, dass man am Ende den Titel holt. Heute war für mich ein besonderer Tag", so Humphries.
Auch das Finale verlangte dem Weltklassespieler alles ab. Am Ende entschied Humphries die Partie mit einem starken Zwölfdarter, nachdem er beim Finish zuvor eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen hatte.
„Bei dem Pfeil auf 60 dachte ich wirklich: Warum mache ich das? Ich wollte nur vermeiden, dass ich den Pfeil abklemme oder in die Triple 20 ziehe. Deshalb versuchte ich, ihn ganz dicht an den Draht zu legen, aber damit habe ich es mir eigentlich viel zu schwer gemacht. Hätte mich das das Match gekostet, hätten wohl alle gedacht: Was um Himmels willen machst du da?", erinnerte sich Humphries schmunzelnd.
Trotz des steigenden Drucks in der Schlussphase bewahrte der Engländer einen klaren Kopf. „Ich merkte, dass der Druck am Ende ein wenig auf mir lastete. Ich versuchte, das Match zu sehr zu erzwingen. Brendan ist zudem so ein Spieler, der nie nachlässt. Er ist sehr stabil und solide. Wenn du dich nicht von ihm absetzt, kommt er immer wieder ran. Deshalb musste ich in dem letzten Leg mein bestes Spiel finden. Ich wollte auf keinen Fall, dass es auf das letzte Leg ankommt", berichtete Humphries über die finalen Minuten.

Respekt vor Littler, aber kein Verzicht auf den Kampf um Platz eins

Der Titelgewinn bringt Humphries zurück auf Platz zwei der Weltrangliste. Sein großes Ziel bleibt jedoch weiterhin die Spitzenposition – dafür muss er sich allerdings gedulden, denn Luke Littler hat sich einen enormen Vorsprung erarbeitet.
„Ich denke, das ist im Moment so ziemlich das Höchste der Gefühle. Ich liege ungefähr zwei Minuten hinter Luke", witzelte Humphries über den Rückstand. „Meiner Meinung nach kann nur jemand diese Lücke schließen, wenn er zwei Weltmeisterschaften in Folge gewinnt. Das wird schwierig."
Gleichzeitig zollt Humphries seinem Rivalen höchsten Respekt. Aus seiner Sicht war Littler in den vergangenen anderthalb Jahren der beste Spieler der Welt. „Er war in den letzten 18 Monaten mit großem Abstand der beste Spieler und verdient seinen Platz auf Nummer eins", betonte der Engländer.
Übermäßigen Druck wegen seiner Position in der Weltrangliste macht sich Humphries jedoch nicht. Er hat inzwischen alle wichtigen Ranglistenplätze bereits einmal belegt und möchte vor allem selbst entscheiden, welche Turniere er spielt. „Ich kämpfe nicht wirklich um Platz zwei. Ich war Nummer eins, Nummer zwei, Nummer drei und Nummer vier. Es ist mir nicht so wichtig, weil ich dort überall schon stand und gewesen bin, wo ich sein wollte. Ich kann mich auch nicht beklagen, wenn ich meine Nummer-eins-Position verliere. Wenn ich wirklich alles spielen wollte, müsste ich auch überall antreten", erläuterte Humphries seine Philosophie.
Das dichte Programm der World Series of Darts und der Premier League Darts beeinflusst laut Humphries zusätzlich seinen Spielplan. Bewusst verzichtet er darauf, jedes mögliche Turnier zu spielen, und spart seine Energie stattdessen für die größten Wettbewerbe auf.
Luke Humphries in Aktion
Luke Humphries ist erneut die Nummer zwei der Welt

„Ich kam hier eigentlich nur zum Üben"

Gerade deshalb wirkte seine Teilnahme an diesem Event besonders bemerkenswert. Nach eigener Aussage hätte Humphries nicht einmal zwingend antreten müssen, entschied sich aber bewusst für den Start. Nicht der Titel stand für ihn im Vordergrund, sondern das Wiederfinden seines Rhythmus. „Ich hätte heute eigentlich nicht einmal hier sein müssen. Ich wollte einfach mein Gesicht zeigen, ein paar Matches spielen und wieder Wettkampfrhythmus sammeln. Das würde mir guttun", so der Weltklassespieler.
Seinen Start beschreibt Humphries sogar als eine Art Vorbereitung auf die neue Saisonphase. „Es war im Grunde eine Art Vorbereitung. Ich wollte wieder in Gang kommen und mich wieder normal fühlen. In zwei Monaten hatte ich nur ein Match gespielt, also musste ich einfach wieder in den Rhythmus kommen."
Dieser Plan ging am Ende weit besser auf als erwartet. Humphries bestritt nicht nur mehrere Partien, sondern beendete die Woche zusätzlich mit einem Titel. „Ich wollte das vor allem als Training nutzen. Ich hatte nicht erwartet, an diesem Wochenende tatsächlich einen Titel zu holen, schon gar nicht mit so wenig Vorbereitung. Aber ich hatte zwei gute Tage, viele Matches gespielt und viel geübt", zeigte sich Humphries selbst überrascht.
Der Sieg kommt zudem zu einem wichtigen Zeitpunkt der Saison. In den kommenden Monaten will Humphries gezielt wieder in sein Spiel investieren und möglichst viele Partien nutzen, um sein Niveau kontinuierlich auszubauen.
„Ich werde jetzt zu Hause wieder so viel wie möglich ans Practice-Board gehen. Ich will den Rest des Jahres nutzen, um mein bestes Niveau zu erreichen und Luke herauszufordern – aber nicht nur Luke. Ich will alle herausfordern. Ich werde mein Bestes geben, um auf Nummer zwei zu bleiben, auch wenn ich nicht weiß, ob das am Ende gelingt", kündigte Humphries an.

Mit neuem Selbstvertrauen Richtung Ungarn

Der Titel verschafft Humphries jedenfalls einen willkommenen Schub für die Hungarian Darts Trophy. Dort trifft er erneut auf die großen Namen des Feldes und erhält die nächste Gelegenheit, weiter Wettkampfrhythmus zu sammeln.
„Das gibt mir absolut Vertrauen. Wie gesagt, ich habe nicht meine besten Darts gespielt, aber ich wusste trotzdem zu gewinnen. Meiner Meinung nach hat in den letzten zwei Tagen fast niemand sein bestes Spiel gezeigt. Es war eine etwas merkwürdige Situation", resümierte Humphries.
Vor allem der Blick auf die kommenden Monate zählt für den Engländer. Er plant, mehrere der letzten Euro Tours zu bestreiten und damit die Basis für einen starken Saisonabschluss zu legen. „Ich werde wahrscheinlich mindestens vier der letzten fünf Euro Tours spielen. Das kann mir viel Vertrauen geben für die großen Majors am Ende des Jahres."
Dort liegt letztlich sein Hauptziel. Trotz seines beeindruckenden Palmarès möchte Humphries der Sammlung 2026 noch einen großen Titel hinzufügen. Er weiß, dass Littler derzeit der zu schlagende Spieler ist, akzeptiert dessen Dominanz aber nicht kampflos. „Luke gewinnt im Moment fast alles, und ich werde einer derjenigen sein, die versuchen, ihn zu stoppen."
Ein perfektes Jahr mit sämtlichen großen Titeln braucht Humphries dafür nicht. Bereits ein einziger Major würde für ihn ausreichen, um die Saison als gelungen zu bewerten. „Ich will einfach ein Major gewinnen. Ich muss nicht unbedingt alles gewinnen, so schön das für alle wäre. Ich persönlich würde dieses Jahr sehr gern noch einen großen Titel holen und mit Vertrauen zur WM gehen. Dieser Sieg hilft mir dabei."
Mit einem guten Gefühl blickt der Engländer jedenfalls auf sein Comeback zurück. Was als reine Trainingswoche begann, um sich nach Monaten ohne Rhythmus wieder an lange Tage am Board zu gewöhnen, endete letztlich mit einem neuen Titel. Humphries gab offen zu, dass sein Arm im Finale kaum noch mitspielen wollte, dass sein Wurf alles andere als natürlich wirkte und dass er unterwegs mehrfach nur knapp entkam. Genau darin liegt womöglich der größte Gewinn dieser Woche.
Gelingt Humphries ein Titel, obwohl er sich selbst noch weit von seinem besten Niveau entfernt sieht, wissen die Konkurrenten in der Weltspitze bereits jetzt, was sie erwartet, sobald „Cool Hand Luke" seinen Rhythmus vollständig zurückgewinnt. Die kommenden Euro Tours und Majors werden zeigen, ob dieser Sieg lediglich ein willkommener Mutmacher bleibt oder den Auftakt zu einer neuen starken Phase in der Saison des Engländers markiert.
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