„100 Millionen Pfund Preisgeld, fünf Millionen für den Sieger“ – PDC-Präsident sieht für den Dartsport keine Grenzen

PDC
Dienstag, 06 Januar 2026 um 10:41
barryhearn2025
Barry Hearn ist noch lange nicht am Ziel. Der 77-jährige britische Sportpromoter, der seit Jahrzehnten als Architekt der modernen Dartswelt gilt, hat erneut eine ambitionierte Marke gesetzt. Nachdem er in diesem Jahr einen persönlichen Meilenstein erreichte, indem der Weltmeister im Darts erstmals in der Geschichte mit £1 Million Preisgeld belohnt wurde, blickt Hearn bereits weiter nach vorn. Sein neues Ziel: ein Preisgeldtopf von £100 Millionen Pfund, mit nicht weniger als 5 Millionen Pfund für den Sieger der Darts WM, spätestens bis 2035.
Das sind Summen, die bis vor Kurzem im Dartsport undenkbar waren. Dennoch spricht Hearn mit derselben Entschlossenheit darüber, mit der er zu Beginn dieses Jahrhunderts ankündigte, dass der Sieger der Darts WM einmal Millionär sein würde. Damals wurde er von vielen ausgelacht. Inzwischen ist diese Prognose Realität geworden.

Darts als „Golf des arbeitenden Mannes“

Nach Hearns Ansicht ist das enorme Wachstum von Darts noch lange nicht vorbei. Die Sportart profitiert massiv von einem fünfjährigen TV-Vertrag im Wert von £125 Millionen mit Sky Sports, steigenden Einschaltquoten, ausverkauften Arenen und immer größeren Sponsoreninteressen. Insgesamt werden aktuell bereits rund £25 Millionen an Preisgeldern innerhalb der PDC ausgeschüttet.
„Wenn ich mir Darts jetzt ansehe, denke ich: Wir haben es gut gemacht, aber das ist erst der Anfang“, so Hearn. „Der nächste Schritt sind £100 Millionen an Preisgeldern und £5 Millionen für den Sieger. Ich glaube wirklich, dass wir das innerhalb von zehn Jahren erreichen können.“
Laut dem Matchroom-Chef gibt es schlicht kein Limit mehr. „Darts ist das Golf des arbeitenden Mannes“, stellt er fest. „Jeder versteht das Spiel, jeder kann sich damit identifizieren, und es ist pures Entertainment.“

Starke Sponsoren und wachsende Bühnen

Eine treibende Kraft hinter diesem Wachstum sind die Sponsoren. Vor allem Titelsponsor Paddy Power erhält von Hearn Lob für die Art, wie das Unternehmen die Darts-WM in Szene setzt. Zudem spielt Sky Sports mit dem erneuerten, deutlich erweiterten TV-Vertrag eine entscheidende Rolle.
Auch vor Ort wird aufgestockt. Ab der nächsten Ausgabe zieht die WM Darts im Alexandra Palace in die größere Great Hall um, wodurch die Kapazität pro Session von etwa 3.300 auf mehr als 5.000 Zuschauer steigt. Der ikonische „Ally Pally“ bleibt damit das Herzstück des Turniers, wächst aber mit der Popularität der Sportart mit.
„Darts wird jetzt als echte Spitzensportart anerkannt“, sagt Hearn. „Nicht nur wegen der Einschaltquoten, sondern auch wegen der Leserzahlen, der sozialen Medien und der Fanbindung. Wir erfüllen alle Kriterien.“

Abrechnung mit alten Klischees

Hearn nutzt zudem die Gelegenheit, mit dem Image aufzuräumen, das Darts jahrelang begleitete. „Das Bild von dicken Männern, die auf der Bühne rauchen und trinken, das war vor 25 Jahren“, stellt er klar. „Heute träumen Kinder davon, Profi-Dartspieler zu werden, so wie sie früher davon träumten, Profi im Fußball oder Boxen zu werden.“
Diese Professionalisierung zeigt sich in allem: von Trainingsplänen und Betreuung über körperliche Fitness bis hin zu mentalem Coaching. Der moderne Dartspieler ist Athlet, Entertainer und Marke zugleich.
Barry Hearn gemeinsam mit seinem Sohn Eddie
Barry Hearn organisiert gemeinsam mit seinem Sohn Eddie große Turniere mit dem Unternehmen Matchroom Sport

Dritter Herzinfarkt, aber kein Gang herausgenommen

Bemerkenswert ist, dass Hearn seine neuen Pläne nach einem Jahr präsentiert, in dem er erneut ernsthaft mit seiner Gesundheit konfrontiert wurde. Im Frühjahr erlitt er seinen dritten Herzinfarkt, während er ein Play-off-Spiel seines geliebten Leyton Orient besuchte. Er fühlte sich unwohl, verließ das Stadion und landete wenige Stunden später auf dem Operationstisch, wo ein neuer Stent eingesetzt wurde.
Es war nicht seine erste Erfahrung mit Herzproblemen. 2002 erlitt er seinen ersten Herzinfarkt, gefolgt von einem zweiten – von ihm selbst als „mild“ beschrieben – im Jahr 2020, als bereits zwei Stents eingesetzt wurden.
Dennoch weigert sich Hearn, sich von gesundheitlichen Sorgen bremsen zu lassen. „Ich bleibe aktiv“, sagt er resolut. „Zehn Tage nach der Operation machte ich noch sechzig Runs für das über 70er Cricketteam von Essex.“
In typischer Hearn-Manier relativiert er die Schwere der Situation. „Dritter Herzinfarkt, vierter Stent. Ich habe sie mir für Weihnachten aufgespart“, witzelte er. Inzwischen verbringt er seinen Urlaub in der Karibik, bleibt dort aber eng in laufende Verhandlungen und zukünftige Pläne eingebunden.

Der Mann, der Darts transformierte

Barry Hearn gilt in der Dartswelt als der Mann, der das Spiel grundlegend verändert hat. Als er 2001 Vorsitzender der PDC wurde, fand er eine Sportart mit Potenzial, aber begrenzten Mitteln vor. In der kleinen Circus Tavern in Essex „roch er Geld“ und entschied, dass Darts eine globale Entertainmentmaschine werden könne.
Ikonen wie Phil Taylor und Raymond van Barneveld versprach er, dass eines Tages sieben Ziffern auf dem Siegerscheck stehen würden. Es dauerte mehr als zwanzig Jahre, doch 2025 war es so weit: 1 Million Pfund für den Weltmeister, in einem Turnier, das inzwischen 128 Spieler umfasst.
Nun will Hearn diese Leistung verfünffachen.

Eine Zukunft ohne Grenzen

Ob das Ziel von 5 Millionen Pdund für den Weltmeister erreichbar ist, wird die Zeit zeigen. Doch angesichts von Hearns Erfolgsbilanz wagt es niemand mehr, ihn auszulachen. Darts hat sich zu einer der zugänglichsten und profitabelsten Sportarten der Welt entwickelt, mit einer einzigartigen Mischung aus Spitzensport und Volksvergnügen.
Und wenn es nach Barry Hearn geht, ist er 2035 persönlich dabei, wenn der Scheck überreicht wird. „Wenn ich jemals gehe“, sagt er mit einem Lächeln, „dann wird es mit einem Knall sein.“
Bis dahin macht er, was er seit Jahrzehnten tut: Grenzen verschieben, Geld generieren und den Dartsport auf immer größere Höhen führen.
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