Als amtierender Weltmeister reist Nordirland in dieser Woche zum
World Cup of Darts. Das Team aus
Daryl Gurney und
Josh Rock verteidigt in Frankfurt den Titel, den es vor zwölf Monaten sensationell geholt hat. Während Nordirland über Jahre konstant von Brendan Dolan und einem wechselnden Partner vertreten wurde, hat sich seit Rocks Ankunft vieles verändert. Der Youngster brachte frische Energie, erhöhte die Scoring-Power und schrieb letztlich nordirische Darts-Geschichte.
Zum zweiten Jahr in Folge bilden Rock und Gurney das nordirische Duo. Dank des letztjährigen Titels zählen sie auch diesmal zu den Topfavoriten für einen erneuten tiefen Run. Als an Nummer drei gesetztes Team können sie die Gruppenphase erneut überspringen und direkt in die K.o.-Phase einsteigen. Das macht Nordirland automatisch zu einer Mannschaft, auf die man besonders achten muss.
Dolan durch Rock abgelöst
Die Ausgabe 2025 markierte einen absoluten Höhepunkt für den nordirischen Dartsport. Über Jahre war Brendan Dolan eine Stütze des Nationalteams. Von 2010 bis 2024 gehörte er ununterbrochen zum Aufgebot. Im vergangenen Jahr verlor er seinen Platz jedoch an Josh Rock, eine Änderung, die sich sofort als goldrichtig erwies. Rock und Gurney starteten ihre Kampagne mit einem überzeugenden 8:2 gegen Südafrika. Anschließend fegten sie Irland (8:5) und Deutschland (8:1) beiseite und zogen ins Finale ein.
In diesem Endspiel wartete mit dem walisischen Topduo Gerwyn Price und Jonny Clayton eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe. Es wurde ein echter Thriller, in dem beide Nationen kaum etwas preisgaben. Am Ende setzte sich Nordirland mit 10:9 durch und schrieb Geschichte, indem es erstmals den
World Cup of Darts gewann. Besonders Rock hinterließ einen gewaltigen Eindruck. Im Finale spielte er einen individuellen Average von nahezu 108 und steuerte nicht weniger als neun der elf nordirischen Maxima bei. Das unterstrich, wie wichtig er während des
Titel-Runs war.
2025 holte Nordirland überraschend den Titel beim World Cup of Darts
Nordirlands Historie beim World Cup of Darts
| Year | Team | Result |
| 2010 | Brendan Dolan & John McGowan | Second round |
| 2012 | Brendan Dolan & Mickey Mansell | Quarterfinals |
| 2013 | Brendan Dolan & Mickey Mansell | Second round |
| 2014 | Brendan Dolan & Mickey Mansell | Semifinals |
| 2015 | Brendan Dolan & Mickey Mansell | Quarterfinals |
| 2016 | Brendan Dolan & Daryl Gurney | Semifinals |
| 2017 | Brendan Dolan & Daryl Gurney | First round |
| 2018 | Brendan Dolan & Daryl Gurney | Second round |
| 2019 | Brendan Dolan & Daryl Gurney | First round |
| 2020 | Brendan Dolan & Daryl Gurney | First round |
| 2021 | Brendan Dolan & Daryl Gurney | Quarterfinals |
| 2022 | Brendan Dolan & Daryl Gurney | Quarterfinals |
| 2023 | Brendan Dolan & Daryl Gurney | Group stage |
| 2024 | Brendan Dolan & Daryl Gurney | Quarterfinals |
| 2025 | Josh Rock & Daryl Gurney | Title |
| 2026 | Josh Rock & Daryl Gurney | ? |
Rock weiterhin der unangefochtene Talisman
Auch in diesem Jahr wird vieles an Rocks Auftritten hängen. Inzwischen ein etablierter Topspieler, hatte er nach seinem Durchbruch 2025 ein arbeitsreiches erstes Halbjahr. Seine starke Form brachte ihm die erste Einladung zur Premier League Darts ein. Dort erwischte er jedoch einen schwierigen Start. In den ersten sieben Spieltagen gewann er kein einziges Match. Dennoch gab es einen echten Höhepunkt. Am zweiten Abend in seiner Heimatstadt Belfast warf Rock einen Neun-Darter, riss das Publikum von den Sitzen und zeigte einmal mehr seine Klasse.
Nach dieser harten Auftaktphase schien er seinen Rhythmus zu finden. Zwischen Spieltag acht und elf gewann er viermal in Folge sein Viertelfinale und sammelte wertvolle Punkte. Dieser Aufschwung erwies sich jedoch als nicht nachhaltig. In den letzten fünf Spieltagen verlor Rock jeweils sein Auftaktmatch und belegte am Ende mit acht Punkten den letzten Platz.
Betrachtet man seine Gesamtform, wirkt Rock vielleicht etwas weniger stark als vor einem Jahr. Dennoch gibt es zahlreiche Hinweise, dass er auf den großen Bühnen weiterhin glänzt. Im Mai holte er einen Euro-Tour-Titel, wie schon in der Vorsaison. Zudem erreichte er zwei Euro-Tour-Viertelfinals sowie ein Viertelfinale im Players-Championship-Zyklus. Die Resultate auf der Pro Tour bleiben daher etwas wechselhaft.
Bei TV-Turnieren hingegen überzeugt Rock weiterhin. Nach dem Einzug ins Achtelfinale der World Darts Championship erreichte er das Viertelfinale der World Masters und sogar das Halbfinale der UK Open. Diese Ergebnisse zeigen, dass er sein bestes Spiel oft dann findet, wenn es am meisten zählt.
Rock glänzte bei seinem World-Cup-Debüt
Für Rock ist der World Cup of Darts bislang ein Turnier voller guter Erinnerungen. Bei seinem Debüt 2025 führte er Nordirland auf Anhieb zum Weltmeistertitel.
Nicht nur das Finale, sondern sein gesamtes Turnier war von außergewöhnlicher Qualität. Über die Woche hinweg spielte Rock einen Average von 102,42. Dieser Wert lag fast zwanzig Punkte über dem Average seines Partners Gurney und unterstreicht, wie bedeutend sein Anteil am Erfolg Nordirlands war.
Gurney bleibt die ruhige Hand
Während Rock für die Explosivität sorgt, übernimmt Daryl Gurney innerhalb des Teams eine andere Rolle. Der ehemalige Weltranglistendritte gehört nicht mehr zur absoluten Elite, pendelt aber seit mehreren Jahren stabil zwischen Platz zwanzig und dreißig der Weltrangliste. Das macht ihn zu einer festen Größe im Verfolgerfeld.
Seine Saison ist von auffälliger Konstanz geprägt. Gurney verliert selten direkt sein Auftaktmatch, gleichzeitig geht er aber auch nicht mehr häufig wirklich tief in Turnieren.
Eine Ausnahme waren die Austrian Darts Open in Graz, wo er im Mai das Halbfinale erreichte. Auf der Pro Tour bestritt er zudem achtzehn der zwanzig Players Championship Events. Dabei stand er einmal im Viertelfinale und erreichte zweimal das Achtelfinale.
Ein ähnliches Muster zeigt sich auf der Euro Tour. Oft scheidet er in der Runde der letzten 32 aus. Diese Ergebnisse spiegeln seine aktuelle Position in der Weltrangliste perfekt wider.
Daryl Gurney trug maßgeblich zum Weltmeistertitel Nordirlands 2025 bei
Erfahrung in Hülle und Fülle
Beim World Cup of Darts bringt Gurney enorme Erfahrung mit. Seit 2016 ist er fester Bestandteil des nordirischen Teams. Bereits bei seinem ersten Auftritt erreichte er sofort das Halbfinale, doch die folgenden Jahre brachten für Nordirland enttäuschende Ergebnisse.
Dieses Bild änderte sich erst mit Rocks Ankunft grundlegend. Obwohl Rock im vergangenen Jahr klar der dominierende Spieler war, sollte Gurneys Beitrag nicht unterschätzt werden. Während Rock oft das hohe Scoring übernahm, traf Gurney in den Schlüsselmomenten die Doppel.
Diese Kombination erwies sich als äußerst effektiv und machte Nordirland zu einem nur schwer zu schlagenden Team.
Hervorragende Chemie als zusätzliche Waffe
Die größte Stärke Nordirlands ist womöglich ihr Teamwork. Das Verständnis zwischen Rock und Gurney ist ausgezeichnet. Beide verstehen sich auch abseits der Bühne bemerkenswert gut. Sie reisen regelmäßig gemeinsam zu Turnieren, und bei den Players Championship Events sind die beiden Nordiren häufig Seite an Seite zu sehen.
Diese natürliche Verbindung überträgt sich sichtbar auf die Bühne. Während manche Nationen mit internen Spannungen oder kontrastierenden Spielstilen ringen, scheinen die Nordiren aus ihrer Partnerschaft Energie zu ziehen.
Fazit: Ein weiteres Finale ist keineswegs ausgeschlossen
Die große Frage ist natürlich, ob Nordirland den Titel verteidigen kann. Die Nation ist nicht der klare Favorit. Dieser Status gehört eindeutig England, das mit Luke Littler und Luke Humphries womöglich das stärkste Duo aller Zeiten zum World Cup of Darts schickt.
Dahinter zählt Nordirland jedoch fest zum Kreis der Herausforderer. Auch die anderen traditionellen Schwergewichte haben ihre Fragezeichen. Wales muss ohne Gerwyn Price auskommen. Schottland hat zwar Gary Anderson, doch seine Form ist nicht optimal. Die Niederlande reisen mit Michael van Gerwen und Gian van Veen an, aber auch dort ist aktuell keine Topform erkennbar.
Zudem profitieren die Nordiren von ihrer Setzliste. Als an Nummer drei Gesetzte landen sie nach der Auslosung für die K.-o.-Runde in derselben Hälfte wie die Niederlande. Das bedeutet, dass Rock und Gurney die Topfavoriten England erst in einem möglichen Finale treffen können. Das öffnet die Tür.