Für
Josh Rock zählt der
World Cup of Darts zu den ganz besonderen Turnieren im Kalender. Nicht nur, weil es sich um den einzigen echten Nationenwettbewerb innerhalb der PDC handelt, sondern vor allem wegen der Erinnerungen, die er mit diesem Event verbindet. Gemeinsam mit
Daryl Gurney führte er Nordirland im vergangenen Jahr erstmals zum Titelgewinn und schrieb damit Darts-Geschichte.
Vor der Ausgabe 2026 blickt Rock voller Stolz auf diesen besonderen Erfolg zurück. Gleichzeitig macht der Nordire deutlich, dass der Triumph keineswegs zufällig zustande kam. Für ihn war vor allem die enge Freundschaft zu Gurney ein entscheidender Faktor auf dem Weg zum Titel.
Ein Finale, das man nie vergisst
„Es ist etwas ganz Besonderes für mich und Daryl“, sagte Rock im
Love the Darts-Podcast. „Es war das erste Mal, dass wir ein Duo bildeten, und wir haben sofort den World Cup gewonnen. Wenn du dieses Trikot deines Landes anziehst, willst du einfach so gut wie möglich für dein Land performen.“
Josh Rock führte Nordirland gemeinsam mit Daryl Gurney 2025 erstmals zum World-Cup-Titel – nun soll die erfolgreiche Titelverteidigung folgen.
Die Emotionen nach dem Endspiel gegen Wales sind vielen Dartsfans noch immer in Erinnerung geblieben. Auch Rock selbst hat die Partie seitdem unzählige Male erneut angeschaut.
„Ich glaube, ich habe es mittlerweile schon eine Million Mal wieder angesehen“, sagte er lachend. „Ich war einfach ein stolzer Nordire, der den World Cup für sein Land gewonnen hat.“
Das Finale gegen Gerwyn Price und Jonny Clayton entwickelte sich zu einem echten Krimi. Für Rock war es möglicherweise sogar das spannendste Endspiel, das der World Cup bislang hervorgebracht hat.
„Es war wahrscheinlich das spannendste World-Cup-Finale, das wir je gesehen haben. Teil davon zu sein, war großartig. Auch wenn ich mir weniger Nervenkitzel gewünscht hätte. Es wäre schöner gewesen, wenn es etwas leichter gelaufen wäre, aber wenn du einem der besten Duos der Welt gegenüberstehst, weißt du, was dich erwartet.“
Freundschaft als Schlüssel zum Erfolg
Zwei Weltklassespieler garantieren im World Cup noch lange keinen Titel. Für Rock ist die Chemie innerhalb des Teams mindestens genauso wichtig wie die individuelle Qualität.
„Es ist kein Einzel-, sondern ein Doppelturnier“, erklärte er. „Ich denke, es hängt vor allem davon ab, wie gut du mit deinem Partner klarkommst. Daryl und ich sind abseits der Bühne sehr gute Freunde. Hinter den Kulissen verstehen wir uns extrem gut. Deshalb hat es meiner Meinung nach auch auf der Bühne so gut funktioniert.“
Innerhalb des Teams waren die Aufgaben klar verteilt. Rock kümmerte sich überwiegend um das Scoring, während Gurney häufig die entscheidenden Checkouts übernahm.
„Ich habe meist das Scoring übernommen und Daryl die Finishes. Hoffentlich ist das dieses Jahr wieder so.“
Besonders deutlich wurde diese Rollenverteilung im entscheidenden Leg des Finals gegen Wales. Nachdem beide Teams mit mehreren Maxima Druck aufgebaut hatten, gelang Rock eine wichtige 171, die Gurney auf ein mögliches Match-Finish stellte.
„Daryl warf eine 180, danach legte Gerwyn ebenfalls eine hin. Ich versuchte, meine Emotionen im Zaum zu halten. Dann traf ich die 171. Danach schaute ich zu meinem besten Freund und seinem Vater. Das war im Grunde alles.“
Die oft zitierte Teamchemie spielte bei Nordirland eine zentrale Rolle. Während viele Nationen während des Turniers ihre eigenen Wege gehen, verbrachten Rock und Gurney nahezu jede freie Minute miteinander.
„Wir gingen gemeinsam hinein und gemeinsam wieder raus“, erzählte Rock. „So haben wir es zumindest im vergangenen Jahr gemacht. Wir waren jeden Tag zusammen Mittag essen und zu Abend essen. Ich nehme an, dass wir das dieses Jahr wieder so handhaben werden.“
Dabei konzentrierten sich die späteren Champions fast ausschließlich auf sich selbst.
„Wir achteten eigentlich nicht auf andere Teams. Wir waren vor allem mit uns selbst beschäftigt.“
Die Jagd auf die Titelverteidigung
Als amtierender Titelträger gehört Nordirland auch in diesem Jahr wieder zum erweiterten Favoritenkreis. Dennoch erwartet Rock eine noch größere Herausforderung als beim Triumph 2025.
„Wir wollen natürlich alles daransetzen, den Titel zu verteidigen. Aber ich denke, dass es dieses Jahr noch kniffliger wird als im vergangenen.“
Während sich viele Beobachter auf Nationen wie England oder Wales konzentrieren, ist Rock überzeugt, dass Zusammenhalt und Teamgeist beim World Cup oft den Unterschied ausmachen können. Genau das hatte Nordirland im vergangenen Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Neben dem World Cup sprach Rock auch über seine erste Saison in der
Premier League Darts. Auch wenn die Ergebnisse nicht den eigenen Erwartungen entsprachen, blickt er insgesamt positiv auf die Erfahrung zurück.
„Es lief nicht nach Plan, aber von der Erfahrung her würde ich es sofort wieder machen“, sagte er. „Es war eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Sechzehn Wochen am Stück spielen und jede Woche gegen die besten Spieler der Welt antreten. Das ist unglaublich.“
Erst durch die eigene Teilnahme habe er erkannt, wie anspruchsvoll die Premier League tatsächlich sei.
„Als ich früher die Premier League schaute, dachte ich als Kind, dass die Spieler einfach auftauchen und spielen. Aber wenn du selbst mittendrin bist, merkst du, dass es viel mehr ist. Es ist ständiges Reisen. Du musst mental stark sein.“
Genau diese mentale Stärke betrachtet Rock als eine seiner größten Qualitäten.
„Ich bin froh, dass ich mental stark bin, wenn es auf solche Dinge ankommt.“
Magischer Abend in Belfast
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus seiner Premier-League-Saison betrifft den Umgang mit den riesigen Arenen und den damit verbundenen Erwartungen.
„Plötzlich spielst du vor zwölf-, vierzehn- oder sogar siebzehntausend Menschen. Das ist völlig anders als bei einem Euro-Tour-Turnier, bei dem zwei- bis dreitausend Leute da sind. Diese Atmosphäre ist komplett anders.“
Auf die Frage nach seinem Lieblingsaustragungsort außerhalb seines Heimspieltags in Belfast nannte Rock überraschend Brighton.
„Brighton war ein schöner Austragungsort. Es war etwas kleiner, sodass man das Publikum besser sehen konnte als in manchen dieser riesigen Hallen. In Berlin war die Halle zum Beispiel gigantisch. Dort konntest du kaum einzelne Menschen erkennen.“
Der emotionale Höhepunkt seiner Premier-League-Kampagne war jedoch zweifellos sein 9-Darter in Belfast. Gerade weil er zuvor unter dem Druck des Heimpublikums gelitten hatte, bedeutete ihm dieser Moment besonders viel.
„Ich gab dem Publikum nicht viele Gründe zu jubeln, weil ich nicht gut gespielt habe“, sagte Rock offen. „Ich denke, ich habe mir zu viel Druck gemacht, weil ich so sehr in Belfast liefern wollte.“
Rückblickend glaubt der Nordire, dass er die Erwartungen an sich selbst zu hoch angesetzt hatte. „Es ist unser einziger Heimspieltag. Deshalb wollte ich unglaublich gerne gut spielen. Im Nachhinein denke ich, dass ich mich viel zu sehr bemüht habe.“
Trotz der Belastung durch die Premier League gelang es Rock, seine Leistungen auf anderen Bühnen konstant hochzuhalten. Unter anderem sicherte er sich einen Titel auf der European Tour. „Ich denke, ich habe meinen Kalender mit all den Euro Tours und Players Championships gut ausbalanciert. Ich hatte einen soliden Start ins Jahr.“
Dass er trotz der schwierigen Premier-League-Saison andernorts erfolgreich blieb, führt Rock erneut auf seine mentale Stärke zurück. „Du musst mental stark sein, um in diesem Sport erfolgreich zu sein. Ich denke, damit komme ich ziemlich gut zurecht.“
Träume von mehr
Der Gewinn des World Cups hat Rocks Ehrgeiz weiter angefacht. Der Nordire macht keinen Hehl daraus, dass er langfristig sämtliche großen Titel gewinnen möchte. „Ich will nach jeder Trophäe greifen“, sagte er. „Ich will alle Majors gewinnen.“
Gleichzeitig weiß er, wie schwierig dieses Vorhaben ist. „Da stehen einfach sehr viele Spieler im Weg. Das sind nicht umsonst die besten Spieler der Welt. Sie wissen, wie man Turniere gewinnt. Ich bin immer noch dabei, das zu lernen.“
Für den weiteren Verlauf der Saison hat Rock deshalb ein klares Ziel definiert. „Ein individuelles Major zu gewinnen, wäre großartig. Aber mein wichtigstes Ziel ist es, die Top Vier der Weltrangliste zu erreichen.“
Bevor er sich jedoch voll auf diese Ambitionen konzentrieren kann, wartet zunächst die Mission Titelverteidigung beim World Cup. Gemeinsam mit seinem engen Freund Daryl Gurney möchte Rock erneut für ein nordirisches Märchen sorgen.
„Hoffentlich ist das der Plan“, sagte er mit einem Lächeln. „Das wäre schön.“