„Natürlich, warum sollte sich das ändern? Ich weiß genau, was ich gesagt habe“ – Ranglistenturniere bleiben Michael van Gerwen wichtiger als Premier League
Michael van Gerwen richtet seinen Blick klar nach vorne – und das trotz eines durchwachsenen Starts in die Premier League Darts. Vor dem Duell mit Luke Humphries am Donnerstagabend in Berlin macht der Niederländer deutlich, wo seine Prioritäten liegen: nicht auf der Showbühne der wöchentlichen Roadshow, sondern auf den Ranglistenturnieren.
Zwar sicherte sich der dreifache Weltmeister bereits einen Tagessieg, doch zufrieden ist er mit seiner Punkteausbeute nicht. „Ich denke, ich hätte ein bisschen mehr Punkte haben können, aber so ist die Premier League“, erklärte van Gerwen. Für ihn gehört diese Unberechenbarkeit seit Jahren zum Wettbewerb. Entscheidend sei, aus jeder Woche das Maximum herauszuholen.
Form, Selbstkritik und der Kampf um Rhythmus
An seiner grundsätzlichen Ausrichtung lässt van Gerwen keinen Zweifel. Die Ranglistenturniere stehen für ihn weiterhin an erster Stelle. „Natürlich, warum sollte sich das ändern? Ich weiß genau, was ich gesagt habe“, betont er. Diese Turniere seien nicht nur für ihn, sondern für alle Profis essenziell, um konstant auf höchstem Niveau zu bleiben.
Michael van Gerwen trifft in Berlin auf Humphries.
Auch sportlich sieht sich der Niederländer auf dem richtigen Weg. Trotz wechselnder Ergebnisse erkennt er keinen Leistungsabfall. „Ich spiele nicht schlechter als zu Beginn der Premier League“, stellt van Gerwen klar. Der Auftaktsieg habe vielleicht ein anderes Bild vermittelt, doch in Wahrheit bewege er sich konstant auf einem ähnlichen Level.
Seine eigene Erwartungshaltung bleibt dabei hoch. Van Gerwen gilt seit Jahren als einer der kritischsten Beobachter seines eigenen Spiels. Gleichzeitig weiß er, dass Perfektion im Darts selten dauerhaft erreichbar ist. „Manchmal musst du Dinge auch akzeptieren“, sagt er – eine bemerkenswert nüchterne Einschätzung für einen Spieler, der über ein Jahrzehnt die Szene geprägt hat.
Um wieder mehr Konstanz in Ergebnisse umzuwandeln, setzt van Gerwen gezielt auf zusätzliche Spielpraxis. Die kommenden ProTour-Events spielen dabei eine zentrale Rolle. „Du kannst es nur drehen, indem du Spiele gewinnst“, erklärt er. Genau deshalb reist er in der nächsten Woche zu den Floor-Turnieren, um seinen Rhythmus zu finden und Selbstvertrauen aufzubauen.
Auch abseits der Bühne sucht van Gerwen nach kleinen Impulsen. So begleitete ihn zuletzt seine Tochter zu einem Euro-Tour-Event – eine spontane Entscheidung, die für zusätzliche Motivation sorgte. „Sie wollte kurzfristig mitkommen, und wir haben es einfach organisiert“, erzählt er. Solche Momente geben ihm Energie, doch er bleibt realistisch: „Das gibt mir Motivation, aber keine Garantien.“
Diese Ehrlichkeit zieht sich durch seine Aussagen. Persönliche Unterstützung kann helfen, ersetzt aber keine Leistung am Board. Van Gerwen weiß, dass im Darts allein die Ergebnisse zählen – unabhängig davon, wer im Publikum sitzt.
Druck der Premier League
Mit Blick auf die Konkurrenz zeigt sich der Niederländer reflektiert und respektvoll. Die Tour sei lang, intensiv und verlange den Spielern alles ab. Auch gesundheitliche Rückschläge gehören dazu. Über seinen Landsmann Gian van Veen, der sich kürzlich einer Operation unterziehen musste, sagt er: „Am Ende des Tages sind wir Menschen.“ Solche Situationen seien Teil des Sports, auch wenn sie niemand erleben wolle.
Gleichzeitig kennt van Gerwen den mentalen Druck der Premier League nur zu gut. Gerade für jüngere Spieler wie Josh Rock kann die Kombination aus Formschwankungen, Reisen und konstantem Top-Niveau zur echten Herausforderung werden. „Du musst versuchen, etwas entspannter zu bleiben – leichter gesagt als getan“, erklärt er.
Die Struktur der Premier League verschärft diese Situation zusätzlich. Kurze Matches, hohe Intensität und wöchentliche Duelle mit der Weltspitze lassen kaum Raum für Fehler. „Das kann hart sein, besonders wenn du noch keine Punkte hast“, sagt van Gerwen. Genau deshalb kommt es auf mentale Stärke und schnelle Anpassung an.
Trotz aller Herausforderungen bleibt sein Siegeshunger ungebrochen. „Das Gefühl zu gewinnen ist großartig, das Gefühl zu verlieren immer hart“, bringt er es auf den Punkt.
Humphries-Aura im Gespräch
Der Fokus richtet sich nun auf das Duell mit Humphries in Berlin. Für van Gerwen spielt es dabei keine Rolle, welche Geschichten rund um seinen Gegner kursieren. „Luke ist ein fantastischer Spieler“, stellt er klar. Diskussionen über Form oder Ausstrahlung interessieren ihn nicht.
Für ihn zählt nur der direkte Vergleich auf der Bühne. „Ich muss einfach gegen ihn kämpfen“, sagt van Gerwen – ein Satz, der seine Herangehensweise perfekt beschreibt. Unabhängig von Ranglistenpositionen oder Erwartungen geht es für ihn jede Woche darum, den Gegner zu schlagen.