Beim
World Matchplay richten sich in diesem Jahr die meisten Blicke auf die englischen und niederländischen Stars. Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gian van Veen und sogar Wessel Nijman gelten als die großen Favoriten für den Titel in Blackpool. Doch abseits dieser Namen bringen gleich vier Spieler aus Wales und Schottland echte Ambitionen mit an die Küste.
Wir werfen einen genauen Blick auf die Aussichten von
Gerwyn Price,
Gary Anderson,
Cameron Menzies und
Jonny Clayton. Drei von ihnen zählen zu den erfahrensten Welt- und Major-Champions im Feld, der vierte meldet sich nach einem bitteren Ally-Pally-Aus eindrucksvoll zurück.
Gerwyn Price – Der Iceman bereit, wieder zu brüllen
Bei Gerwyn Price lässt sich die Form beim
Matchplay nur schwer vorhersagen. Ein Finaleinzug 2022 spricht für starke Auftritte am Meer, doch neun Siege stehen elf Niederlagen gegenüber und relativieren diesen Eindruck deutlich. Die Ausgabe 2026 könnte für den Iceman noch schwieriger werden: Eine enttäuschende Weltmeisterschaft und sein offenes Eingeständnis, dass Darts derzeit nicht seine oberste Priorität darstellt, stehen im Kontrast zu einigen seiner besten Leistungen seit Jahren. Genau diese Gemengelage macht seine Ausgangslage kompliziert.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum Price durchaus Hoffnung schöpfen darf. Er startete furios ins Jahr 2026 und spielte in den ersten vier Monaten einen Average von 99,97. Ein First Nine von 108,77 brachte ihm die Qualifikation für die Premier-League-Play-offs, dazu holte er einen European-Tour-Titel in Sindelfingen und gewann Players Championship 6.
Seit seinem Halbfinal-Aus in der Premier League gegen Littler mit 9:10 wirkt Price allerdings verändert. In diesem Match spielte er zwar starke 100,42 im Average und drehte die Partie beinahe noch, doch seither fiel sein Average um fast zwei Punkte. Zwei Erstrundenniederlagen in Folge bei den letzten Players Championships deuten darauf hin, dass ihm derzeit die Konstanz fehlt.
Der Weltmeister von 2021 wartet trotz zehn aufeinanderfolgenden Teilnahmen auf höchstem Niveau noch immer auf seinen ersten Matchplay-Titel. 2025 erreichte er das Viertelfinale und spielte dabei zweimal über 100 im Average, darunter starke 108,73 gegen Dobey. Die Preisgeld-Ausgangslage begünstigt ihn zusätzlich, denn er muss aus 2024 lediglich ein Achtelfinale verteidigen und kann somit zusätzliche Ranglistenpunkte einsammeln. Besonders bleibt aber das Jahr 2022 in Erinnerung: Ein Neun-Darter und der Finaleinzug machten diese Ausgabe zu etwas Besonderem für ihn.
Was machte 2022 so speziell? Price gewann das Viertelfinale gegen De Sousa mit starken 104,64 im Average und setzte sich im Halbfinale gegen Noppert mit 17:11 und 102,37 im Schnitt durch. Offenbar findet Price beim Matchplay regelmäßig zu seinen besten Averages der Saison. Nüchtern betrachtet profitierte er 2022 allerdings auch von einer günstigen Auslosung, und ein Halbfinale gegen den „Freeze“ Noppert darf er nicht als gegeben voraussetzen.
Gerwyn Price peilt den Blackpool-Triumph an.
Um in Runde eins an Martin Schindler vorbeizukommen, braucht Price erneut Leistungen auf Topniveau, und seine aktuelle Form macht das durchaus realistisch. 2022 ging er als Nummer zwei der Setzliste ins Turnier, frisch gekürt als Sieger von Players Championship 7 und mit einem European-Tour-Titel im Gepäck. 2026 ähnelt die Ausgangslage dieser Konstellation stark, lediglich seine Setzposition unterscheidet sich. Die sportliche Grundlage stimmt also – die entscheidende Frage bleibt, ob ihm seine derzeitigen Prioritäten abseits des Sports einen Strich durch die Rechnung machen.
In der ersten Runde trifft Price auf einen formschwachen Schindler. Dessen Average liegt aktuell rund fünf Punkte unter dem von Price, und nach einem schwachen Jahresstart mit 91,57 arbeitet Schindler zwar an der Trendwende, hat sein Ziel aber noch nicht erreicht.
Seit seinem Debüt 2022 wartet Schindler zudem noch auf seinen ersten Sieg auf der Bühne der Winter Gardens. Selbst Prices Checkout-Quote von 39,12 Prozent, aktuell der schwächste Teil seines Spiels, liegt noch vor Schindlers rückläufigen 36,31 Prozent. Vieles spricht daher für einen Erfolg von Price. Trotz aller Ablenkungen abseits der Bühne sollte "The Wall" für ihn eine lösbare Aufgabe darstellen.
Prices 2026: Eine Geschichte von zwei Seiten
| Kennzahl | Jan–Jul 2025 | Jul 2025–Jan 2026 | Jan–Apr 2026 | Apr–Jul 2026 |
| Average | 97,89 | 97,73 | 99,97 | 98,14 |
| Checkout % | 42,62% | 42,17% | 44,88% | 39,12% |
| First Nine | 106,68 | 106,49 | 108,77 | 105,98 |
| First Three | 106,99 | 105,00 | 109,32 | 105,68 |
| Entscheidungsleg-Average | 98,95 | 86,95 | 102,73 | 89,75 |
| Funktionale Doppel-Quote | 49,19% | 50,06% | 55,28% | 44,60% |
| Match-Darts-Checkout-Quote | 44,55% | 57,50% | 62,86% | 48,00% |
Jonny Clayton – The Ferret in Form und bereit für den Titelangriff
Nach seinem Matchplay-Halbfinale im Vorjahr durfte man erwarten, dass Jonny Clayton 2025 sein bestes Jahr seit Langem erleben würde. Das Jahr 2026 übertrifft diese Erwartungen jedoch nochmals deutlich. Zwar fehlt bislang ein Tourtitel, doch vier Premier-League-Abendsiege und ein knapp verpasster Matchdart im Halbfinale auf dem Weg ins Finale der Premier League of Darts bringen ihm bereits jetzt fast so viel Preisgeld ein wie das gesamte Jahr 2025 – und das innerhalb von nur sieben Monaten.
Hinzu kommen bemerkenswert konstante Zahlen: Clayton spielt in den jüngsten drei Monaten 2026 einen Average von 96,39 und ein First Nine von 105,15, was seine Formkurve umso beeindruckender wirken lässt. Zwei Finalteilnahmen bei Players-Championship-Turnieren 2026, darunter ein starker 111,21-Average auf dem Weg zum Players Championship 19, sowie ein European-Tour-Finale in Belgien untermauern diese Entwicklung trotz fehlender Titel. Ein Viertelfinale beim UK Open rundet ein wirklich solides Jahr für den Ferret ab, und das Matchplay könnte diese Erfolgsserie fortsetzen.
Clayton erreichte 2023 das Finale und 2025 das Halbfinale. Abseits dieser beiden Ergebnisse gewann er in seinen ersten vier Matchplay-Teilnahmen jedoch nur ein einziges Spiel, bevor ihn der Finaleinzug 2023 komplett neu aufstellte. Das letzte dieser frühen Erstrunden-Aus datiert aus dem Jahr 2022, und der überraschende Finaleinzug im Jahr darauf veränderte seine Matchplay-Historie grundlegend.
Seitdem stehen vier Siege und zwei Niederlagen zu Buche. Clayton reist damit nicht nur in besserer Form als vor seinem Halbfinale im Vorjahr in die Winter Gardens, sondern auch als aktueller Premier-League-Akteur. Dieses Selbstvertrauen erinnert stark an den Clayton aus dem Jahr 2023. Steht also ein tiefer Lauf bevor, oder kann Damon Heta diese Serie stoppen?
Damon Heta blickt auf zwölf enttäuschende Monate zurück. Nach seiner Niederlage gegen Clayton beim Matchplay im Vorjahr fand er nie wieder in die Spur und rutschte in den letzten drei Monaten mit einem Average von 93,95 erstmals seit zwei Jahren unter die 94-Punkte-Marke. Das Problem beschränkt sich dabei nicht nur auf den Average: Auch Hetas einstiges Markenzeichen, das Finishing, sank auf durchschnittliche 40,17 Prozent, wodurch ihm derzeit keine herausragende Stärke bleibt, die eine Überraschung tragen könnte. Ein jüngstes Halbfinale auf der European Tour deutet allerdings an, dass das Matchplay für ihn den nötigen Funken liefern könnte. Die einzige Zahl, die Heta Hoffnung gibt, ist sein First Three von 105,48 – dieser Wert erreicht aber nur knapp Claytons First Nine. Alles außer einem klaren Sieg für Clayton würde daher überraschen.
Jonny Clayton ist diesmal in exzellenter Verfassung.
Die Konstanz des Ferret: Claytons letzte 18 Monate
| Kennzahl | Jan–Jul 2025 | Jul 2025–Jan 2026 | Jan–Apr 2026 | Apr–Jul 2026 |
| Average | 96.43 | 96.40 | 95.45 | 96.39 |
| Checkout % | 43.98% | 40.33% | 44.02% | 42.66% |
| First Nine | 104.61 | 105.08 | 104.66 | 105.15 |
| First Three | 104.57 | 102.00 | 106.63 | 105.65 |
| Entscheidungsleg-Average | 99.46 | 89.09 | 96.88 | 97.77 |
| Match-Darts-Checkout-Quote | 68.75% | 79.55% | 61.97% | 84.44% |
| Funktionale Doppel-Quote | 50.53% | 48.86% | 53.70% | 51.05% |
Gary Anderson – Viertbester der Welt, doch es bleiben Fragezeichen
Statistisch betrachtet spielt Gary Anderson derzeit die viertbesten Darts der Welt. Die Nummer 12 der Weltrangliste erreichte in diesem Jahr ein WM-Halbfinale sowie zwei Halbfinals bei Players-Championship-Turnieren, was ihn eigentlich als einen der Topfavoriten für Blackpool auszeichnen sollte. Die Buchmacher sehen das anders: Mit Quoten von 33/1 auf den Titel bewerten sie die Chancen des Weltmeisters von 2018 genauso wie die von Debütant Kevin Doets – statistisch führt ihn niemand als vierten Mann im Feld.
Mit einem starken Average von 97,84 in den letzten drei Monaten und konstanten 107,24 im First Nine zählt sein Scoring 2026 zu den besten im gesamten Feld. Nach jüngsten öffentlichen Beschwerden über die Dartboards, die er gegenüber Assendelft Media BV als „absolut unterirdisch, die schlechtesten Boards aller Zeiten“ bezeichnete, wirkt Anderson jedoch spielmüde. Er bestritt in diesem Jahr erst 49 Partien. Wird ihm diese fehlende Wettkampfpraxis am Ende zum Verhängnis?
Seinen einzigen Matchplay-Titel holte Anderson 2018, und seine besten Auftritte in Blackpool liegen größtenteils vor 2021. Das Finale 2020 markiert das letzte Mal, dass er in den Winter Gardens mehr als ein Match gewann. Seither folgten drei Achtelfinal-Aus und zwei Erstrundenniederlagen. Diese schwache Serie mit nur einem Average über 100 zeigt deutlich, dass Anderson seine beste Form zuletzt nicht auf dieser Bühne abrufen konnte. Nach seinem Zweitrunden-Aus gegen Bunting im Vorjahr, bei dem er nur 91,70 im Average spielte, will Anderson eine Wiederholung dieses Szenarios unbedingt vermeiden.
Gary Anderson übte zuletzt scharfe Kritik an den Winmau-Boards
Ohne konstante Form auf der Floor-Tour über die gesamte Saison hinweg könnte es für ihn schwieriger werden, dieses Niveau eine ganze Turnierwoche zu halten, als es seine Spitzenwerte vermuten lassen. Sein WM-Halbfinale bleibt aber der stärkste Beleg dafür, dass die große Bühne einen besseren Anderson hervorbringt. Positiv fällt zudem sein Finishing auf: Mit einer Quote von 51,15 Prozent auf Doppel 16 verfügt er über eine verlässliche zweite Doppelwahl, die ihn aus heiklen Situationen retten kann. Mit einem Entscheidungsleg-Average von 114,57 im Jahr 2026 – gegenüber nur 84,79 bei seinem Erstrundengegner Joyce – spricht ein enges Match klar für Anderson, und selbst diese Einschätzung fällt Joyce gegenüber noch großzügig aus.
Der unermüdliche Ross Joyce erlebt ein schwaches Jahr 2026. Mit einem Average von 90,69 liegt Anderson sieben Punkte über ihm und bringt zusätzlich deutlich mehr Bühnenerfahrung mit. Joyces Formeinbruch bedeutet, dass Anderson trotz seiner fehlenden Wettkampfpraxis ein vergleichsweise leichtes Erstrundenspiel erwarten darf.
Auf den Doppeln bleibt Joyces Quote von 63,64 Prozent auf Doppel 8 sein wichtigster Rettungsanker. Er müsste diese Doppel allerdings überhaupt erst erreichen, und das erscheint unrealistisch. Sein First Nine liegt nur 0,35 Punkte über Andersons Gesamtaverage, wodurch Joyce kaum in die Lage kommen dürfte, häufig auf Doppel 8 zu werfen. Die Kritik an den Boards bleibt Andersons einzige Unsicherheit, doch mit den bereits gesammelten Ranglistenpunkten im Rücken spricht alles für ein souveränes Weiterkommen des Schotten.
Die letzten 18 Monate des Flying Scotsman
| Kennzahl | Jan–Jul 2025 | Jul 2025–Jan 2026 | Jan–Apr 2026 | Apr–Jul 2026 |
| Average | 98.05 | 97.69 | 98.65 | 97.84 |
| Checkout % | 42.56% | 41.49% | 39.49% | 39.93% |
| First Nine | 107.56 | 105.73 | 108.32 | 107.24 |
| First Three | 105.50 | 102.85 | 107.70 | 104.81 |
| Entscheidungsleg-Average | 97.96 | 91.85 | 99.00 | 114.57 |
| Match-Darts-Checkout-Quote | 42.86% | 55.00% | 84.21% | 216.67% |
| Doppel-16-Quote | — | — | — | 51.14% |
| T20-Trefferquote | — | — | — | 43.47% |
Cameron Menzies – Klarer Kopf, klarer Cammy
Cameron Menzies betritt seinen zweiten World-Matchplay-Auftritt mit einer völlig anderen Einstellung als noch bei seinem Debüt. Ein Bust bei 178 Rest gegen Noppert im Jahr 2025, ausgerechnet in dessen bis dahin bestem Saisonjahr, machte den Einstand von Beginn an schwer, und die 2:10-Niederlage zählt für ihn eher zu den Spielen zum Abhaken. Der Menzies dieses Jahres wirkt jedoch kaum wiederzuerkennen im Vergleich zu jenem, der nach seiner Niederlage gegen Charlie Manby am
Alexandra Palace frustriert auf einen Tisch einschlug.
Ein Titelgewinn beim Players Championship 23, auf dem Weg dorthin ein Sieg über Josh Rock, sowie die Entscheidung, seinen Klempnerjob aufzugeben und vollständig als Profi zu arbeiten, erzählen eine Wandlungsgeschichte, die sich in Zahlen allein kaum vollständig abbilden lässt. Nicht alle Statistiken fallen dabei positiv aus. Ein Entscheidungsleg-Schnitt von 88,34, eine Checkout-Quote von 37,43 Prozent und kein einziger Top-20-Platz in einer Board-Segment-Kategorie zeigen, dass seine Form auf der Floor-Tour noch ein gutes Stück von seinem Peak aus dem Jahr 2025 entfernt bleibt.
Inkonsistenz prägt Menzies' Jahr 2026 in besonderem Maße: In einer Woche schlägt er Price mit einem starken 106,00-Average in der Slowakei, in der nächsten verliert er bereits in der Runde der letzten 128 gegen Maik Kuivenhoven. Beim Matchplay dürfte sich zeigen, welche Version von ihm zum Vorschein kommt.
Cameron Menzies kehrt in besserer Verfassung zurück.
Ausgerechnet Luke Humphries hätte Menzies wohl als Losgegner am meisten gefürchtet. Mit sämtlichen Kennzahlen gleichzeitig auf ihrem Höchststand innerhalb von achtzehn Monaten, einem First Nine von 112,00 und einer Match-Darts-Checkout-Quote von 57,45 Prozent betritt Humphries die Bühne der Winter Gardens so nah an der Unschlagbarkeit, wie es einem Spieler im gesamten Feld überhaupt möglich ist.
Eine Differenz von 20 Prozentpunkten bei der Match-Darts-Checkout-Quote und 15 Punkten Unterschied beim Entscheidungsleg-Average zeichnen ein eindeutiges statistisches Bild. Dennoch schlug Menzies vor Blackpool sowohl den an Position acht gesetzten Rock als auch Ex-Weltmeister Price in derselben Woche und bewies damit, dass ihm an guten Tagen durchaus Überraschungen gelingen können. 2025 stellte sich Humphries als letztes Hindernis vor dem Titel heraus. Für Menzies ist er nun das allererste. Bei Quoten von 150/1 rechnen die Buchmacher fest mit einer klaren Niederlage. Die Daten sprechen zwar nur für ein wahrscheinliches Aus – und in einem einzelnen Match kann genau das für Menzies bereits Argument genug sein.
Menzies vs. Humphries: Die Zahlen lügen nicht
| Kennzahl | Cameron Menzies (Apr–Jul 2026) | Luke Humphries (Apr–Jul 2026) |
| Average | 93,44 | 101,83 |
| First Nine | 102,51 | 112,00 |
| Checkout % | 37,43% | 42,25% |
| Entscheidungsleg-Average | 88,34 | 103,84 |
| Match-Darts-Checkout-Quote | 67,57% | 57,45% |
| Funktionale Doppel-Quote | 45,90% | 51,72% |
| Erster-Dart-T20-Quote | 34,58% | 37,82% |