„Gary wird mir wahrscheinlich sagen, dass ich ins Bett gehen und die Tür abschließen soll“ – Menzies debütiert an der Seite seines Idols beim World Cup of Darts
PDCFür Cameron Menzies steht in dieser Woche einer der größten Momente seiner Dartskarriere auf dem Programm. Der Schotte darf erstmals sein Land beim World Cup of Darts vertreten und bildet dabei ein Duo mit niemand Geringerem als seinem großen Jugendidol Gary Anderson.
Obwohl die Anspannung langsam steigt, bleibt Menzies vorerst bemerkenswert gelassen. „Im Moment läuft es eigentlich ziemlich gut“, sagte er bei Online Darts. „Das überrascht mich selbst ein bisschen. Natürlich bin ich nervös, aber vor allem, weil ich es kaum erwarten kann, endlich dieses schottische Trikot zu tragen. Die richtigen Nerven werden wohl erst kommen, wenn ich am Freitag ins Flugzeug steige.“
Durch den Absturz von Peter Wright erhält Menzies die Chance, sich einem erlesenen Kreis von Spielern anzuschließen, die Schottland beim World Cup vertreten haben. „Das sind natürlich große Fußstapfen“, räumte er ein. „Die vier Spieler, die vor mir für Schottland gespielt haben, sind allesamt Ikonen des schottischen Darts. Hoffentlich werde ich eines Tages im selben Atemzug genannt. Das hier ist auf jeden Fall ein guter Anfang.“
Dass er diese Chance an der Seite von Gary Anderson bekommt, macht es für Menzies umso besonderer. Der zweifache Weltmeister gehört seit Jahren zu seinen großen Vorbildern. „Für mich ist Gary eigentlich der perfekte Partner an meiner Seite“, sagte er. „Er ist mein Held. Natürlich wäre es auch eine Ehre gewesen, neben Peter Wright zu spielen, aber Gary ist für mich der ideale Partner. Ich hoffe vor allem, dass ich ihn nicht enttäusche.“
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Die perfekte Balance im schottischen Team
Laut Menzies kann gerade der Unterschied im Charakter zwischen ihm und Anderson beim World Cup ein wichtiger Trumpf sein. Während Menzies auf der Bühne als emotional und expressiv gilt, bleibt Anderson nahezu immer unerschütterlich.
„Gary ist als Spieler eigentlich genau das Gegenteil von mir“, erklärte Menzies. „Und genau deshalb glaube ich, dass es gut funktionieren kann. Gary bleibt immer gleich. Egal ob ich gut oder schlecht spiele, Gary bleibt ruhig. Er wirft einfach weiter seine 140er.“
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Diese Ruhe könne genau das sein, was er unter dem Druck eines Nationenturniers brauche. „Wenn jemand genauso emotional wäre wie ich, könnte das vielleicht nach hinten losgehen“, sagte er. „Dann schaukelt man sich womöglich negativ hoch. Gary bringt dagegen Ruhe. Wenn ich einen Fehler mache, bleibt er gelassen. Das kann für mich ein großer Vorteil sein.“
Er erwartet zudem, dass das schottische Duo nur schwer zu schlagen ist, wenn beide ihr bestes Niveau erreichen. „Ich denke, wenn Gary so spielt, wie er es normalerweise tut, und ich meine A-Game finde, können wir ein Team sein, das sehr schwer zu bezwingen ist“, so Menzies. „Wir sind beide starke Scorer. Wenn wir dazu auch unsere Doppel treffen, glaube ich, dass wir sehr weit kommen können.“
Warum der World Cup so besonders ist
Menzies nennt sein World-Cup-Debüt ohne zu zögern einen der größten Momente seiner Laufbahn. „Vielleicht ist das sogar der größte Moment meiner Karriere“, sagte er. „Natürlich habe ich Finals gespielt und schöne Turniere erlebt, aber hier spielst du für dein Land. Nur sehr wenige Spieler bekommen diese Chance.“
Dieses Gefühl kannte er bereits aus seiner Zeit in der BDO, doch ein World Cup für Schottland innerhalb der PDC fühlt sich für ihn weiterhin besonders an. „Es bleibt eine riesige Ehre, sein Land zu vertreten. Nicht viele Spieler können sagen, dass sie das erlebt haben.“
Außerdem verweist er auf die besondere Dynamik des Turniers. „Dieses Format sorgt für andere Kräfteverhältnisse“, sagte Menzies. „Du brauchst zwei Spieler, die gut spielen. Manche sind individuell stärker, während andere im Doppel aufblühen. Dadurch gibt es fast jedes Jahr Überraschungen.“
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Als Beispiel nennt er den schottischen Titel von Peter Wright und John Henderson. „Als sie gewonnen haben, waren sie großartig. Man sieht oft, dass zwei Spieler plötzlich perfekt harmonieren und dann kann man sehr weit kommen.“
Schwere Zeit liegt hinter ihm
Dass Menzies diese Woche in Frankfurt steht, ist alles andere als selbstverständlich. Die vergangenen Monate waren für den Schotten sowohl körperlich als auch mental besonders hart. „Es waren schwierige Monate“, gab er zu. „Die letzten drei oder vier Wochen liefen besser, aber davor hatte ich zu kämpfen. Nicht nur mit meiner Hand, sondern auch mental.“
Eine Handverletzung bereitete ihm beim Wurf lange Probleme. „Ich würde nicht sagen, dass meine Hand vollständig verheilt ist“, erklärte er. „Aber es ist viel besser als zuvor. Es gibt noch etwas Taubheit, doch mein Spiel beeinträchtigt es kaum noch.“
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Zeitweise war die Lage so schwierig, dass Menzies ernsthaft an seiner Zukunft im Darts zweifelte. „Ich habe sogar wieder an meinem Lebenslauf gearbeitet“, enthüllte er. „So schlecht fühlte es sich an. Ich habe meinen Lebenslauf überall herumgeschickt und wollte mich auf drei oder vier Vollzeitstellen bewerben.“
Sein ehemaliger Vorgesetzter aus dem Sanitärbereich bot ihm sogar direkt einen Job an, falls er aufhören würde. „Mein früherer Chef sagte, ich könne sofort zurückkommen, wenn ich wolle. Diese Möglichkeit gab es immer.“
Hypnotherapie sorgt für die Wende
Eine wichtige Rolle in seiner Erholung spielte die Hypnotherapie, mit der Menzies zunächst wenig Erfahrung hatte. „Sie hat mir enorm geholfen“, berichtete er. „Nicht nur beim Darts, sondern auch im Leben außerhalb des Darts.“
So kämpfte der Schotte jahrelang mit Flugangst. „Ich fand Fliegen schrecklich. Ich war völlig angespannt. Jetzt mag ich es zwar immer noch nicht, aber ich bin deutlich weniger ängstlich.“
Auch auf der Bühne spürt er die Vorteile. „Ich fühle mich ruhiger. Natürlich lasse ich mich manchmal noch vom Moment mitreißen, aber insgesamt bin ich viel gelassener als noch vor ein paar Monaten.“
Laut Menzies hat dieser mentale Fortschritt ihm geholfen, Darts wieder zu genießen. „Ich versuche, die Momente mehr zu genießen, weil ich jetzt weiß, wie schnell man alles verlieren kann.“
Traumwoche in Frankfurt und Blick auf Blackpool
Neben dem World Cup hat Menzies ein weiteres wichtiges Ziel vor Augen: die Qualifikation für das World Matchplay in Blackpool. Aktuell hält er noch einen Qualifikationsplatz, doch die Abstände sind gering. „Wenn ich mich qualifiziere, freue ich mich riesig darauf“, sagte er. „Ich denke, ich würde es dieses Jahr besser machen als im Vorjahr.“
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Die Winter Gardens bleiben für ihn ein besonderer Ort. „Blackpool fühlt sich immer wie Heimat an. Früher bin ich jedes Jahr mit meiner Familie dorthin gefahren. Letztes Jahr war der Besuch kurz, aber ich habe es genossen.“
Zunächst wartet jedoch das Abenteuer mit Schottland. Dabei setzt Menzies auf die Erfahrung von Anderson, selbst wenn der ihn gelegentlich vor sich selbst schützen muss. „Gary wird mir wahrscheinlich sagen, ich soll ins Bett gehen und die Tür abschließen, damit ich nicht weg kann“, scherzte er, als er gefragt wurde, ob er während des Turniers schottischen Fußball schauen werde.

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026












