In der Eissporthalle in Frankfurt startet heute Abend der World Cup of Darts. Nordirland geht als Titelverteidiger in dieses Nationenturnier, nachdem es im Vorjahr im Finale mit 10-9 zu stark für Wales war. Nordirland zählt auch diesmal zu den Topfavoriten auf den Gesamtsieg, doch die Konkurrenz schläft nicht.
In einem früheren Artikel besprachen wir bereits die Chancen von unter anderem Niederlande, Wales, Belgien und Deutschland. Diese Nationen zählen zusammen mit England, Schottland und Titelverteidiger Nordirland zu den größten Anwärtern auf den Sieg beim World Cup of Darts 2026.
Polnisches Feuerwerk
Daneben gibt es natürlich auch etliche Außenseiter. Beginnen wir mit Polen, das von Krzysztof Ratajski und Sebastian Bialecki vertreten wird. Erfahrung gepaart mit Jugendlichkeit, sozusagen. Für Ratajski ist es bereits sein 13. Auftritt beim World Cup of Darts. Polen kam noch nie weiter als bis in die zweite Runde – warum sie dann als Außenseiter nennen, mag man sich fragen? Nun, weil Ratajski mit Bialecki in diesem Jahr einen sehr starken Teamkollegen an seiner Seite hat. Der 22-jährige Pole war schon 2022 dabei, ebenfalls an der Seite von Ratajski. Damals schied Polen in der zweiten Runde gegen Belgien aus.
Bialecki ist seither jedoch nur stärker geworden und gewann jüngst mehrere Titel auf der Development Tour. Er ist also in Topform und auch Ratajski wirft in den vergangenen Monaten ansprechend. Polen wurde in diesem Jahr mit Portugal und der Schweiz in eine Gruppe gelost, und das sollte normalerweise kein Hindernis für das Achtelfinale sein. Und seien Sie sicher: Kein anderes Land wird die Polen dann gerne zugelost bekommen.
Rückkehrer Reyes als Trumpf für Spanien
Auch Spanien ist bei diesem World Cup of Darts ein Team, auf das man achten sollte. Erstmals seit 2019 ist Cristo Reyes wieder beim World Cup of Darts dabei. Der 38-jährige Spanier verschwand einige Jahre von der Bildfläche, eroberte sich aber Anfang dieses Jahres auf der Q-School seine PDC Tour Card zurück. In den vergangenen Monaten zeigte Reyes, dass weiterhin mit ihm zu rechnen ist. In nur wenigen Monaten kletterte er bereits auf Rang 77 der Weltrangliste.
Cristo Reyes eroberte Anfang dieses Jahres seine PDC Tour Card zurück
Im spanischen Team erhält Reyes Unterstützung vom erfahrenen José Justicia. Er besitzt zwar keine PDC Tour Card, dennoch ist es bereits sein fünfter Auftritt beim World Cup of Darts. Justicia hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er hohe Averages spielen kann, nur fehlt es seinem Spiel manchmal an Konstanz. Dieses spanische Duo sollte jedoch in der Lage sein, beim World Cup of Darts für Furore zu sorgen. Die Auslosung ist allerdings knifflig, denn in ihrer Gruppe warten zudem Kroatien und Japan. Schafft Spanien die Gruppenphase, gilt – wie bei Polen –: Mit Rhythmus und Selbstvertrauen im Rücken werden sie für die Topnationen ein gefährlicher Gegner.
Ergebnisse Spaniens beim World Cup of Darts
Jahr
Spieler
Gesetztes Team
Ergebnis
Ausgeschieden gegen
2010
Toni Alcinas, Carlos Rodríguez
11
HF
Niederlande
2012
Toni Alcinas, Carlos Rodríguez
14
1R
Südafrika
2013
Toni Alcinas, Carlos Rodriguez
—
VF
Wales
2014
Toni Alcinas, Carlos Rodríguez
15
2R
Niederlande
2015
Toni Alcinas, Cristo Reyes
12
2R
Belgien
2016
Toni Alcinas, Cristo Reyes
—
1R
England
2017
Toni Alcinas, Cristo Reyes
—
2R
Singapur
2018
Toni Alcinas, Cristo Reyes
—
2R
Australien
2019
Toni Alcinas, Cristo Reyes
—
1R
Niederlande
2020[i]
Toni Alcinas, Jesús Noguera
—
2R
Niederlande
2021
José Justicia, Jesus Noguera
—
1R
Südafrika
2022
José Justicia, Tony Martinez
—
1R
Deutschland
2023
José Justicia, Tony Martinez
14
G40
Südafrika
2024
José Justicia, Jesús Noguera
k. A.
G40
Gibraltar, Schweden
2025
Daniel Zapata, Ricardo Fernández
—
G40
Österreich, Australien
2026
Cristo Reyes, José Justicia
—
—
—
Kein Whitlock mehr bei Australien
Australien als Außenseiter zu nennen, wirkt vielleicht überraschend. Schließlich gewann Australien die World Cup of Darts bereits 2022 mit Damon Heta und Simon Whitlock im Aufgebot. Dennoch gibt es eine Zäsur im australischen Team: Erstmals seit dem Start der World Cup of Darts 2010 wird Simon Whitlock nicht antreten.
Heta ist weiterhin dabei, doch Whitlocks Platz nimmt der frischgebackene PDC-Tourcard-Inhaber Adam Leek ein. Er sicherte sich zu Jahresbeginn auf der Q-School erstmals in seiner Karriere eine PDC Tour Card, tat sich seitdem jedoch schwer, auf der Pro Tour zu überzeugen. Leek wird sich daher vor allem an Heta orientieren müssen, wenn Australien dieses Jahr beim World Cup of Darts weit kommen will. Favorit sind sie keineswegs, aber ihre Gruppe mit zudem USA und Kanada sollten sie überstehen können. Alles, was danach kommt, ist Bonus für das australische Duo.
Adam Leek bildet ein Duo mit Damon Heta
72-jähriger Lim weiterhin mit von der Partie
Ein weiterer Außenseiter ist Singapur. Das asiatische Land ist seit 2014 ununterbrochen beim World Cup of Darts dabei – stets mit Paul Lim im Aufgebot. Die lebende Legende – inzwischen 72 Jahre jung – ist auch dieses Jahr wieder am Start. Singapur erreichte in der Vergangenheit bereits einmal das Viertelfinale und kann auch diesmal überraschen.
Lims Teamkollege ist zum zweiten Jahr in Folge Phuay Wei Tan. Von Lim weiß man, dass er sehr konstant um die 90 im Average spielt, über seinen Mitspieler ist ansonsten wenig bekannt. Es bleibt also abzuwarten, ob der erfahrene Lim ihn mitziehen kann. In der Gruppenphase wartet auf Singapur allerdings ein harter Brocken mit Irland und in etwas geringerem Maße Gibraltar, das als Last-Minute-Ersatz für Uganda berufen wurde.
Hongkong als Stolperstein für Belgien?
Als letzten Außenseiter nennen wir ein weiteres asiatisches Land, nämlich Hongkong. Lok-Yin Lee und Man Lok Leung erreichten im Vorjahr überraschend das Viertelfinale, in dem am Ende Wales zu stark war. Vor allem Leung wusste bereits zu beeindrucken: So besiegte er vor zwei Jahren bei der WM in der Auftaktrunde Gian van Veen.
Beide Spieler sind vor allem aus dem Softtip bekannt, verfolgen jedoch ehrgeizig das Ziel, sich auch im Steeltip-Darts zu behaupten. Hongkong ist in eine Gruppe mit zudem Belgien und Slowenien eingeteilt. Letzteres sollte für Hongkong keine Hürde darstellen. Das Duell mit Belgien könnte entscheidend werden. Belgien hat mit Mike De Decker und Dimitri Van den Bergh natürlich zwei frühere Major-Sieger im Aufgebot, dennoch strotzen die Belgier aktuell nicht vor Selbstvertrauen. Hier könnten sich also Chancen für Hongkong ergeben, zumal im kurzen Format der Gruppenphase nur auf vier gewonnene Legs gespielt wird.