„Genau darüber muss man sich Sorgen machen“ – Vincent van der Voort schlägt wegen Euro-Tour-Absagen Alarm

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 10 Juni 2026 um 18:00
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Vincent van der Voort hat deutliche Kritik an der Haltung der PDC zur wachsenden Zahl von Turnierabsagen prominenter Spieler geäußert. Im Podcast Darts Draait Door nahm der Niederländer insbesondere PDC-Geschäftsführer Matt Porter ins Visier und warf dem Verband vor, die Problematik zu unterschätzen.
Auslöser der Diskussion waren Aussagen Porters im Interview mit Oche180. Dort zeigte der PDC-CEO Verständnis für Spieler, die sich entscheiden, einzelne Euro-Tour-Events oder andere Turniere auszulassen. Für van der Voort ist diese Haltung schwer nachvollziehbar.

„Das Publikum kommt wegen der großen Namen“

„Er hat wörtlich gesagt, dass er die Spieler versteht und es selbst wahrscheinlich auch tun würde“, erklärte van der Voort. „Da denke ich: Das ist doch nicht gerade die beste Werbung für das eigene Produkt.“
PDC-CEO Matt Porter.
PDC-Geschäftsführer Matt Porter sieht die zunehmenden Absagen von Topspielern gelassen – eine Haltung, die Vincent van der Voort deutlich kritisiert.
Nach Ansicht des ehemaligen Profidarters werden die Auswirkungen dieser Entwicklung innerhalb der PDC derzeit kleingeredet. Insbesondere dann, wenn gleich mehrere Topstars bei einem Euro-Tour-Wochenende fehlen, sieht er die Attraktivität der Turnierserie gefährdet.
„Schau, er versucht, das alles kleinzureden, indem er sagt, dass sie sich darüber keine Sorgen machen“, sagte van der Voort. „Aber genau darüber muss man sich Sorgen machen. Wenn die Topspieler jedes Mal massenhaft für Euro Tours absagen, kannst du mir nicht erzählen, dass das Publikum ewig weiterkommt.“
Für den Niederländer geht es dabei nicht darum, welche Spieler letztlich im Finale stehen oder wer am Ende den Titel gewinnt. Entscheidend sei vielmehr, dass die Zuschauer die bekanntesten Gesichter des Sports sehen wollen.
Als Beispiel wurde im Podcast das jüngste Euro-Tour-Finale zwischen Ryan Joyce und Luke Woodhouse genannt. Mit einer solchen Finalpaarung hat van der Voort grundsätzlich keinerlei Probleme.
„Wenn alle mitspielen und die beiden das Finale erreichen, dann haben sie sich das einfach verdient“, betonte er. „Es sind fantastische Spieler. Darum geht es nicht.“
Problematisch werde es seiner Meinung nach erst dann, wenn große Teile der Weltspitze gar nicht erst antreten.
„Das Publikum geht doch wegen bestimmter Spieler zu so einem Turnier“, sagte van der Voort. „Am Ende sind die Premier-League-Spieler derzeit die bekanntesten Namen. Und wenn die alle nicht da sind, wird es eben problematisch.“

Kritik an aktueller Struktur innerhalb der PDC

Für van der Voort reicht die Debatte jedoch weit über einzelne Absagen hinaus. Er sieht die Ursachen auch in der aktuellen Struktur des Profi-Zirkus.
„Das größte Problem ist, dass die Top-16 im Moment eigentlich einfach sicher sitzen“, stellte er fest. „Es rückt kaum neuer Nachwuchs nach.“
Der Niederländer glaubt dabei nicht, dass es an fehlender Qualität der nachfolgenden Generation liegt. Vielmehr sei es für aufstrebende Spieler inzwischen enorm schwierig geworden, sich dauerhaft auf der Pro Tour durchzusetzen.
„Neue Spieler kommen kaum dazwischen“, erklärte er. „Wartet nur wieder auf die EM. Dann bekommt ihr wieder 32 Spieler, und fast niemand davon musste sich über Qualifikationsturniere durchsetzen.“
Als Beispiel führte van der Voort den Spanier Cristo Reyes an, der sich aktuell bemerkenswert erfolgreich gegen die etablierte Konkurrenz behauptet.
„Cristo Reyes macht es außergewöhnlich gut, und darüber wird dann sofort viel gesprochen“, sagte er. „Aber genau das zeigt, wie schwierig es heutzutage ist.“

„Die PDC sieht Darts teilweise als Entertainment“

Im weiteren Verlauf des Podcasts wurde auch auf Aussagen von Barry Hearn eingegangen. Der langjährige PDC-Boss hatte zuletzt erklärt, derzeit keinen dringenden Anlass für größere Veränderungen an Formaten wie der Premier League Darts zu sehen.
„Barry Hearn sagte: Wenn es nicht kaputt ist, musst du es auch nicht reparieren“, berichtete van der Voort. „Also ist die Chance groß, dass die Premier League nächstes Jahr einfach gleichbleibt.“
Gleichzeitig räumt der Niederländer ein, dass die Verantwortlichen der PDC über deutlich mehr Daten und Hintergrundinformationen verfügen als Außenstehende.
„Sie sehen natürlich alle Zahlen und haben einen viel besseren Überblick“, sagte er. „Aber ich denke schon, dass die Euro Tour ein Problem bekommen wird, wenn das so weitergeht.“
Am Ende sieht van der Voort hinter der Debatte sogar einen grundsätzlichen Unterschied in der Wahrnehmung des Sports.
„Ich glaube, wir sehen Darts manchmal zu sehr als reinen Sport“, erklärte er. „Während die PDC es vermutlich teils als Sport und teils als Entertainment versteht.“
Genau darin könnte nach Ansicht des Niederländers auch die Ursache dafür liegen, warum die Verantwortlichen die Entwicklung rund um die zunehmenden Turnierabsagen weniger kritisch bewerten als viele Beobachter aus der Darts-Szene.
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