„Diesen Stempel wollte ich nicht“ – Luke Humphries enthüllt die Angst, die seinen späten Lauf in der Premier League Darts antrieb

PDC
Donnerstag, 28 Mai 2026 um 12:30
Luke Humphries
Luke Humphries hat offen zugegeben, dass ihn in den vergangenen Wochen vor allem ein Gedanke antrieb: Er wollte auf keinen Fall als amtierender Champion die Play-offs der Premier League Darts verpassen. Nach einer langen Saison voller Schwankungen schaffte der Engländer jedoch die Wende – und reist nun mit neuem Selbstvertrauen zum Play-off-Abend in der Londoner O2 Arena.
Über weite Strecken der Liga-Phase lief Humphries den Top Vier hinterher. Während Luke Littler und Jonny Clayton konstant punkteten, kämpfte der Weltklassespieler gemeinsam mit Gerwyn Price, Michael van Gerwen und Gian van Veen um die verbleibenden Plätze für die Endrunde. Erst ein beeindruckender Schlussspurt brachte die Wende. Vier Finalteilnahmen in Serie und der Triumph an Night 15 in Birmingham sicherten Humphries am Ende Rang drei der Tabelle.

Humphries wollte das „Etikett“ unbedingt vermeiden

Im Gespräch mit talkSPORT machte Humphries deutlich, dass ihn nicht die Kritik von außen motivierte. Vielmehr wollte er verhindern, als Titelverteidiger schon vor den Play-offs auszuscheiden.
„Ich beschäftige mich nicht besonders mit den Leuten, die an einem zweifeln“, erklärte Humphries. „Am Ende kannst nur du selbst etwas verändern.“ Viel stärker habe ihn jedoch die Vorstellung beschäftigt, den Titel verteidigen zu wollen, ohne überhaupt die Bühne in der O2 zu erreichen.
Der Weltranglistenzweite sprach offen darüber, wie sehr ihn dieser Gedanke belastete. In den vergangenen beiden Jahren dominierte er große Teile der Premier League und qualifizierte sich frühzeitig für die Play-offs. Diesmal verlief die Saison deutlich komplizierter. Humphries fand sich häufiger außerhalb der Top Vier wieder als innerhalb der Qualifikationsplätze.
Gerade deshalb bewertet er die Aufholjagd als besonderen Erfolg. Der Engländer musste Woche für Woche liefern und stand permanent unter Druck. Statt komfortabel an der Spitze zu stehen, benötigte er konstant starke Resultate, um überhaupt im Rennen zu bleiben.
„Dieses Jahr war viel härter“, sagte Humphries. „Ich musste mich ständig zurückkämpfen. Wahrscheinlich bin ich darauf sogar stolzer als auf andere Dinge, die ich erreicht habe.“
Der starke Endspurt veränderte auch die Ausgangslage für den Finals-Abend. Mit Platz drei entging Humphries im Halbfinale einem direkten Duell mit Littler. Stattdessen trifft er nun auf Clayton, während Price gegen Tabellenführer Littler antreten muss.
Humphries weiß allerdings, dass die Diskussionen um seine schwankenden Leistungen erst mit dem letzten Dart beendet sind. „Jeder darf seine Meinung haben“, erklärte der Engländer. „Relevant ist sie aber erst, wenn der letzte Dart der regulären Saison im Board steckt.“

Der späte Formanstieg verändert die Wahrnehmung

Vor wenigen Wochen galt Humphries noch als Wackelkandidat für die Endrunde. Inzwischen gehört er für viele wieder zu den heißesten Titelanwärtern. Verantwortlich dafür ist vor allem sein deutlich verbessertes Niveau im Scoring.
Der Engländer zwang Littler in Aberdeen und Leeds jeweils in Entscheidungslegs, gewann den Abend in Birmingham und setzte in Sheffield ein weiteres Ausrufezeichen. Dort besiegte er zunächst van Gerwen und anschließend Littler, ehe er trotz eines Average von mehr als 102 Punkten das Finale gegen Stephen Bunting verlor.
Die Ergebnisse stärkten nicht nur sein Selbstvertrauen, sondern veränderten auch seine mentale Herangehensweise. Humphries glaubt inzwischen, dass ihn der enorme Druck der vergangenen Wochen sogar stärker gemacht hat.
In den Vorjahren spielte er die letzten Wochen der Liga oft ohne große Sorgen. Die Qualifikation stand früh fest, wodurch er locker auftreten konnte. Diesmal musste er jedoch Woche für Woche abliefern. Genau dieser Druck habe ihn in eine Form gebracht, die er aktuell als besonders konstant empfindet.
Humphries beschrieb die Situation als eine Art Wettkampfmodus, in dem er sich mental geschärft habe. Der Zwang zu gewinnen habe dafür gesorgt, dass er fokussierter und aggressiver auftrat.
Luke Humphries stemmt den Premier-League-Titel
Humphries ist der amtierende Premier League Darts-Champion

„Von allen spiele ich wahrscheinlich die besten Darts“

Besonders auffällig ist Humphries’ Selbstvertrauen vor dem Finals-Abend. Trotz der starken Saison von Littler und der konstanten Leistungen von Clayton sieht sich der Titelverteidiger aktuell als den formstärksten Spieler im Feld.
„Von allen spiele ich wahrscheinlich die besten Darts“, erklärte Humphries selbstbewusst. Gleichzeitig betonte er, dass starke Leistungen allein keinen Titel garantieren. Dennoch gebe ihm dieses Gefühl die Überzeugung, jeden Gegner schlagen zu können.
Der Engländer weiß, dass ein hohes Niveau über kurze Distanzen in der Premier League oft den Unterschied macht. Wenn er sein aktuelles Scoring beibehält, braucht es laut eigener Aussage „eine richtig starke Leistung“, um ihn zu schlagen.
Die Zahlen stützen seine Einschätzung. Humphries gehört statistisch zu den besten Spielern der gesamten Saison. Sein Average liegt sogar über dem der Konkurrenz und bewegt sich konstant im Bereich von mehr als 101 Punkten.

Die Doppel bleiben Humphries’ größte Baustelle

Trotz der starken Form sieht Humphries weiterhin einen entscheidenden Schwachpunkt in seinem Spiel: das Finishing auf die Doppel. Immer wieder brachte er sich in der Liga-Phase durch verpasste Chancen unnötig in Schwierigkeiten.
Beim Scoring gehörte der Engländer meist zur Spitze des Feldes, auf die Doppel ließ er jedoch regelmäßig wichtige Darts liegen. Gerade in engen Matches kostete ihn das mehrere Siege.
Humphries selbst kennt das Problem genau. „Mein Average ist besser als bei allen anderen“, sagte er. „Und das trotz schwachem Finishing. Wenn die Doppel besser laufen würden, hätte ich eine richtig große Chance.“
Genau darin könnte beim Finals-Abend der Schlüssel liegen. Über zwei Matches gegen absolute Weltklassespieler reichen starke Aufnahmen allein nicht aus. In den entscheidenden Momenten müssen auch die Checkouts sitzen.
Den schwierigsten Teil seiner Titelverteidigung hat Humphries allerdings bereits gemeistert. Noch vor wenigen Wochen drohte das frühe Aus in der Premier League. Nun steht er wieder in der O2 Arena und zählt erneut zu den Favoriten auf den Titel.
Jetzt wartet die entscheidende Frage: Reicht der starke Endspurt nicht nur für die Qualifikation, sondern auch dafür, die Premier-League-Trophäe ein weiteres Mal in die Höhe zu stemmen?
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