„Solange ich das Finale erreiche, werde ich nach dem Grand Slam die Nummer 1 sein" – Luke Littler konzentriert sich bei der Titelverteidigung auf die Spitze der Weltrangliste

PDC
Sonntag, 09 November 2025 um 00:30
Luke Littler (1)
Luke Littler hat seine Titelverteidigung beim Grand Slam of Darts mit einem souveränen Auftritt begonnen. Der amtierende Champion setzte sich zum Auftakt der Gruppenphase in Wolverhampton mit 5:1 gegen Karel Sedláček durch und unterstrich gleich zu Beginn, dass er seinen Triumph aus dem Vorjahr wiederholen will. Nur ein verlorenes Leg trübte den klaren Erfolg – eine Kleinigkeit, die der 18-Jährige selbstkritisch, aber mit einem Lächeln bewertete.
„Ja, ich war natürlich auf einen Sieg aus“, sagte Littler nach seinem gelungenen Auftakt. „Als ich beim Ausbullen verlor, wusste ich, dass ich schnell starten muss. Genau das habe ich getan. Nur das verlorene Leg hat mich ein bisschen geärgert.“ Für den jungen Engländer war es der perfekte Start auf dem Weg zu einem erneuten Major-Titel.

Titelverteidiger mit klarer Mission

Bereits zum zweiten Mal in seiner noch jungen Laufbahn verteidigt Littler einen PDC-Major-Titel. Der Teenager spürt die besondere Atmosphäre, wenn er als Champion zurückkehrt. „Es ist schon ein spezielles Gefühl“, erklärte er. „Ich bin nicht in die Premier League gegangen, deshalb fühlt sich das hier anders an – ein neues Turnier, eine neue Chance. Ich wollte da weitermachen, wo ich letztes Jahr aufgehört habe."
luke littler 1
Littler könnte in dieser Woche erstmal die neue Nummer eins der Weltrangliste werden.
Dass ihm die Rolle des Titelverteidigers liegt, zeigte er eindrucksvoll. Littler weiß, welche Erwartung auf ihm lastet – von Medien, Fans und Gegnern gleichermaßen. „Wer einmal einen Titel gewinnt, will beim nächsten Mal zurückkommen und zeigen, dass es kein Zufall war. Ich will diesen Titel erneut holen. Wenn ich morgen wieder gewinne, kann ich am Dienstag ein bisschen entspannter spielen.“
Die kurzen Distanzen in der Gruppenphase liegen Littler. Der Rhythmus, der keine Fehler erlaubt, scheint ihn zu beflügeln. „Man muss vom ersten Dart an da sein“, betonte er. „Mein Scoring war gut, die Doppel waren mal hier, mal dort – aber das bekomme ich für morgen besser hin. Ich weiß, was ich kann, und ich habe es heute Abend gezeigt.“
Der Fokus auf einen schnellen Auftakt zieht sich wie ein roter Faden durch Littlers Spielphilosophie. „Auch auf der Pro Tour musst du sofort voll da sein, sonst bist du raus“, meinte er. „Ich kenne meine Stärke und weiß, dass ich jeden schlagen kann, wenn ich meinen Rhythmus finde.“
Ein kurzer Moment voller Ehrgeiz blitzte auf, als er über das verlorene Leg sprach. Littler grinste, als er zugab, dass er gern das makellose 5:0-Ergebnis seines Landsmanns Luke Humphries nachmachen wollte. „Wir haben gesehen, dass Luke 3:0 vorne lag, und als wir ankamen, stand es schon 5:0 – brillant“, sagte Littler. „Ich wollte auch keins abgeben, besonders nach den ersten vier Legs. Aber das war’s – morgen hole ich mir vielleicht einen Whitewash.“

Die „Gruppe des Todes“ zieht Blicke auf sich

Während Littler seinen Sieg verarbeitete, richteten sich die Blicke auf eine andere Schlagzeile des Abends – die sogenannte „Gruppe des Todes“. Michael van Gerwen traf dort auf Beau Greaves, während Gary Anderson überraschend gegen Niko Springer verlor. Für viele gilt diese Konstellation als eine der härtesten in der Grand-Slam-Geschichte.
„Sie können das jetzt unter sich ausmachen“, meinte Littler augenzwinkernd. „Jeder weiß, dass Michael momentan nicht in seiner besten Form spielt, aber seine Qualität ist unbestritten. Gary hat gegen Niko verloren – da kann hier alles passieren. Ich bin sicher, das wird noch richtig spannend.“
Dass Littler die Konkurrenz genaustens im Blick hat, überrascht niemanden. Seine natürliche Ruhe täuscht über den Ehrgeiz hinweg, mit dem er jedes Detail verfolgt. Er weiß, dass es oft die kleinen Beobachtungen sind, die bei einem großen Turnier den Unterschied machen.

Jagd auf die Nummer 1 der Welt

Neben der Titelverteidigung beschäftigt den jungen Engländer auch ein anderes Thema: die Weltrangliste. Aktuell führt Littler die Live-Wertung mit mehr als 80.000 Pfund Vorsprung vor Luke Humphries an. „Im Moment bin ich die Nummer 1 – aber das zählt erst, wenn das Turnier vorbei ist“, sagte er. „Solange ich das Finale erreiche, werde ich nach dem Grand Slam die Nummer 1 sein. Ich muss nur weiter fokussiert bleiben.“
Für einen Spieler, der erst vor zwei Jahren ins Profilager wechselte, ist dieser Aufstieg außergewöhnlich. „Wenn ich einmal die Nummer 1 bin, will ich so lange wie möglich dort bleiben“, erklärte Littler entschlossen. „Das wird mich noch hungriger machen. Ich will, dass es für die anderen schwer wird, mich zu überholen.“
Diese Zielstrebigkeit prägt jede Aussage des Teenagers. Es ist die Überzeugung eines Spielers, der seine rasante Entwicklung selbstbewusst, aber mit klarer Selbstreflexion betrachtet. Kaum jemand vereint jugendliche Leichtigkeit und professionellen Fokus so wie Luke Littler.
Zurück in Wolverhampton erlebte der Titelverteidiger eine Mischung aus Vertrautheit und Neuanfang. „Es fühlt sich seltsam an“, gestand Littler. „Ich habe in den letzten Monaten so viele Turniere gespielt, dass ich mich an manche Hallen kaum erinnere. Aber hier ist alles wie letztes Jahr. Gleicher Ort, gleicher Sponsor – das fühlt sich gut an.“
Dieses Wohlgefühl könnte ein wichtiger Faktor im weiteren Verlauf des Turniers sein. Für Littler geht es längst nicht mehr nur um einzelne Siege, sondern um die Bestätigung seiner neuen Rolle als Gesicht einer jungen Dartsgeneration. Gelassenheit gepaart mit Hunger – diese Kombination macht ihn so gefährlich.

Respekt vor Sedláček und der verpasste "Big Fish“

Auch seinem Auftaktgegner Karel Sedláček zollte Littler Anerkennung. Der Tscheche spielte auf der Pro Tour in diesem Jahr konstant stark, doch gegen den Champion fand er kaum den Takt. „Ich habe gegen ihn schon bei einem World Series Event gespielt – das war eng“, sagte Littler. „Heute Abend musste ich sofort Druck machen und den Job erledigen.“
Am Ende hätte die Partie beinahe noch ein Highlight geboten: Littler verfehlte nur knapp das 170er-Finish. „Ja, das wäre schön gewesen“, lachte er. „Ich hatte heute keinen einzigen 118er, also wollte ich wenigstens die 170 probieren. Aber es hat nicht sollen sein – Hauptsache gewonnen.“
Wer glaubt, Littler würde nach einem Auftaktsieg abschalten, irrt. Auch zwischen den Matches bleibt er im Tunnel. „Im Trainingsraum laufen überall Bildschirme – man bekommt immer mit, was auf der Bühne passiert“, erklärte er. „Ich schaue mir möglichst alles an. Manche Spieler tun das nicht, aber ich finde, man kann immer etwas lernen.“
Diesen Ansatz teilt er mit nur wenigen Kollegen in seinem Alter. Littler lebt Darts – und das rund um die Uhr. Ob Training, Analyse oder einfach nur Zuschauen: Der Engländer bleibt fokussiert und ehrgeizig, ohne den Spaß am Spiel zu verlieren. „Ich bleibe einfach ich selbst“, sagte er, „und das funktioniert bislang ganz gut.“
Wenn es um Konkurrenten geht, weicht Littler keiner Frage aus. „Ehrlich gesagt: Jeder kann gefährlich werden“, sagte er. „Im K.-o.-Modus kannst du schnell wieder auf jemanden aus deiner Gruppe treffen. Dass Niko Gary geschlagen hat, gibt ihm sicher Auftrieb. Beau und Michael sind trotzdem Favoriten. Ich schaue mir keine Gruppen an, aber von außen wirkt das wie die Todesgruppe.“
Ob er selbst am Ende wieder für die Schlagzeile des Turniers sorgt, bleibt abzuwarten. Doch sein Start ließ keinen Zweifel daran, dass er diesen Titel mit aller Macht verteidigen will. Der 18-Jährige strahlt die gleiche Ruhe, Überzeugung und Zielstrebigkeit aus, die ihn schon 2024 zum jüngsten Grand Slam Champion aller Zeiten gemacht haben.
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