Belgien steht beim
World Cup of Darts 2026 kurz vor einer erneuten Enttäuschung. Nach dem schmerzhaften Aus in der Gruppenphase im vergangenen Jahr droht dem belgischen Duo
Mike De Decker und
Dimitri Van den Bergh erneut ein frühes Ausscheiden beim Nationenturnier. Die 2:4-Niederlage gegen Hongkong hat die Chancen auf das Erreichen der K.o.-Phase auf ein Minimum reduziert.
Vor allem die Leistung von Dimitri Van den Bergh sorgte nach der Partie für viele Gespräche in den Gängen der Eissporthalle in Frankfurt beim
World Cup of Darts. Der zweimalige Major-Sieger erlebte einen äußerst schwierigen Abend und kam lediglich auf einen Average von 65 Punkten. Teamkollege Mike De Decker zeigte dagegen eine starke Vorstellung und spielte einen Average von 106 Punkten, musste aber dennoch mit ansehen, wie Belgien ohne Erfolgserlebnis blieb.
Nach dem Match stellte sich vor allem De Decker den Medien. Van den Bergh verließ die Halle sichtbar enttäuscht und benötigte Zeit, um die Niederlage zu verarbeiten.
De Decker kann sich kaum Vorwürfe machen
Für De Decker überwog trotz der Niederlage ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits war da die Frustration über das Ergebnis, andererseits sah er bestätigt, dass sich sein eigenes Spiel zuletzt wieder in die richtige Richtung entwickelt.
„Ich konnte nicht mehr machen“, erklärte De Decker gegenüber Het Nieuwsblad. „Mit diesem Average von Dimitri wird es schwierig. Er hat das auch sehr schlecht aufgenommen, was ich mir schon gedacht hatte und was verständlich ist. Dimitri war schnell weg, und das ist eigentlich nicht seine Art.“
Die belgische Nummer eins sah während der Partie, wie sein Partner zunehmend Probleme bekam, während er selbst immer besser ins Spiel fand.
„Nach dem zweiten Leg bin ich gut reingekommen, mit konstanten 100ern oder 85ern und ein paar Mal 140. Ich dachte: Wenn ich das halten kann, ziehe ich Dimitri vielleicht mit. Das ist allerdings nicht passiert.“
Diese Worte zeigen, wie schwierig der Teamwettbewerb beim World Cup of Darts sein kann. Individuelle Form ist wichtig, doch letztlich entscheidet das Zusammenspiel als Team. Wenn ein Spieler mit seinem Spiel kämpft, wird es äußerst schwer, gegen Nationen zu bestehen, die auf beiden Positionen konstant abliefern.
Neue Darts, neues Selbstvertrauen
Für De Decker brachte das Turnier trotz der Niederlage auch einige positive Erkenntnisse. Der ehemalige World-Grand-Prix-Sieger arbeitet seit Monaten daran, mehr Konstanz in sein Spiel zu bekommen und sieht dabei inzwischen Fortschritte.
Eine wichtige Rolle spielt dabei nach eigener Aussage eine kürzlich vorgenommene Materialänderung.
„Ich spiele seit Kurzem mit kürzeren Spitzen und meine Darts fliegen einfach sehr gut“, erklärte er. „Die Chancen, die ich hier bekommen habe – bis auf die 90 – habe ich genutzt. Ich hatte wirklich gehofft, Dimitri in meinen Flow mitziehen zu können, aber das ist nicht passiert. Schade.“
Besonders im Training spürt De Decker, wie sein Selbstvertrauen zurückkehrt. Immer häufiger fühlt sich sein Wurf wieder natürlich an.
„Dimitri war vergangenen Dienstag zum Training da und im ersten Viertelstunde habe ich fast zehnmal 170 geworfen. Dann läuft es eben. Ich habe das Gefühl, hier gut gespielt zu haben, deshalb bin ich auch nicht am Boden zerstört.“
Dieser Optimismus steht im starken Kontrast zu den Emotionen von Van den Bergh. Während De Decker aus seiner eigenen Leistung Selbstvertrauen schöpfte, überwog bei seinem Teamkollegen die Enttäuschung.
Der Belgier hatte in den vergangenen Wochen eigentlich positive Signale ausgesendet und schien seine Form nach einer Anpassung seines Wurfstils langsam wiederzufinden. Gegen Hongkong war davon allerdings kaum etwas zu sehen.
Immer wieder landeten Darts in der 1 oder der 5, auch auf die Doppel lief es alles andere als rund. Das Ergebnis war einer seiner schwächsten Auftritte der gesamten Saison.
Belgien verlor mit 4-2 gegen Hong Kong
Eine Saison voller Höhen und Tiefen
Für De Decker passt die Partie gleichzeitig zu einer Saison, die von großen Schwankungen geprägt ist. Regelmäßig spielt er starke Averages und schlägt Topspieler, doch diese Leistungen wechseln sich noch zu oft mit überraschenden Niederlagen ab.
„Das fasst meine Saison eigentlich ganz gut zusammen“, sagte er. „Im Allgemeinen spiele ich gar nicht schlecht. Seit etwa zwei Wochen läuft es mit den kürzeren Spitzen deutlich besser. Im Training habe ich viel mehr Konstanz und das war mein erstes Turnier mit diesem Setup. Schaut euch meinen Average an.“
Nach Ansicht des Belgiers ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich diese positiven Phasen auch dauerhaft in guten Ergebnissen auf der großen Bühne niederschlagen.
„Ich spüre einfach, dass die Resultate kommen werden. Nach anderthalb Jahren voller Suche und Frustration wäre das auch langsam an der Zeit. Ich fühle es. Es muss nur konstanter werden, diese Schwankungen müssen verschwinden.“
Dieses Selbstvertrauen ist bemerkenswert, zumal De Decker im Jahr 2026 eine erhebliche Summe an Ranglistengeld verteidigen muss. Sorgen macht er sich darüber jedoch nicht.
„Dass ich jetzt liefern muss? Okay. Aber selbst wenn mein gesamtes Preisgeld aus 2024 wegfällt, stehe ich immer noch ungefähr auf Platz 36 oder 37 der Weltrangliste. Es ist also nichts Dramatisches.“
Belgien braucht ein kleines Wunder
Für Belgien wird inzwischen ein kleines Wunder nötig sein, um doch noch die nächste Runde des World Cup of Darts zu erreichen. Die Niederlage gegen Hongkong hat das Schicksal von De Decker und Van den Bergh weitgehend in die Hände der Konkurrenz gelegt.
Vor allem De Decker wird dennoch versuchen, die positiven Aspekte seines Auftritts mitzunehmen. Nach einer langen Phase der Suche nach der richtigen Form spürt er wieder Vertrauen in sein Material, seinen Wurf und sein Scoring.
„Dieses Turnier ist trotz des Ergebnisses bisher ein Schub für mich“, sagte er abschließend. „Ich habe Vertrauen in meinen Wurf. Es muss einfach aufhören, dass auf ein gutes Match direkt ein schlechtes folgt. Im Moment scheint die Entwicklung jedenfalls in die richtige Richtung zu gehen.“
Während der World Cup of Darts für Belgien erneut auf eine Enttäuschung hinauslaufen könnte, könnte das Turnier für Mike De Decker persönlich der Beginn einer deutlich positiveren Phase seiner Karriere sein.