„Viele Spieler nutzen es noch immer, um ihre Nerven zu kontrollieren“ – Dennis Priestley sorgt mit Alkohol-Aussage für Diskussionen

PDC
Freitag, 12 Juni 2026 um 10:30
DennisPriestley
Der Dartsport hat in den vergangenen Jahrzehnten einen bemerkenswerten Wandel durchlebt. Was einst als klassische Kneipensportart in britischen Pubs begann, hat sich zu einer globalen Profisportart mit Millionen von Zuschauern, ausverkauften Arenen und stetig steigenden Preisgeldern entwickelt. Dennoch bleibt ein Element eng mit dem Image des Sports verbunden: Alkohol.
Auch wenn das Bild von rauchenden und trinkenden Spielern auf der Bühne inzwischen weitgehend der Vergangenheit angehört, glaubt Ex-Weltmeister Dennis Priestley, dass Alkohol hinter den Kulissen noch immer eine größere Rolle spielt, als viele vermuten. Der mittlerweile 75-jährige Engländer sorgte in dieser Woche für Aufsehen, als er erklärte, einige Profis würden auch heute noch bewusst Alkohol nutzen, um mit dem Druck großer Spiele besser umzugehen.

„Es beruhigt einfach die Nerven“

Priestley, Weltmeister von 1994 und einer der Pioniere der PDC, ist überzeugt, dass Alkohol für manche Spieler weiterhin ein Mittel sein kann, um Nervosität zu kontrollieren.
„Alkohol beruhigt einfach die Nerven“, erklärte der Engländer gegenüber Bild. „Man muss nur genau wissen, wie viel man braucht, um entspannt zu bleiben, ohne dass es das eigene Spiel beeinflusst.“
Mit dieser Aussage spricht Priestley ein sensibles Thema im Dartsport an. Während Alkohol früher nahezu selbstverständlich zum Spielerleben gehörte, stehen heute körperliche Fitness, mentale Betreuung und professionelle Vorbereitung deutlich stärker im Mittelpunkt.
Trotzdem kann der ehemalige Weltmeister nachvollziehen, warum manche Spieler versucht sein könnten, vor einem Spiel zu einem Getränk zu greifen.
„Der Druck im modernen Darts ist enorm. Jeder schaut auf Averages, Ranglisten und Ergebnisse. Einige Spieler suchen nach Wegen, diese Anspannung zu reduzieren. Früher geschah das oft mit einem Getränk.“

Eine andere Zeit

Priestley spricht dabei aus eigener Erfahrung. In verschiedenen Interviews berichtete er bereits mehrfach darüber, wie anders die Darts-Welt in den 1980er- und 1990er-Jahren aussah.
Nach seinen Aussagen war es damals nichts Ungewöhnliches, dass Spieler während Turnieren mehrere alkoholische Getränke konsumierten. Priestley erzählte sogar einmal, dass er seinen WM-Titel 1994 gewann, nachdem er zuvor vier Gläser Bier getrunken hatte.
Dennis Priestley in seinem markanten rot-schwarzen Outfit
Dennis Priestley in seinem markanten rot-schwarzen Outfit
Auch andere Legenden dieser Ära sprachen offen über die damalige Trinkkultur im Dartsport. Spieler reisten gemeinsam zu Turnieren, verbrachten viele Stunden in Pubs und verbanden den Wettkampf regelmäßig mit geselligen Aktivitäten, bei denen Alkohol eine zentrale Rolle spielte.
„Das war damals die Kultur des Sports“, sagte Priestley. „Niemand fand das ungewöhnlich. Es gehörte einfach dazu.“
Wer heute Aufnahmen großer Turniere aus dieser Zeit sieht, erkennt sofort, wie stark sich der Sport seitdem verändert hat. Nicht nur die Veranstaltungen wirken deutlich professioneller, auch die Spieler selbst haben sich verändert.

Moderne Spitzensportler

Die aktuelle Spielergeneration hat nur noch wenig mit dem Klischee des biertrinkenden Kneipenspielers gemeinsam. Namen wie Luke Humphries, Luke Littler und Gian van Veen stehen für eine neue Generation, die großen Wert auf Ernährung, Training und Regeneration legt.
Auch Gerwyn Price wird häufig als Beispiel für diese Entwicklung genannt. Der ehemalige Rugbyspieler verfügt über einen Körperbau, der eher an einen Profisportler als an das traditionelle Bild eines Dartspielers erinnert.
Diese Entwicklung ist nach Ansicht vieler Experten auch notwendig geworden. Die Zahl der Turniere ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark angestiegen. Während Spieler früher hauptsächlich in Großbritannien aktiv waren, reisen sie heute für Turniere durch Europa, Nordamerika, Asien und Ozeanien.
„Man kann heute nicht mehr so leben wie früher und erwarten, dauerhaft an der Spitze zu bleiben“, lautet eine häufige Einschätzung innerhalb des Sports. Die Belastung sei schlicht deutlich höher geworden.

Die PDC sieht keinen Handlungsbedarf

Trotz der Aussagen von Priestley sieht die Professional Darts Corporation derzeit keinen Anlass für zusätzliche Maßnahmen rund um Alkoholkonsum.
PDC-Geschäftsführer Matt Porter betonte, dass es aktuell keine Hinweise darauf gebe, dass Alkohol ein strukturelles Problem auf der Tour darstelle.
„Wir haben nicht das Gefühl, dass dies etwas ist, das kontrolliert werden muss“, sagte Porter. „Einfach deshalb, weil es kein Problem ist, das außer Kontrolle gerät.“
Dabei zog er einen Vergleich zu anderen Sportarten.
„Wenn Harry Kane vor einem Spiel für Bayern München zwei Bier trinken würde, gibt es keine Regel, die ihm das verbietet. Dasselbe Prinzip gilt auch hier.“
Nach Ansicht von Porter liegt die Verantwortung daher größtenteils bei den Spielern selbst. Solange Leistungen, Professionalität und Verhalten nicht beeinträchtigt werden, sieht die PDC keinen Grund einzugreifen.

Kann Alkohol sogar ein Vorteil sein?

Dennoch bleibt die Diskussion interessant. In vielen Sportarten gilt Alkohol als leistungshemmender Faktor. Im Dartsport könnte die Situation etwas komplexer sein.
Darts ist eine Sportart, in der Präzision, Rhythmus und mentale Ruhe entscheidend sind. Einige Spieler gaben in der Vergangenheit zu, dass ihnen kleine Mengen Alkohol geholfen hätten, während wichtiger Spiele entspannter zu bleiben.
Gleichzeitig weisen Sportwissenschaftler darauf hin, dass Alkohol negative Auswirkungen auf Konzentration, Reaktionsvermögen und Koordination hat. Eigenschaften, die für Höchstleistungen am Dartboard unverzichtbar sind.
„Vielleicht hilft es jemandem, ruhiger zu werden“, lautet eine häufige Einschätzung von Experten. „Langfristig überwiegen die Nachteile jedoch meist die Vorteile.“
Deshalb setzen die meisten modernen Profis heute auf andere Methoden, um mit Wettkampfdruck umzugehen. Mentaltrainer, Atemtechniken, Meditation und Sportpsychologie gehören inzwischen für viele Spitzenspieler zur Vorbereitung.

Ein Sport zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die Aussagen von Dennis Priestley verdeutlichen vor allem, wie stark sich der Dartsport verändert hat. Die Generation von Priestley wuchs in einer Zeit auf, in der Alkohol rund um Turniere nahezu selbstverständlich war. Die heutige Generation bewegt sich dagegen in einem Umfeld, in dem Professionalität im Mittelpunkt steht und jedes Detail über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann.
Dennoch bleibt die Verbindung zwischen Darts und Alkohol bestehen, auch wenn sie heute vor allem auf den Zuschauerrängen sichtbar ist. Die Atmosphäre in den großen Arenen, in denen tausende Fans verkleidet und mit einem Getränk in der Hand ihre Lieblingsspieler unterstützen, gehört weiterhin zu den Markenzeichen des Sports.
Ob es tatsächlich noch Spieler gibt, die unmittelbar vor einem Match bewusst Alkohol konsumieren, bleibt Spekulation. Beweise dafür gibt es nicht, und die meisten Profis bestreiten, dass dies heutzutage noch vorkommt.
Mit seinen Aussagen hat Dennis Priestley jedoch erneut eine Diskussion angestoßen, die zeigt, wie einzigartig der Dartsport weiterhin ist. Ein Sport, der seine Wurzeln in den Pubs nie vollständig verlieren wird, gleichzeitig aber professioneller geworden ist als jemals zuvor.
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