„Genau darüber muss man sich Sorgen machen“ – Vincent van der Voort schlägt wegen Euro-Tour-Absagen Alarm
PDC
Vincent van der Voort hat deutliche Kritik an der Haltung der PDC zur wachsenden Zahl von Turnierabsagen prominenter Spieler geäußert. Im Podcast Darts Draait Door nahm der Niederländer insbesondere PDC-Geschäftsführer Matt Porter ins Visier und warf dem Verband vor, die Problematik zu unterschätzen.
Auslöser der Diskussion waren Aussagen Porters im Interview mit Oche180. Dort zeigte der PDC-CEO Verständnis für Spieler, die sich entscheiden, einzelne Euro-Tour-Events oder andere Turniere auszulassen. Für van der Voort ist diese Haltung schwer nachvollziehbar.
„Das Publikum kommt wegen der großen Namen“
„Er hat wörtlich gesagt, dass er die Spieler versteht und es selbst wahrscheinlich auch tun würde“, erklärte van der Voort. „Da denke ich: Das ist doch nicht gerade die beste Werbung für das eigene Produkt.“
PDC-Geschäftsführer Matt Porter sieht die zunehmenden Absagen von Topspielern gelassen – eine Haltung, die Vincent van der Voort deutlich kritisiert.
Nach Ansicht des ehemaligen Profidarters werden die Auswirkungen dieser Entwicklung innerhalb der PDC derzeit kleingeredet. Insbesondere dann, wenn gleich mehrere Topstars bei einem Euro-Tour-Wochenende fehlen, sieht er die Attraktivität der Turnierserie gefährdet.
Weiterlesen
„Schau, er versucht, das alles kleinzureden, indem er sagt, dass sie sich darüber keine Sorgen machen“, sagte van der Voort. „Aber genau darüber muss man sich Sorgen machen. Wenn die Topspieler jedes Mal massenhaft für Euro Tours absagen, kannst du mir nicht erzählen, dass das Publikum ewig weiterkommt.“
Für den Niederländer geht es dabei nicht darum, welche Spieler letztlich im Finale stehen oder wer am Ende den Titel gewinnt. Entscheidend sei vielmehr, dass die Zuschauer die bekanntesten Gesichter des Sports sehen wollen.
Als Beispiel wurde im Podcast das jüngste Euro-Tour-Finale zwischen Ryan Joyce und Luke Woodhouse genannt. Mit einer solchen Finalpaarung hat van der Voort grundsätzlich keinerlei Probleme.
„Wenn alle mitspielen und die beiden das Finale erreichen, dann haben sie sich das einfach verdient“, betonte er. „Es sind fantastische Spieler. Darum geht es nicht.“
Problematisch werde es seiner Meinung nach erst dann, wenn große Teile der Weltspitze gar nicht erst antreten.
„Das Publikum geht doch wegen bestimmter Spieler zu so einem Turnier“, sagte van der Voort. „Am Ende sind die Premier-League-Spieler derzeit die bekanntesten Namen. Und wenn die alle nicht da sind, wird es eben problematisch.“
Kritik an aktueller Struktur innerhalb der PDC
Für van der Voort reicht die Debatte jedoch weit über einzelne Absagen hinaus. Er sieht die Ursachen auch in der aktuellen Struktur des Profi-Zirkus.
„Das größte Problem ist, dass die Top-16 im Moment eigentlich einfach sicher sitzen“, stellte er fest. „Es rückt kaum neuer Nachwuchs nach.“
Der Niederländer glaubt dabei nicht, dass es an fehlender Qualität der nachfolgenden Generation liegt. Vielmehr sei es für aufstrebende Spieler inzwischen enorm schwierig geworden, sich dauerhaft auf der Pro Tour durchzusetzen.
„Neue Spieler kommen kaum dazwischen“, erklärte er. „Wartet nur wieder auf die EM. Dann bekommt ihr wieder 32 Spieler, und fast niemand davon musste sich über Qualifikationsturniere durchsetzen.“
Als Beispiel führte van der Voort den Spanier Cristo Reyes an, der sich aktuell bemerkenswert erfolgreich gegen die etablierte Konkurrenz behauptet.
„Cristo Reyes macht es außergewöhnlich gut, und darüber wird dann sofort viel gesprochen“, sagte er. „Aber genau das zeigt, wie schwierig es heutzutage ist.“
Weiterlesen
„Die PDC sieht Darts teilweise als Entertainment“
Im weiteren Verlauf des Podcasts wurde auch auf Aussagen von Barry Hearn eingegangen. Der langjährige PDC-Boss hatte zuletzt erklärt, derzeit keinen dringenden Anlass für größere Veränderungen an Formaten wie der Premier League Darts zu sehen.
„Barry Hearn sagte: Wenn es nicht kaputt ist, musst du es auch nicht reparieren“, berichtete van der Voort. „Also ist die Chance groß, dass die Premier League nächstes Jahr einfach gleichbleibt.“
Gleichzeitig räumt der Niederländer ein, dass die Verantwortlichen der PDC über deutlich mehr Daten und Hintergrundinformationen verfügen als Außenstehende.
„Sie sehen natürlich alle Zahlen und haben einen viel besseren Überblick“, sagte er. „Aber ich denke schon, dass die Euro Tour ein Problem bekommen wird, wenn das so weitergeht.“
Am Ende sieht van der Voort hinter der Debatte sogar einen grundsätzlichen Unterschied in der Wahrnehmung des Sports.
„Ich glaube, wir sehen Darts manchmal zu sehr als reinen Sport“, erklärte er. „Während die PDC es vermutlich teils als Sport und teils als Entertainment versteht.“
Genau darin könnte nach Ansicht des Niederländers auch die Ursache dafür liegen, warum die Verantwortlichen die Entwicklung rund um die zunehmenden Turnierabsagen weniger kritisch bewerten als viele Beobachter aus der Darts-Szene.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
Klatscht 1Besucher 1
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026











