Luke Littler hat seine Titelverteidigung beim
Grand Slam of Darts mit einem souverĂ€nen Auftritt begonnen. Der amtierende Champion setzte sich zum Auftakt der Gruppenphase in Wolverhampton mit 5:1 gegen Karel SedlĂĄÄek durch und unterstrich gleich zu Beginn, dass er seinen Triumph aus dem Vorjahr wiederholen will. Nur ein verlorenes Leg trĂŒbte den klaren Erfolg â eine Kleinigkeit, die der 18-JĂ€hrige selbstkritisch, aber mit einem LĂ€cheln bewertete.
âJa, ich war natĂŒrlich auf einen Sieg ausâ, sagte Littler nach seinem gelungenen Auftakt. âAls ich beim Ausbullen verlor, wusste ich, dass ich schnell starten muss. Genau das habe ich getan. Nur das verlorene Leg hat mich ein bisschen geĂ€rgert.â FĂŒr den jungen EnglĂ€nder war es der perfekte Start auf dem Weg zu einem erneuten Major-Titel.
Titelverteidiger mit klarer Mission
Bereits zum zweiten Mal in seiner noch jungen Laufbahn verteidigt Littler einen PDC-Major-Titel. Der Teenager spĂŒrt die besondere AtmosphĂ€re, wenn er als Champion zurĂŒckkehrt. âEs ist schon ein spezielles GefĂŒhlâ, erklĂ€rte er. âIch bin nicht in die Premier League gegangen, deshalb fĂŒhlt sich das hier anders an â ein neues Turnier, eine neue Chance. Ich wollte da weitermachen, wo ich letztes Jahr aufgehört habe."
Littler könnte in dieser Woche erstmal die neue Nummer eins der Weltrangliste werden.
Dass ihm die Rolle des Titelverteidigers liegt, zeigte er eindrucksvoll. Littler weiĂ, welche Erwartung auf ihm lastet â von Medien, Fans und Gegnern gleichermaĂen. âWer einmal einen Titel gewinnt, will beim nĂ€chsten Mal zurĂŒckkommen und zeigen, dass es kein Zufall war. Ich will diesen Titel erneut holen. Wenn ich morgen wieder gewinne, kann ich am Dienstag ein bisschen entspannter spielen.â
Die kurzen Distanzen in der Gruppenphase liegen Littler. Der Rhythmus, der keine Fehler erlaubt, scheint ihn zu beflĂŒgeln. âMan muss vom ersten Dart an da seinâ, betonte er. âMein Scoring war gut, die Doppel waren mal hier, mal dort â aber das bekomme ich fĂŒr morgen besser hin. Ich weiĂ, was ich kann, und ich habe es heute Abend gezeigt.â
Der Fokus auf einen schnellen Auftakt zieht sich wie ein roter Faden durch Littlers Spielphilosophie. âAuch auf der Pro Tour musst du sofort voll da sein, sonst bist du rausâ, meinte er. âIch kenne meine StĂ€rke und weiĂ, dass ich jeden schlagen kann, wenn ich meinen Rhythmus finde.â
Ein kurzer Moment voller Ehrgeiz blitzte auf, als er ĂŒber das verlorene Leg sprach. Littler grinste, als er zugab, dass er gern das makellose 5:0-Ergebnis seines Landsmanns
Luke Humphries nachmachen wollte. âWir haben gesehen, dass Luke 3:0 vorne lag, und als wir ankamen, stand es schon 5:0 â brillantâ, sagte Littler. âIch wollte auch keins abgeben, besonders nach den ersten vier Legs. Aber das warâs â morgen hole ich mir vielleicht einen Whitewash.â
Die âGruppe des Todesâ zieht Blicke auf sich
WĂ€hrend Littler seinen Sieg verarbeitete, richteten sich die Blicke auf eine andere Schlagzeile des Abends â die sogenannte âGruppe des Todesâ. Michael van Gerwen traf dort auf Beau Greaves, wĂ€hrend Gary Anderson ĂŒberraschend gegen
Niko Springer verlor. FĂŒr viele gilt diese Konstellation als eine der hĂ€rtesten in der Grand-Slam-Geschichte.
âSie können das jetzt unter sich ausmachenâ, meinte Littler augenzwinkernd. âJeder weiĂ, dass Michael momentan nicht in seiner besten Form spielt, aber seine QualitĂ€t ist unbestritten. Gary hat gegen Niko verloren â da kann hier alles passieren. Ich bin sicher, das wird noch richtig spannend.â
Dass Littler die Konkurrenz genaustens im Blick hat, ĂŒberrascht niemanden. Seine natĂŒrliche Ruhe tĂ€uscht ĂŒber den Ehrgeiz hinweg, mit dem er jedes Detail verfolgt. Er weiĂ, dass es oft die kleinen Beobachtungen sind, die bei einem groĂen Turnier den Unterschied machen.
Jagd auf die Nummer 1 der Welt
Neben der Titelverteidigung beschĂ€ftigt den jungen EnglĂ€nder auch ein anderes Thema: die Weltrangliste. Aktuell fĂŒhrt Littler die Live-Wertung mit mehr als 80.000 Pfund Vorsprung vor Luke Humphries an. âIm Moment bin ich die Nummer 1 â aber das zĂ€hlt erst, wenn das Turnier vorbei istâ, sagte er. âSolange ich das Finale erreiche, werde ich nach dem Grand Slam die Nummer 1 sein. Ich muss nur weiter fokussiert bleiben.â
FĂŒr einen Spieler, der erst vor zwei Jahren ins Profilager wechselte, ist dieser Aufstieg auĂergewöhnlich. âWenn ich einmal die Nummer 1 bin, will ich so lange wie möglich dort bleibenâ, erklĂ€rte Littler entschlossen. âDas wird mich noch hungriger machen. Ich will, dass es fĂŒr die anderen schwer wird, mich zu ĂŒberholen.â
Diese Zielstrebigkeit prĂ€gt jede Aussage des Teenagers. Es ist die Ăberzeugung eines Spielers, der seine rasante Entwicklung selbstbewusst, aber mit klarer Selbstreflexion betrachtet. Kaum jemand vereint jugendliche Leichtigkeit und professionellen Fokus so wie Luke Littler.
ZurĂŒck in Wolverhampton erlebte der Titelverteidiger eine Mischung aus Vertrautheit und Neuanfang. âEs fĂŒhlt sich seltsam anâ, gestand Littler. âIch habe in den letzten Monaten so viele Turniere gespielt, dass ich mich an manche Hallen kaum erinnere. Aber hier ist alles wie letztes Jahr. Gleicher Ort, gleicher Sponsor â das fĂŒhlt sich gut an.â
Dieses WohlgefĂŒhl könnte ein wichtiger Faktor im weiteren Verlauf des Turniers sein. FĂŒr Littler geht es lĂ€ngst nicht mehr nur um einzelne Siege, sondern um die BestĂ€tigung seiner neuen Rolle als Gesicht einer jungen Dartsgeneration. Gelassenheit gepaart mit Hunger â diese Kombination macht ihn so gefĂ€hrlich.
Respekt vor SedlĂĄÄek und der verpasste "Big Fishâ
Auch seinem Auftaktgegner Karel SedlĂĄÄek zollte Littler Anerkennung. Der Tscheche spielte auf der Pro Tour in diesem Jahr konstant stark, doch gegen den Champion fand er kaum den Takt. âIch habe gegen ihn schon bei einem World Series Event gespielt â das war engâ, sagte Littler. âHeute Abend musste ich sofort Druck machen und den Job erledigen.â
Am Ende hĂ€tte die Partie beinahe noch ein Highlight geboten: Littler verfehlte nur knapp das 170er-Finish. âJa, das wĂ€re schön gewesenâ, lachte er. âIch hatte heute keinen einzigen 118er, also wollte ich wenigstens die 170 probieren. Aber es hat nicht sollen sein â Hauptsache gewonnen.â
Wer glaubt, Littler wĂŒrde nach einem Auftaktsieg abschalten, irrt. Auch zwischen den Matches bleibt er im Tunnel. âIm Trainingsraum laufen ĂŒberall Bildschirme â man bekommt immer mit, was auf der BĂŒhne passiertâ, erklĂ€rte er. âIch schaue mir möglichst alles an. Manche Spieler tun das nicht, aber ich finde, man kann immer etwas lernen.â
Diesen Ansatz teilt er mit nur wenigen Kollegen in seinem Alter. Littler lebt Darts â und das rund um die Uhr. Ob Training, Analyse oder einfach nur Zuschauen: Der EnglĂ€nder bleibt fokussiert und ehrgeizig, ohne den SpaĂ am Spiel zu verlieren. âIch bleibe einfach ich selbstâ, sagte er, âund das funktioniert bislang ganz gut.â
Wenn es um Konkurrenten geht, weicht Littler keiner Frage aus. âEhrlich gesagt: Jeder kann gefĂ€hrlich werdenâ, sagte er. âIm K.-o.-Modus kannst du schnell wieder auf jemanden aus deiner Gruppe treffen. Dass Niko Gary geschlagen hat, gibt ihm sicher Auftrieb. Beau und Michael sind trotzdem Favoriten. Ich schaue mir keine Gruppen an, aber von auĂen wirkt das wie die Todesgruppe.â
Ob er selbst am Ende wieder fĂŒr die Schlagzeile des Turniers sorgt, bleibt abzuwarten. Doch sein Start lieĂ keinen Zweifel daran, dass er diesen Titel mit aller Macht verteidigen will. Der 18-JĂ€hrige strahlt die gleiche Ruhe, Ăberzeugung und Zielstrebigkeit aus, die ihn schon 2024 zum jĂŒngsten Grand Slam Champion aller Zeiten gemacht haben.