World Matchplay: Warum der Mythos des Topgesetzten bröckelt

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 17 Juli 2026 um 9:00
Luke Littler (1)
Ein Blick in die Geschichte des World Matchplay legt eigentlich einen klaren Schluss nahe: Wer als Nummer eins der Setzliste nach Blackpool reist, gehört automatisch zu den heißesten Anwärtern auf den Titel. Über Jahrzehnte bestätigten die Ergebnisse genau dieses Bild. Insgesamt 17 Mal gewann der topgesetzte Spieler das prestigeträchtige Turnier in den Winter Gardens, das auch als Sommer-WM des Darts gilt. Lediglich viermal schied die Nummer eins bereits in der ersten Runde aus.
Die jüngere Vergangenheit zeichnet allerdings ein völlig anderes Bild. Das World Matchplay hat sich zu einem der unberechenbarsten Major-Turniere im Darts entwickelt. Zwar reist die Nummer eins der Welt nach wie vor mit den höchsten Erwartungen nach Blackpool, doch der Status des Topgesetzten ist längst keine Erfolgsgarantie mehr, wie der Statistik-Account TheRedBit auf X erklärt.

Nur Humphries durchbrach den Negativtrend

In den vergangenen neun Austragungen gelang es lediglich einem Spieler, seiner Favoritenrolle als Topseed gerecht zu werden und die Phil Taylor Trophy in die Höhe zu stemmen. Luke Humphries triumphierte 2024 erstmals beim World Matchplay und beendete damit eine bemerkenswerte Serie, in der die Nummer eins der Setzliste in Blackpool regelmäßig hinter den Erwartungen zurückblieb.
Umso bemerkenswerter ist, was nur ein Jahr später folgte. Als amtierender Weltmeister, Weltranglistenerster und Titelverteidiger ging Humphries auch 2025 als großer Favorit ins Turnier. Dennoch war für ihn bereits nach der ersten Runde Schluss: Gian van Veen setzte sich überraschend durch und sorgte für das frühe Aus des Engländers.
Damit wurde Humphries erst zum vierten topgesetzten Spieler in der Geschichte des World Matchplay, der sein Auftaktspiel verlor und unmittelbar die Heimreise antreten musste.
Er reiht sich damit in eine Liste ein, auf der auch Michael van Gerwen steht. Der Niederländer schied 2018 völlig überraschend in seinem ersten Match aus – obwohl er die PDC-Tour damals seit Jahren dominierte und als nahezu unantastbar galt.
Gerade deshalb sorgte van Gerwens frühes Ausscheiden seinerzeit für großes Aufsehen. Sieben Jahre später ereilte Humphries dasselbe Schicksal – ein weiterer Beleg dafür, dass der Status des Topgesetzten in Blackpool längst nicht mehr den Stellenwert besitzt, den er früher einmal hatte.

Phil Taylor prägte eine ganze Ära

Diese Entwicklung steht in deutlichem Kontrast zu den ersten Jahrzehnten des Turniers. Vor allem während der Ära von Phil Taylor war die Nummer eins der Setzliste nahezu automatisch der Spieler, den es zu schlagen galt. Kein Profi dominierte das World Matchplay so eindrucksvoll wie „The Power“, der entscheidend dazu beitrug, dass der Topseed insgesamt 17 Turniersiege feiern konnte.
Phil Taylor in Aktion.
Phil Taylor prägte das World Matchplay über Jahrzehnte wie kein anderer Spieler und machte die Nummer eins der Setzliste zum Maßstab des Turniers.
In den vergangenen Jahren hat sich das Kräfteverhältnis an der Weltspitze jedoch spürbar verändert. Statt ein oder zwei dominierender Spieler prägt inzwischen eine breite Gruppe von Weltklassespielern die Elite des Dartsports. Entsprechend kann selbst der Topfavorit bereits in der ersten Runde auf einen Gegner treffen, der jederzeit für eine Überraschung gut ist.
Die Statistik zeigt deshalb einen klaren Wandel. Während die Nummer eins der Setzliste historisch betrachtet der wahrscheinlichste Sieger des World Matchplay war, besitzt dieser Status in der modernen Ära deutlich weniger Aussagekraft.
Nur ein Titel in den vergangenen neun Austragungen sowie zwei überraschende Erstrunden-Niederlagen der Nummer eins unterstreichen, wie offen der Kampf um die Phil Taylor Trophy zuletzt geworden ist. Zwar deutet sich mit Luke Littler inzwischen wieder eine neue Ära der Dominanz an – der Weltmeister gewann bislang jedes Major des Jahres und prägt den Dartsport seit seinem Durchbruch vor zweieinhalb Jahren wie kaum ein anderer. Dennoch zeigt die jüngere Geschichte des World Matchplay, dass selbst der Topgesetzte in Blackpool längst keine Erfolgsgarantie mehr hat.
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