„Vielleicht sollte ich jetzt öfter nach Griechenland reisen“ – Wessel Nijman gewinnt nach dartfreier Vorbereitung erneut einen Titel

PDC
Mittwoch, 17 Juni 2026 um 7:00
Wessel Nijman (1)
Wessel Nijman hakt im Jahr 2026 einen Meilenstein nach dem anderen ab. Der niederländische Dartspieler gewann in Wigan erneut ein Players Championship-Turnier und holte damit bereits seinen sechsten PDC-Ranglistentitel der Saison. Das geschah jedoch nicht ohne Gegenwehr. In einem packenden Finale musste Nijman tief gehen, um Ryan Searle abzuschütteln.
Nach dem Finale gab der Niederländer offen zu, dass er sich während der Partie kaum wirklich wohl fühlte. Trotz des Sieges hatte er zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, die volle Kontrolle zu haben. „Um ehrlich zu sein, nicht wirklich“, sagte Nijman. „Man sah, dass es ständig ein Hin und Her an Breaks war. Immer wenn ich ihm sein Leg abnahm, dachte ich: Jetzt muss ich mein eigenes Leg halten, dann habe ich das Match im Griff. Aber dann breakte er sofort wieder zurück. Das macht es schwer, Zugriff auf ein Spiel zu bekommen.”
Dieses Gefühl spiegelte sich deutlich im Spielverlauf wider. Beide Spieler hatten starke Phasen, doch keiner schaffte es, sich dauerhaft abzusetzen. Die Spannung blieb so bis weit in die Partie hoch, was das Duell für den neutralen Zuschauer besonders attraktiv machte.

Searle gibt nicht auf

Ryan Searle bewies erneut, warum er zu den gefährlichsten Spielern auf der Tour zählt. Der Engländer gab sich zu keinem Moment geschlagen und setzte Nijman ununterbrochen unter Druck. „Er wollte einfach nicht weggehen“, sagte Nijman mit einem Lächeln. „Ich habe bislang all meine Matches gegen Ryan gewonnen, aber das war wahrscheinlich eines der härtesten, die ich je gegen ihn gespielt habe. Er ist einfach ein extrem unangenehmer Gegner.”
Obwohl der direkte Vergleich klar für Nijman spricht, bewertet der Niederländer das nicht als entscheidenden Faktor, wenn er in ein Match geht. „Ich würde nicht sagen, dass so eine Bilanz dir im Vorfeld einen Vorteil gibt“, erklärte er. „Aber sie sitzt natürlich irgendwo im Hinterkopf. Man weiß, wie frühere Spiele verlaufen sind.”
Das zeigte sich laut Nijman auch in der Vorbereitung auf das Turnier. Während er die Entwicklungen im Draw verfolgte, bezog er unbewusst die direkten Ergebnisse gegen mögliche Gegner mit ein. „Ich weiß zum Beispiel, dass ich keine positive Bilanz gegen Jonny Clayton habe. Als ich sah, dass Clayton und Searle im Halbfinale aufeinandertreffen würden, dachte ich insgeheim: Wenn Ryan das gewinnt, könnten die Chancen vielleicht etwas mehr zu meinen Gunsten liegen.”

Urlaub ohne Darts

Bemerkenswerterweise resultierte der Titel nicht aus einer intensiven Vorbereitung. Im Gegenteil. Nijman reiste mit äußerst geringen Erwartungen nach Wigan. In den vergangenen zehn Tagen hatte er keinen Dartpfeil angefasst. Zusammen mit seiner Freundin genoss er Urlaub in Griechenland und ließ den Sport bewusst komplett ruhen. „Ich bin ohne Erwartungen in dieses Turnier gegangen“, berichtete er. „Ich hatte zehn Tage lang keinen einzigen Pfeil geworfen. Meine Freundin und ich waren im Urlaub in Griechenland und ich habe dort überhaupt nicht trainiert.”
Während viele Topspieler gezielt nach Rhythmus und Matchpraxis suchen, setzte Nijman auf Erholung. Im Nachhinein erwies sich das als ausgezeichnete Entscheidung. „Ich dachte vorher wirklich: keine Erwartungen, einfach schauen, was passiert. Aber vielleicht sollte ich jetzt öfter nach Griechenland fahren“, witzelte er.
Das unterstreicht das Vertrauen, mit dem der Niederländer aktuell spielt. Selbst ohne Spielrhythmus weiß er Turniere zu seinen Gunsten zu entscheiden. Das ist oft ein Merkmal von Spielern in absoluter Topform.

Eine außergewöhnliche Saison

Mit seiner sechsten Players Championship-Trophäe des Jahres häuft Nijman weiter Rekorde und Bestmarken an. Wo viele Profis sich schon mit ein oder zwei großen Erfolgen in einer Saison zufriedengeben würden, mischt der Niederländer mittlerweile beinahe wöchentlich um die Titel mit. Dennoch ist ihm bewusst, dass seine Resultate alles andere als normal sind. „Ich bin unglaublich zufrieden mit der Art, wie ich derzeit spiele, und mit den Titeln, die ich gewonnen habe“, sagte er. „Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht, dass es normal ist, wie viele Titel ich dieses Jahr schon geholt habe.”
Neben seinen Erfolgen auf der Players Championship-Tour beeindruckte Nijman auch auf der European Tour. Dadurch zählt er inzwischen zu den erfolgreichsten Spielern der Saison. Die Frage ist daher, ob er sich zwischendurch bewusst vor Augen führt, was er bereits erreicht hat. „Ja, natürlich. Ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe. Aber gleichzeitig blicke ich vor allem nach vorn auf die nächsten Turniere. In diesem Sport musst du weiter liefern und kannst dich nicht zu lange an frühere Erfolge klammern.”
Wessel Nijman in Aktion
Wessel Nijman gewann bereits sein sechstes Floorturnier des Jahres

Neuer Ansatz bei den großen TV-Turnieren

Ein wichtiger Teil von Nijmans Entwicklung liegt in seiner wachsenden Erfahrung auf den großen TV-Bühnen. Im vergangenen Jahr gab er bei vielen dieser Events sein Debüt. Inzwischen hat er die nötige Erfahrung gesammelt und erwartet, dass dies in den kommenden Monaten einen wichtigen Unterschied machen kann. „Letztes Jahr waren viele dieser TV-Turniere für mich das erste Mal. Alles war neu. Jetzt weiß ich besser, was mich erwartet. Ich denke, diese Erfahrung kann einen großen Unterschied machen.”
Diese Aussage klingt schlüssig. Talent hatte Nijman schon immer, doch Erfahrung auf höchstem Niveau lässt sich nur durch Spiele gegen die Weltspitze aufbauen. Genau in diesem Bereich scheint er große Schritte gemacht zu haben.
Wurde er in der vergangenen Saison noch vor allem als vielversprechender Außenseiter gesehen, zählt er inzwischen zu den Spielern, mit denen man rechnen muss. Seine konstanten Leistungen auf der Floor-Tour und sein zunehmender Erfolg auf größeren Bühnen untermauern diese Entwicklung.

Auf der Jagd nach Nummer sieben

Mit sechs Titeln im Gepäck ist Nijmans Hunger noch lange nicht gestillt. Die Frage, die nach seinem Triumph durch die Halle hallte, lag daher auf der Hand: Folgt Titel Nummer sieben direkt am Tag darauf? Der Niederländer hielt sich bedeckt. „Das verrate ich morgen“, antwortete er lachend.
Das kennzeichnet die entspannte Haltung, mit der er derzeit über die Tour reist. Trotz der beeindruckenden Resultate bleibt Nijman bodenständig und realistisch. Er weiß, dass Erfolg im modernen Darts nie selbstverständlich ist und jeder neue Spieltag wieder bei null beginnt.
Dennoch kann niemand bestreiten, dass der Niederländer aktuell einer der absoluten Taktgeber auf der PDC-Tour ist. Mit sechs Ranglistentiteln, starken Auftritten auf der European Tour und wachsendem Selbstvertrauen Richtung großer TV-Turniere entwickelt sich 2026 immer mehr zu Wessel Nijmans Jahr.
Die Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob er weitere Titel gewinnt, sondern wie viele in dieser Saison noch dazukommen.
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