„Ich könnte mir vorstellen, dass er von heute auf morgen aufhört“: Florian Hempel analysiert das Rätsel um Gerwyn Price
PDC
Gerwyn Price hat zuletzt ungewöhnlich offen über seine mentale Verfassung gesprochen. Nachdem der Waliser in den vergangenen Monaten zahlreiche Turniere ausgelassen und sogar seine Teilnahme am World Cup of Darts abgesagt hatte, erklärte der Weltmeister von 2021 am Rande des US Darts Masters, dass ihm derzeit schlicht die Motivation fehle. Im Podcast „GAME ON“ nahmen Darts-Kommentator Elmar Paulke und Ex-Profi Florian Hempel diese Aussagen zum Anlass, um über den Charakter des Walisers und dessen außergewöhnlichen Umgang mit seiner Karriere zu sprechen.
Price hatte bei den US Darts Masters eingeräumt, dass ihn private Projekte auf seiner Farm derzeit stärker beschäftigen als der Dartsport. Er habe zuletzt „nur noch funktioniert“, wolle eigentlich lieber zu Hause sein und verspüre bei Turnieren häufig gar keine Lust, dort zu sein. Aussagen, die für reichlich Diskussionen sorgten – schließlich hatte der Weltranglistensiebte in dieser Saison bereits zahlreiche Turniere ausgelassen und mit seiner Absage für den World Cup of Darts besonders viele Spekulationen ausgelöst.
„Seine erste Liebe wird immer Rugby sein“
Für Florian Hempel kommen solche Aussagen allerdings nicht völlig überraschend. Der frühere deutsche Tourcard-Inhaber sieht bei Price seit Jahren ein wiederkehrendes Muster.

Gerwyn Price sorgt mit seinen Aussagen über fehlende Motivation für Diskussionen – auch im Podcast „GAME ON“ von Florian Hempel und Elmar Paulke.
„Gerwyn Price ist ja in jedem Jahr in so einer Art Motivationsloch. Meistens Anfang des Jahres, wenn die Premier League lief, da war ja nicht immer seine goldene Zeit. Ein sehr launischer Charakter, der immer wieder mit Motivation zu kämpfen hat, aber trotzdem gute Darts spielt. Er ist immer mit dabei und kommt auch relativ weit, aber es reicht nicht für den letzten Schritt – für den Major-Titel.“
Elmar Paulke zeigte sich dennoch überrascht, dass ein Spieler dieser Klasse überhaupt mit solchen Motivationsproblemen erfolgreich sein kann.
„Weil du sagst, dass er immer wieder so ein Motivationsproblem hat: Das ist ja eigentlich erstaunlich für einen Top-10-Spieler. In anderen Sportarten würde man sagen: Das kannst du dir gar nicht leisten. Da wirst du nicht Weltmeister, wenn du nicht dein Leben lang dafür glühst und brennst. Ist das im Darts eventuell anders?“
Für Hempel liegt ein Teil der Antwort in Price' sportlicher Vergangenheit. Schließlich begann dessen Karriere nicht am Dartboard, sondern auf dem Rugbyfeld.
„Ich denke auch, das ist seine zweite Liebe. Seine erste Liebe ist definitiv Rugby. Ich erinnere mich noch: Da waren sie, glaube ich, für die World Series in Australien. Als er dort mit Jonny Clayton den Rugbyball in der Hand hatte, haben seine Augen geleuchtet. Er hat sich gefreut wie ein kleines Kind.“
Deshalb sei Darts für Price zwar ein idealer Ersatz geworden, aber eben nicht die größte Leidenschaft seines Lebens.
„Die große Liebe wird für Gerwyn Price immer Rugby sein. Darts ist für ihn ein geiler Sport, ein geiler Ausgleich oder ein geiler Ersatz, weil er damit deutlich erfolgreicher ist und viel mehr Geld verdienen kann. Es ist für ihn Arbeit – ein Job, auf den er nicht immer Bock hat. Das geht uns doch allen manchmal so.“
Weiterlesen
Karriereende? Hempel hält alles für möglich
Nach der Absage des World Cups kursierten zahlreiche Spekulationen – von gesundheitlichen Problemen über familiäre Gründe bis hin zu Projekten auf seiner Farm. Paulke scherzte sogar: „Das ist fast 'ne Lebenskrise!“
Hempel legte mit einem Augenzwinkern nach: „Gerwyn Price ist der Julian Nagelsmann von Wales, was die Kommunikation angeht.“
Hinter dem Scherz steckt für ihn allerdings ein ernster Gedanke. Price habe derzeit offenbar etwas gefunden, das ihn außerhalb des Dartsports stärker erfülle.
„Es wirkt gerade so, als hätte er nicht zu 100 Prozent Bock und etwas gefunden, was ihn außerhalb vom Darts antreibt. Und Gerwyn Price ist für mich auch einer, bei dem ich mir jederzeit vorstellen könnte, dass er von heute auf morgen aufhört. Das ist so ein Typ, der würde wahrscheinlich einfach sagen: 'Pass auf, ich habe keinen Bock mehr.'“
Paulke hält genau diese Distanz zum Sport für bemerkenswert: „Ich finde das trotzdem echt ungewöhnlich für den Profisport, dass du mit so einer Einstellung Erfolg haben kannst. Aber vielleicht ist das gerade in einem Mentalsport möglich. Vielleicht hilft dir diese Distanz ja sogar, weil dir nicht alles so viel bedeutet.“
Fehlt irgendwann der letzte Antrieb?
Im weiteren Verlauf der Diskussion zog Paulke einen Vergleich zu Hempels eigener Profi-Laufbahn im Handball und fragte, ob ihn Darts emotional stärker berühre als zuvor der Handball. Hempel bejahte das deutlich.
„Handball war für mich nie die große Liebe. Darts ist für mich tatsächlich die größere Leidenschaft. Im Darts können manchmal drei Pfeile über Sieg oder Niederlage entscheiden. Im Rugby musst du zwei Wochen im Kraftraum schuften, um körperlich besser zu werden. Deshalb glaube ich schon, dass du mit einem gewissen Talent und vergleichsweise wenig Aufwand im Darts sehr erfolgreich sein kannst.“
Hinzu komme die wirtschaftliche Entwicklung des Sports.
„Das Preisgeld wird immer höher. Gerwyn Price ist die Nummer sieben der Welt und verdient wahnsinnig viel Geld – mehr als früher im Rugby. Da besteht natürlich auch die Gefahr, dass du als Nummer sieben trotzdem reich wirst. Dann fehlt dir vielleicht irgendwann die Motivation zu sagen: Warum muss ich unbedingt Nummer eins werden? Vielleicht ist das aber auch dieser Reiz des Genügsamen. Das ist möglicherweise der Grund, warum er nie ganz in diese Riege um Michael van Gerwen oder Luke Littler vorgestoßen ist.“
Weiterlesen
„Er muss den Spaß wiederfinden“
Trotz aller Diskussionen macht sich Hempel um Price sportlich keine großen Sorgen. „Der spielt ja nicht schlecht. Der spielt aktuell nur kaum Ergebnisse ein. Das ist alles gar nicht so schlecht, es fehlt nur der Major-Titel.“
Paulke sieht die kommenden Monate dennoch als richtungsweisend. „Er spielt wenig. Jetzt bin ich gespannt, ob er die Kurve bekommt. Kann er das wieder kitten? Kann er es schaffen, dass ihm Turniere wieder Spaß machen? Wenn ihm das nicht gelingt, wird er auch nicht erfolgreich sein. Du musst schon wieder Ordnung in deine Birne bekommen.“
Hempel glaubt dagegen, dass sich Price vor allem auf die zweite Saisonhälfte fokussiert.
„Für ihn ist – wie für alle anderen Topspieler auch – die zweite Jahreshälfte viel wichtiger als die erste. UK Open oder World Cup of Darts sind tolle Titel, aber die meisten haben mehr Lust auf den World Grand Prix, das World Matchplay oder natürlich die Weltmeisterschaft. Dieses Motivationsloch bei Price kommt meistens im ersten Halbjahr, bevor er sich auf die wirklich großen Turniere vorbereitet.“
Paulke bleibt dennoch vorsichtig. „Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Klar, er kennt solche Phasen und ist schon oft zurückgekommen. Aber ich habe im Moment wirklich den Eindruck, dass er sich motivationstechnisch schwertut und es ihm gerade schwerfällt, die nötige Disziplin aufzubringen.“

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
Klatscht 3Besucher 3
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026











