„Wir lagen so gegen halb drei im Bett“ – Wessel Nijman verzichtet nach Göttingen-Titel auf große Feierlichkeiten

PDC
durch Nic Gayer
Donnerstag, 19 März 2026 um 14:00
Wessel Nijman (2)
Mit seinem Triumph bei der European Darts Trophy 2026 am vergangenen Wochenende hat Wessel Nijman den größten Titel seiner bisherigen Karriere eingefahren. Im Podcast Darts Draait Door blickte der Niederländer gemeinsam mit Damian Vlottes und Vincent van der Voort auf ein außergewöhnliches Wochenende zurück, an dem nahezu alles zusammenpasste.
Der Erfolg basierte laut Nijman nicht nur auf starker Form, sondern vor allem auf einer seltenen Flow-Phase. „Den ganzen Sonntag war ich eigentlich nur mit mir selbst beschäftigt“, erklärte Nijman. „Dann bekommst du auch nicht so viel von dem mit, was um dich herum passiert. Das lief einfach richtig gut.“

Keine ausgelassenen Feierlichkeiten

Nach dem Titelgewinn kehrte schnell der Alltag ein. Nijman saß kurz darauf wieder im Auto Richtung Niederlande. „Die Nacht war etwas kürzer als erwartet“, sagte er lachend. „Ich war mit einem Kumpel dort, und der musste heute einfach wieder arbeiten. Wir hatten vereinbart: Wenn ich verliere, fahren wir direkt nach Hause. Das wurde dann letztlich auch nach dem Sieg so. Wir waren gegen halb drei im Bett.“
Wessel Nijman feierte bei der European Darts Trophy in Göttingen seinen ersten European-Tour-Titel
Wessel Nijman feierte bei der European Darts Trophy in Göttingen seinen ersten European-Tour-Titel
Dabei begann das Turnier alles andere als ideal. In seinem Auftaktmatch gegen Cristo Reyes ließ Nijman zahlreiche Chancen auf die Doppel liegen. „Was im ersten Spiel nicht gut lief, waren die Finishes“, gab er zu. „Aber den Rest des Wochenendes war das nahezu fehlerlos. Vor allem die Finishes zwischen sechzig und hundert. Und auch die hohen Finishes zu den richtigen Momenten.“
Danach spielte er sich in einen echten Lauf. Er dominierte seine Gegner, oft mit klaren Ergebnissen und starken Averages. Vincent van der Voort beobachtete das genau: „Nach ein paar Legs war es oft schon entschieden. Selbst gegen Gerwyn Price sah man schnell, dass für ihn nichts mehr zu holen war. Das spürt man als Gegner.“
Gerade die frühen Führungen machten den Unterschied. „Wenn du am Anfang deutlich in Führung gehst, spielst du die zweite Hälfte des Matches leichter“, erklärte Nijman. „Du gibst jemandem eigentlich keine Chance, auf 5:5 zurückzukommen. So machst du es dir viel einfacher.“
Ein Schlüsselmoment kam nach seinem Sieg gegen Gian van Veen. „Da dachte ich: Das könnte so ein Tag werden“, sagte Nijman. „Dann spürst du, dass du weit kommen kannst, vielleicht sogar das Turnier gewinnen.“
Auch der Turnierbaum spielte ihm in die Karten. Mehrere Topspieler schieden früh aus. „Bei allem Respekt: Wenn du siehst, dass deine Seite des Tableaus anders verläuft als erwartet, dann fühlst du, dass du eine Chance hast. Nach dem Match dachte ich wirklich: Das ist eine gute Gelegenheit.“

Duell der Freundschaft im Halbfinale

Im Halbfinale traf Nijman auf seinen guten Freund Niels Zonneveld. „Das ist nie schön“, sagte er offen. „Nach der vorherigen Runde waren wir noch zusammen etwas essen und sagten schon: Wenn wir beide gewinnen, müssen wir gegeneinander. Das ist einfach nicht angenehm.“
Auf der Bühne war davon jedoch nichts zu erkennen. Nijman zeigte erneut eine starke Leistung und setzte sich klar durch. Van der Voort fand deutliche Worte: „Er wurde einfach übertrumpft. Dann gibst du die Hand und sagst: Du warst heute besser.“
Nijman selbst blendete die Situation weitgehend aus. „Ich schaue eigentlich nie darauf, was der andere macht“, erklärte er. „Ich blicke nach unten und höre vom Caller, was passiert. Also habe ich nicht wirklich mitbekommen, wie er gespielt hat.“
Im Finale wartete erneut Gerwyn Price, gegen den Nijman vor einigen Wochen bereits ein Pro-Tour-Finale gewonnen hatte. Diese Erfahrung stärkte sein Selbstvertrauen. „Das hilft auf jeden Fall“, sagte er. „Und bei den UK Open habe ich auch kein schlechtes Match gegen ihn gespielt. Vielleicht gewinnen wir abwechselnd gegeneinander. Dann gewinne ich lieber dieses und er das andere“, fügte er mit einem Lächeln hinzu.

Durchbruch bestätigt starke Entwicklung

Der Titel kommt nicht überraschend, sondern ist das Ergebnis einer konstanten Entwicklung. Nijman überzeugt seit Monaten mit starken Leistungen, insbesondere auf der Pro Tour. Van der Voort brachte es auf den Punkt: „Er kommt eigentlich fast immer bis ins Viertelfinale. Und dann siehst du diese Averages an diesem Wochenende: 112, 110, 106. Das ist wahnsinnig gut. Dann passt einfach alles.“ Selbst sein Turnieraverage wurde nur durch das erste Spiel leicht nach unten gezogen – danach bewegte sich sein Niveau konstant über der 100er-Marke.
Trotz des Erfolgs bleibt Nijman fokussiert. Der Titel ist ein wichtiger Meilenstein, aber kein endgültiges Ziel. „Es war auf jeden Fall ein Ziel, eine Euro Tour zu gewinnen“, sagte er. „Aber das Hauptziel ist, die Top-16 zu erreichen. Und von dort aus weiterzuschauen.“
Auch van der Voort traut ihm den nächsten Schritt schnell zu: „Wenn er solche Resultate weiter einfährt, kann das schon nach dem Sommer passieren.“ Nijman selbst bleibt vorsichtiger: „Bis zum Jahresende wäre schön. Richtung WM, das ist das Ziel.“
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