Und so sind plötzlich nur noch vier Männer im Rennen um den Weltmeistertitel bei der
Darts WM 2026. Am Freitagabend fällt die Entscheidung, welche zwei Spieler einen Tag später im Finale aufeinandertreffen werden.
Eine besondere Besetzung für die letzten vier ist es allemal. Das 18-jährige Phänomen
Luke Littler trifft auf Überraschungsmann
Ryan Searle. Und der Niederländer
Gian van Veen kreuzt die Klingen mit Dartslegende
Gary Anderson.
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Freitag, 02.01.
Abendsession (ab 20:30 Uhr)
| 20:45 Uhr | Luke Littler | v | Ryan Searle | HF |
| 22:15 Uhr | Gian van Veen | v | Gary Anderson | HF |
Luke Littler v Ryan Searle
Luke Littler hinterlässt bei dieser Weltmeisterschaft bislang einen nahezu unangreifbaren Eindruck. Der Titelverteidiger hat sich praktisch ohne sichtbare Anstrengung durch die ersten Runden gespielt und wirkt wie jemand, der seine absolute Topform noch nicht einmal vollständig abrufen musste. Dennoch bekam der junge Engländer früh im Turnier ernsthafte Gegenwehr.
In der Auftaktrunde leistete Darius Labanauskas erheblichen Widerstand. Der Litauer zwang Littler in zwei Sätzen in ein Entscheidungsleg, in wirkliche Gefahr geriet The Nuke jedoch nicht. Mit einem kontrollierten Auftritt und einem Average von 101,54 entschied er die Partie mit 3:0 Sätze für sich. Auch in der zweiten Runde erwischte Littler einen zähen Start. Gegen David Davies ging der erste Satz nur knapp mit 3:2 an den Weltmeister. Das blieb jedoch der einzige Moment des Zögerns. Danach übernahm Littler vollständig das Kommando und brachte das Match ohne weitere Probleme erneut mit 3:0 Sätze ins Ziel.
Der dritte Auftritt zeigte, wie weit Littler in seiner Entwicklung bereits ist. Gegen Mensur Suljovic, bekannt für seine verzögernde Spielweise und taktische Herangehensweise, zeigte der 18-jährige Engländer eine bemerkenswerte Reife. Er ließ sich vom Tempo des Österreichers nicht stören und lieferte statistisch seine bislang stärkste WM-Partie ab. Mit einem Average von 107,09 und kühler Präzision in den entscheidenden Momenten gewann Littler überzeugend mit 4:0 und untermauerte seinen Status als klarer Titelfavorit.
In der folgenden Runde hatte Littler es deutlich schwerer. Rob Cross setzte ihn massiv unter Druck, während die Stimmung im Alexandra Palace durch Buhrufe gegen den jungen Engländer zunehmend giftiger wurde. Littler blieb in einem intensiven Duell standhaft und sah Cross eine Chance auslassen, auf 3:3 zu stellen. Kurz darauf schlug er mit einem spektakulären Leg zu und entschied das Match mit 4:2. Nach dem Spiel teilte Littler in Richtung des parteiischen Publikums aus, eine Reaktion, die in den sozialen Medien viel Kritik hervorrief.
Im Viertelfinale schien sich der Sturm jedoch gelegt zu haben. Nach etwas Murren in der Anfangsphase kehrte die Unterstützung schnell zurück, auch dank Littlers Spiel. Gegen Krzysztof Ratajski, der seinen Geburtstag feierte, ließ Littler erneut keinen Zweifel aufkommen. Die Nummer eins der Welt spielte eine fehlerfreie Partie und schickte den Polen mit einer deutlichen 5:0-Niederlage von der Bühne. Dabei verbuchte er auch ein maximales 170-Finish des Turniers, ein Moment, der beim Publikum sichtbar gut ankam. Der Auftritt bestätigte abermals, dass Littler diese WM voll im Griff zu haben scheint.
Auch bei seiner dritten Teilnahme an der WM hat Luke Littler das Halbfinale erreicht
Ryan Searle gehört bei dieser Weltmeisterschaft ohne Zweifel zu den herausragenden Akteuren. Bis zum Viertelfinale musste Heavy Metal keinen einzigen Satz abgeben und überrollte seine Gegner. Chris Landman, Brendan Dolan, Martin Schindler und James Hurrell wurden allesamt überzeugend aus dem Weg geräumt, womit sich der Engländer mühelos in die Runde der letzten acht spielte.
Die Zahlen unterstrichen seinen dominanten Auftritt. Sowohl in der dritten als auch in der vierten Runde notierte Searle Averages von über 100. Lediglich gegen Hurrell erlebte er im Eröffnungssatz etwas Gegenwehr, ein Satz, der erst im Entscheidungsleg entschieden wurde. Von da an setzte er sich jedoch resolut ab. Der zweite Satz ging ohne Legverlust an Searle, anschließend holte er auch die nächsten beiden Sätze mit 3:1. Damit erreichte er zum ersten Mal in seiner Laufbahn das Viertelfinale der Darts WM.
In diesem Viertelfinale musste Searle erstmals bei diesem Turnier einen Satz abgeben, der Schaden blieb jedoch überschaubar. Jonny Clayton holte zwar einen Satz, lag zu diesem Zeitpunkt aber bereits mit 0:3 zurück. Das hohe Niveau Searles aus der Anfangsphase hielt nicht über die gesamte Partie, doch Clayton gelang es nicht, die Initiative zu übernehmen oder die sich bietenden Chancen zu nutzen. Am Ende zog Searle das Match mit 5:2 auf seine Seite und sicherte sich erstmals in seiner Karriere einen Platz im Halbfinale der Weltmeisterschaft.
Littler und Searle kreuzen zum sechsten Mal in ihrer Karriere die Klingen. Die Vorzeichen sind für Searle wenig ermutigend, denn sein junger Landsmann gewann die ersten fünf Duelle – oft deutlich – allesamt.
Kann Ryan Searle seinen sensationellen WM-Auftritt mit einem Finaleinzug krönen?
Gian van Veen v Gary Anderson
Gian van Veen startete keineswegs in einem bequemen Sessel in die WM. Gleich in der Auftaktrunde wurde er von Cristo Reyes kräftig geprüft. Der erfahrene Spanier akzeptierte keine Nebenrolle, nahm Van Veen einen Satz ab und hielt den Druck permanent hoch. Der Niederländer ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen, behielt in den entscheidenden Momenten die Kontrolle und brachte das Match sauber nach Hause. Mit einem hart erkämpften, aber verdienten 3:1 in Sätzen und einem Average von 98,91 setzte er einen soliden ersten Schritt im Turnier.
In der darauffolgenden Runde zeigte Van Veen, wozu er wirklich imstande ist. Gegen Alan Soutar kam er zunächst nur schwer in Fahrt. Der Schotte holte den Auftaktsatz und bekam sogar die Chance, die Führung auszubauen. Als Soutar jedoch einen Satzdart zum 2:0 ausließ, kippte die Partie komplett. Van Veen erhöhte das Tempo, übernahm entschlossen das Kommando und drückte dem Match seinen Stempel auf. Mit einem phänomenalen Average von 108,28, dem bislang höchsten des Turniers, drehte er den Rückstand in einen überzeugenden 3:1-Sieg.
Nach den Weihnachtstagen verlief die nächste Runde deutlich weniger aufregend. Gegen Madars Razma spielte Van Veen eine kontrollierte, reife Partie, in der er das Geschehen von Anfang bis Ende diktierte. Auf die Doppelfelder blieb er eiskalt und ließ dem Letten kaum Anknüpfungspunkte. Das Ergebnis war ein klares 4:1 in Sätzen, ohne echte Probleme. Im Achtelfinale folgte anschließend ein Duell mit Turnierüberraschung Charlie Manby. Der junge Engländer hielt in der Anfangsphase stark dagegen und glich nach zwei Sätzen verdient aus. Van Veen schaltete jedoch erneut einen Gang hoch. Ein starker dritter Satz, gewonnen mit einem Average von 106,9, erwies sich als entscheidend. Manby konnte dieses Tempo nicht mitgehen, woraufhin Van Veen die Partie kontrolliert an sich zog und mit 4:1 abermals überzeugend durchmarschierte.
Im Viertelfinale wartete ein Top-Duell mit Luke Humphries, der inzwischen vielleicht sogar zum Lieblingsgegner von Van Veen avanciert ist. Der Niederländer hatte nämlich alle vier Aufeinandertreffen in 2025 gewonnen, und auch dieses Kräftemessen ging an ‚GVV The Giant‘. Van Veen war in den ersten drei Sätzen keineswegs der Bessere, nutzte seine Chancen aber effizienter und führte nach drei Sätzen mit 2:1. Danach zündete er den Turbo, und ein frustrierter Humphries wurde mit 5:1 in Sätzen aus dem Turnier befördert.
Gian van Veen steht erstmals in seiner Karriere im Halbfinale der Darts WM
Gary Anderson hat sich bei dieser WM ebenfalls alles andere als problemlos durch die ersten Runden gespielt. In seinem Auftaktmatch gegen Adam Hunt wirkte die Ansetzung im Vorfeld günstig, doch auf der Bühne wurde es für den Schotten alles andere als ein einfacher Abend. Hunt agierte unbekümmert und auf hohem Niveau, sodass beide Spieler bei einem Average um die 95 landeten. Erst in einem alles entscheidenden Satz konnte Anderson seine Erfahrung ausspielen und die Partie auf seine Seite ziehen. Auch in der zweiten Runde bekam The Flying Scotsman keinen Freifahrtschein. Gegen Scutt musste er erneut an die Grenzen gehen. Der Engländer hielt den Druck hoch und war nahe dran, einen Entscheidungssatz zu erzwingen, doch Anderson blieb in den Schlüsselmomenten einen Tick stabiler und machte das Match mit 3:1 in Sätzen bei einem starken Average von über 105 zu.
In der dritten Runde gegen Jermaine Wattimena schien der Weg zur nächsten Runde zunächst frei. Anderson ging mit 3:1 in Sätzen in Führung, ließ den Niederländer durch das Verpassen mehrerer Matchdarts jedoch zurück ins Match kommen. Wattimena kämpfte sich stark auf 3:3 heran, sodass eine Verlängerung die Entscheidung bringen musste. Darin zeigte Anderson abermals seine Klasse und mentale Robustheit und setzte sich schließlich mit 5:3 in Legs durch.
Das Achtelfinale brachte auf dem Papier seinen härtesten Test, mit Michael van Gerwen als Gegner. In der Praxis nahm das Duell jedoch eine andere Wendung. Van Gerwen spielte solide, doch Anderson war in den entscheidenden Momenten auf die Finishes gnadenlos.
Mit treffsicherem Checkouts zur rechten Zeit diktierte der Schotte dem Niederländer seinen Willen auf und feierte einen überraschend deutlichen 4:1-Erfolg, mit dem er sich ohne große Probleme für die nächste Runde qualifizierte. Danach spielte Anderson gegen WM-Sensation Justin Hood, den gut gelaunten Engländer, der zuvor unter anderem Danny Noppert und Josh Rock bezwungen hatte. Anderson ließ sich von ‚Happy Feet‘ jedoch nicht überraschen und siegte deutlich mit 5:2 in Sätzen gegen Hood.
Es wird das sechste offizielle Aufeinandertreffen zwischen Van Veen und Anderson. Der Schotte gewann die ersten vier Duelle, darunter
nach einem Thriller mit 16:14 beim Grand Slam of Darts 2024. Im September 2025 konnte Van Veen jedoch das jüngste Duell mit 7:4 für sich entscheiden.
Gary Anderson bestreitet sein achtes Halbfinale bei dieser Darts-WM