Der
World Cup of Darts 2026 steht kurz vor dem Start. Vierzig Nationen machen sich auf die Reise nach Frankfurt zu einem der außergewöhnlichsten Turniere im Dartskalender. Die Teilnehmer werden mit Stolz ihre Landesfarben verteidigen und auf der großen Bühne der ewigen Ruhm anstreben.
Schottland gilt erneut als einer der Favoriten, auch wenn es Fragen zur neuen Teamzusammenstellung gibt.
Gary Anderson kehrt zum vierten Mal in Folge als Aushängeschild der schottischen Auswahl zurück. An seiner Seite steht der talentierte, aber bisweilen emotionale
Cameron Menzies, der Peter Wright ersetzt. Nachdem Schottland im vergangenen Jahr keinen einzigen Leg gewinnen konnte, sind die Erwartungen hoch. Anderson und Menzies hoffen, ihr Land wieder an die Spitze des Turniers zu führen.
Zweifacher Sieger startete 2025 mit Fehlzündung
Schottland ist seit Jahren eine Nation, mit der beim
World Cup of Darts zu rechnen ist. Anderson war seit der Premierenausgabe 2010 Teil des Teilnehmerfeldes, auch wenn er einige Jahre ausließ. Wright wurde in den Folgejahren zu seinem festen Partner, ehe das schottische Duo 2019 endlich den ersten World-Cup-Titel für ihr Land eroberte.
Zuvor waren die Schotten mit verlorenen Finals 2015 und 2018 dem Erfolg bereits nahegekommen. Der Durchbruch folgte schließlich 2019, als sie erstmals die Trophäe in Empfang nehmen durften. Der zweite Titel schrieb eine besonders emotionale Geschichte. Im
Jahr 2021 übernahm Publikumsliebling John Henderson den Platz von Anderson und bildete mit Wright ein erfolgreiches Duo, das Schottland zu einem denkwürdigen Triumph führte.
2023 wurden Anderson und Wright erneut vereint. Das brachte abermals einen Finaleinzug, während das Duo ein Jahr später im Halbfinale scheiterte. Die Ausgabe 2025 geriet jedoch zur herben Enttäuschung. Ein formschwacher Wright fand nicht zu seinem besten Niveau und Schottland erlebte ein Turnier zum Vergessen. In der zweiten Runde wurden die Schotten mit 0:8 von den Niederlanden abgefertigt, wodurch ihre Kampagne bereits nach einem Spiel endete.
Ergebnisse Schottlands beim World Cup of Darts
| Jahr | Spieler | Ereignis |
| 2010 | Gary Anderson & Robert Thornton | Gruppenphase |
| 2012 | Gary Anderson & Peter Wright | Zweite Runde |
| 2013 | Gary Anderson & Robert Thornton | Zweite Runde |
| 2014 | Peter Wright & Robert Thornton | Viertelfinale |
| 2015 | Peter Wright & Gary Anderson | Finale |
| 2016 | Robert Thornton & Gary Anderson | Viertelfinale |
| 2017 | Peter Wright & Gary Anderson | Erste Runde |
| 2018 | Peter Wright & Gary Anderson | Finale |
| 2019 | Peter Wright & Gary Anderson | Sieger |
| 2020 | Robert Thornton & John Henderson | Zweite Runde |
| 2021 | Peter Wright & John Henderson | Sieger |
| 2022 | Peter Wright & John Henderson | Viertelfinale |
| 2023 | Peter Wright & Gary Anderson | Finale |
| 2024 | Peter Wright & Gary Anderson | Halbfinale |
| 2025 | Peter Wright & Gary Anderson | Zweite Runde |
Anderson muss erneut vorangehen
Als erfahrener Leitwolf der schottischen Mannschaft beginnt Gary Anderson seine zwölfte World-Cup-of-Darts-Kampagne. Die Form des „The Flying Scotsman“ war zuletzt wechselhaft, an seiner Klasse besteht jedoch kein Zweifel.
Das bewies er in diesem Jahr erneut mit dem Einzug ins Halbfinale der PDC Darts-WM. Erst ein entfesselter Gian van Veen stoppte ihn, und auch zuvor musste der Niederländer ans Limit gehen.
Beim World Cup im vergangenen Jahr war die Lage ganz anders. Van Veen bildete damals zusammen mit Danny Noppert ein bärenstarkes niederländisches Duo. Die Niederlande gewannen acht Legs in Serie und schalteten ein enttäuschendes Schottland überzeugend aus. Anschließend sprach Van Veen mit großem Respekt über seine Opfer.
„Vor heute Abend hatte ich Peter oder Gary noch nie besiegt. Sie sind zwei Legenden dieses Sports, daher ist es großartig, im Doppel zuzuschlagen und beide zu schlagen.“
Auch wenn Anderson 2026 noch nicht seine beste Saison spielt, bleibt er ein Akteur, der jederzeit sein Topniveau abrufen kann. Der zweifache Weltmeister ist weiterhin in der Lage, scheinbar aus dem Nichts einen Average von über 110 auf die Bühne zu bringen. Sein Fokus liegt inzwischen vor allem auf den großen TV-Turnieren, und der Schotte wird darauf brennen, in Frankfurt erneut sein Höchstniveau zu erreichen.
Gary Anderson gewann 2019 den World Cup of Darts gemeinsam mit Peter Wright
Debütant Menzies steht vor der größten Prüfung seiner Karriere
Dass Anderson sein bestes Spiel zeigt, wird umso wichtiger, da er mit einem neuen Partner antritt. Peter Wright hat seinen Platz an Cameron Menzies verloren, der sich dank starker Leistungen erstmals für den World Cup of Darts qualifiziert hat.
Für Menzies ist seine Nominierung ein besonderer Moment. Der Schotte freut sich auf sein Debüt, räumt jedoch ein, dass die Nervosität inzwischen spürbar ist.
„Ich bin jetzt schon ein bisschen nervös“, sagte er bei einem European-Tour-Event. „Ich habe Mitleid mit Gary. Laut meinen Freunden bin ich eigentlich sein Taschenträger. Aber ich freue mich riesig darauf. Vielleicht bekommst du nur einmal die Chance, so etwas zu erleben, also will ich es genießen. Nicht viele Schotten durften das machen. Es ist etwas ganz Besonderes, und ich möchte in der bestmöglichen Form an den Start gehen.“
Nerven gehören zu einem Debüt auf der internationalen Bühne, erst recht, wenn man zum ersten Mal sein Land vertritt. Bei Menzies wird zudem besonders auf seine Emotionen und Körpersprache auf der Bühne geachtet, Aspekte, die ihn in seiner Karriere immer wieder begleitet haben.
Dennoch gibt es genügend Gründe für Optimismus. Der Schotte verfügt über ein hervorragendes Scoring und kann Gegner mit hohen Aufnahmen unter Druck setzen. Seine größte Herausforderung bleibt jedoch das Checken. Es ist ein bekanntes Bild, dass „Cammy“ als Erster auf ein Doppel kommt, dann aber mehrere Chancen auslässt und den Leg dennoch abgibt.
Genau darin könnte ein möglicher Schwachpunkt für Schottland liegen. Wenn auch Anderson auf die Doppel hadert, entsteht eine Verwundbarkeit, die starke Gegner gnadenlos bestrafen können. An Scoring-Power mangelt es diesem Duo sicher nicht; in dieser Disziplin können sie nahezu jedem Land wehtun.
Gelingt es Schottland, die Doppel in den Griff zu bekommen, verfügt das Team über mehr als genug Qualität, um in den Titelkampf einzugreifen. Anderson und Menzies sind vielleicht nicht die haushohen Favoriten, doch unterschätzen wird sie niemand.
Cameron Menzies steht vor seinem Debüt beim World Cup of Darts
Fragezeichen um neues Duo
Für Anderson bedeutet diese Ausgabe eine neue Situation. Der zweifache Weltmeister bildete in der Vergangenheit ausschließlich Duos mit Peter Wright und Robert Thornton. Cameron Menzies ist ein völlig anderer Spielertyp, und zudem haben die beiden Schotten noch nie gemeinsam ein Turnier bestritten. Das sorgt logischerweise für eine gewisse Unsicherheit.
Wie oft diskutiert, steht das Auftreten von Menzies regelmäßig unter der Lupe. Der Schotte ist für seine emotionalen Reaktionen auf der Bühne bekannt und lässt Frustrationen bisweilen deutlich erkennen. Das könnte eine Herausforderung für Anderson sein, der gerade für seine ruhigere Herangehensweise steht. Der erfahrene Schotte wird während der Matches vor allem fokussiert auf sein eigenes Spiel bleiben wollen, ohne sich von den Emotionen seines Partners ablenken zu lassen.
Als Kapitän des Teams wird Anderson eine wichtige Rolle dabei spielen, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Menzies wohlfühlt und optimal performen kann. Mit seiner jahrelangen Erfahrung auf höchstem Niveau weiß er wie kaum ein anderer, wie man mit dem Druck einer großen Bühne umgeht. Zugleich hat auch seine Geduld Grenzen, besonders wenn in kritischen Phasen eines Matches die Emotionen die Oberhand gewinnen.
Für Menzies bedeutet dieser World Cup außerordentlich viel. Er ist sich sehr bewusst, dass er die schwere Aufgabe erhalten hat, einen Spieler vom Kaliber Wright zu ersetzen. Das bringt automatisch höhere Erwartungen mit sich. Gerade deshalb wird er darauf brennen, einen reifen Eindruck zu hinterlassen und zu zeigen, dass er auf dieser Bühne hingehört.
Der Debütant wird sich der Aufmerksamkeit bewusst sein, die auf ihn gerichtet ist. Für ihn wird es darauf ankommen, ruhig zu bleiben, dem zu vertrauen, was er in den vergangenen Jahren erarbeitet hat, und vor allem die Erfahrung zu genießen. Der World Cup kann ein wichtiger Lernprozess für einen Spieler sein, der sich innerhalb der PDC-Spitze zunehmend bemerkbar macht.
Doch das sind Sorgen für später. In Frankfurt zählt das Hier und Jetzt. In einem Doppelturnier können Spannungen und Missverständnisse teuer werden. Beide Spieler tragen die Verantwortung, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihren Partner und ihr Land zu liefern.
Fazit
Die Realität ist, dass niemand genau weiß, was von diesem schottischen Duo zu erwarten ist. Wahrscheinlich Anderson und Menzies selbst auch nicht. Ihr Ceiling liegt hoch, doch ebenso ihre Untergrenze. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie in der zweiten Runde direkt auf einen starken Gegner treffen und mangels Rhythmus früh ausscheiden.
Gleichzeitig fühlt es sich an, als würde diese Ausgabe des World Cup of Darts für Überraschungen sorgen. England ist selbstverständlich der große Favorit, doch dahinter sind die Chancen greifbar. Wales wirkt weniger stark als in den vergangenen Jahren; die Niederlande kämpfen bisweilen mit derselben Wechselhaftigkeit wie Schottland, und auch Deutschland hat seine eigenen Sorgen Richtung Turnier.
An einem ihrer besten Tage können Anderson und Menzies jeden Gegner wehtun. Ihr Scoring gehört zu den stärksten im Teilnehmerfeld, und wenn beide ihr Niveau abrufen, sind sie eine Gefahr für jeden Titelfavoriten.
Das K.-o.-Format lässt jedoch wenig Raum für Fehler. Ein schlechtes Spiel kann ausreichen, um direkt die Heimreise anzutreten. Daher muss Schottland schnell eine gute Balance finden, Vertrauen aufbauen und die Zusammenarbeit aufeinander abstimmen.
Stimmt die Chemie zwischen Anderson und Menzies und bleibt die Atmosphäre im Team positiv, ist ein dritter schottischer World-Cup-Titel keineswegs unrealistisch. Werden jedoch die Zweifel an Form, Doppeln und innerer Dynamik Realität, kann das Turnier für die Schotten so schnell enden, wie es begonnen hat.