„Selbst England können wir schlagen“ – Martin Schindler glaubt trotz deutscher Sorgen an eine Überraschung beim World Cup of Darts

PDC
Donnerstag, 11 Juni 2026 um 12:00
Ricardo Pietreczko und Martin Schindler beim World Cup of Darts 2025.
Die Vorzeichen für das deutsche Team beim World Cup of Darts 2026 sind alles andere als ideal. Martin Schindler kämpft seit Monaten mit seiner Form, während Ricardo Pietreczko zuletzt offen mit Problemen durch Dartitis zu kämpfen hatte. Dennoch reist Deutschlands Nummer eins mit Zuversicht nach Frankfurt und sieht für das deutsche Duo weiterhin Chancen auf eine Überraschung.
Im Gespräch mit SID sprach Schindler vor allem über die Situation seines Teamkollegen. Er erklärte, dass Außenstehende kaum nachvollziehen könnten, wie sich Dartitis tatsächlich anfühlt. Anfangs habe er selbst das Ausmaß des Problems nicht erkannt.
„Ich glaube wer noch nie Dartitis hatte, weiß man nicht wie sich das anfühlt, wie es sein muss. Als das Problem entstanden ist, habe ich es noch gar nicht so als Problem gesehen bzw. wahrgenommen, und er hatte dann selbst zu mir gesagt dass er Probleme hat den dritten Dart loszulassen. Und aus diesem dritten Dart sind dann gefühlt alle drei Darts geworfen."
Schindler verriet, dass Pietreczko mittlerweile intensiv an einer Lösung arbeitet und dabei von einem Mentalcoach unterstützt wird. Eigene Ratschläge habe er seinem Teamkollegen dagegen kaum geben können.
„Er macht, er arbeitet mit einem Mentalcoach dafür, dass es besser wird. Ich selber konnte ihm keine Tipps geben."
Gleichzeitig habe Pietreczko ihm mehrfach versichert, rechtzeitig zum World Cup of Darts wieder bereit zu sein.
„Er hat mir das Vertrauen gegeben indem er gesagt hat: Martin bis zum World Cup bin ich wieder bereit, bin ich wieder fit, werde ich wieder alles hinbekommen." Pietreczko zeigte in den letzen Wochen eine aufsteigende Form. Mit verändertem Wurfstiel erreichte er in Riesa als bester deutscher das Achtelfinale.
Ricardo Pietreczko (3)
Siege gegen Keane Barry und Charlie Manby beim letzen Players Championship Turnier unterstreichen den Trend
Für Schindler zeigt der Umgang seines Teamkollegen mit der schwierigen Situation eine bemerkenswerte persönliche Entwicklung. Er lobte die Art und Weise, wie Pietreczko die Herausforderung annimmt und sich ihr stellt.
„Wie gesagt, ich finde es wirklich toll, ich finds klasse für Ricardo ich glaube es ist ein weiterer Meilenstein in seiner Persönlichkeit, in seiner charakteristischen Entwicklung, dass er eben mal einen richtigen Brocken vor sich hat und er arbeitet dagegen."

Schindler setzt auf die Außenseiterrolle

Trotz der aktuellen Probleme beider Spieler blickt Schindler optimistisch auf das Turnier. Der World Cup in Frankfurt sei für ihn in den vergangenen Jahren stets ein besonderes Erlebnis gewesen. Gleichzeitig glaubt er, dass Deutschland auch in der derzeitigen Verfassung gefährlich sein kann. Zudem ist es für Schindler mehr als ein Heimspiel. Er lebt in Rodgau, weniger als 30 Minuten von Frankfurt entfernt.
Zwar sei das erste Ziel das Überstehen der Gruppenphase gegen die Philippinen und Neuseeland, dennoch traut Schindler seinem Team auch gegen deutlich stärker eingeschätzte Nationen einiges zu.
„Ich freue mich auch wieder sehr drauf in Frankfurt zu spielen, das hat mir die letzen Jahre wirklich sehr viel Spaß gemacht, es war ein tolles Turnier, eine Klasse Atmosphäre, und ich hoffe auch wirklich, dass es dieses Jahr wieder das gleiche wird."
Gleichzeitig ist sich Deutschlands Nummer eins bewusst, dass die Ausgangslage vor dem Turnier nicht optimal ist. Weder er selbst noch Pietreczko reisen in Bestform an. Dennoch glaubt Schindler, dass Deutschland gefährlich sein kann.
„Wir haben eine, in Anführungszeichen schwierige Ausgangslage. Aber, ganz ehrlich trotz dessen dass wir eben aktuell nicht so super in der Verfassung sind, können wir noch einige Nationen schlagen."
Sogar gegen die Topfavoriten sieht der Strausberger Chancen, wenn die Deutschen einen guten Tag erwischen.
„Selbst England können wir, wenn wir ein paar gute Momente auf unserer Seite haben schlagen, den absoluten haushohen Favoriten."
Den Fokus richtet Schindler allerdings zunächst ausschließlich auf die Gruppenphase. Dort warten mit den Philippinen und Neuseeland zwei unangenehme Gegner auf das deutsche Duo.
„Für uns sollte es dennoch erstmal darum gehen die Gruppe zu überstehen. Und sollten wir das schaffen, haben wir schon wieder gut was erreicht und natürlich kann man dann mit der Auslosung lametieren, in den letzten 16, was würde passieren. Aber in erster Linie, Neuseeland und die Philippinen das sind unsere Aufgaben."
Dass Deutschland derzeit nicht zu den meistgenannten Titelkandidaten zählt, stört Schindler dabei wenig. Im Gegenteil: Die Rolle des Außenseiters könnte sogar hilfreich sein.
„Es gibt nen ganz blöden deutschen Spruch, ich mag ihn nicht aber er trifft wahrscheinlich zu: Totgesagte leben länger. Und ich glaube daran orientieren sowohl Ricardo als auch ich mich gerade."
Der World Cup of Darts beginnt am Donnerstagabend in der Frankfurter Eissporthalle. Für Schindler und Pietreczko startet das Turnier mit dem Gruppenspiel gegen die Philippinen. Freitags wartet Neuseeland.

Deutschlands Weg 2025 beim World Cup of Darts

RundeErgebnisGegnerAverage von Deutschland
Gruppenphase4-2Portugal85.08
Gruppenphase4-0Singapur 95.43
Achtelfinale8-4England93.70
Viertelfinale8-7Australien87.83
Halbfinale1-8Nordirland82.63
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