Martin Schindler hat in seinen frühen Jahren auf der PDC-Tour bemerkenswerte Opfer gebracht, um seine Karriere anzuschieben.
Der Deutsche, heute die Nummer 15 der Welt, fand kreative Wege, um überhaupt an den Start gehen zu können. Als Teenager arbeitete er sogar unbezahlt als Steward bei Turnieren. Nur so konnte er sich die Teilnahme an den European-Tour-Qualifikationen leisten.
Der Spitzname „The Wall“ stand damals noch nicht für sportliche Stabilität, sondern für Durchhaltewillen abseits der Bühne. Mit gerade einmal 17 Jahren schloss Schindler eine besondere Vereinbarung mit PDC Europe. Für seine Arbeit als Ordner erhielt er Zugang zu Qualifikationsturnieren. Ohne diesen Deal wären Starts auf der European Tour für ihn finanziell kaum möglich gewesen.
In der Podcast-Reihe Tops and Tales blickte Schindler offen auf diese Phase zurück. „Ich wollte unbedingt die europäischen Qualifikationen spielen, aber die waren ziemlich teuer“, erklärte er. Also habe er der PDC vorgeschlagen, kostenlos als Steward zu arbeiten. Im Gegenzug durfte er an den Qualifikationsturnieren teilnehmen.
Dabei floss kein Geld, wie Schindler betonte. „Meine Bezahlung bestand nur darin, dass ich spielen durfte“, sagte er. Damals sei er noch Schüler gewesen und habe keinen festen Job gehabt. Geldmangel war Alltag, das Angebot deshalb eine echte Chance.
Seine Erinnerungen führen zurück ins Jahr 2014, zu den European Darts Open in Düsseldorf. Dort qualifizierte sich Schindler erstmals für ein European-Tour-Turnier. Sportlich endete sein Auftritt früh mit einer Erstrundenniederlage gegen Raymond van Barneveld. Der Arbeitstag war damit aber noch lange nicht vorbei.
„Eine Stunde später stand ich an einer Tür und habe kontrolliert, dass niemand ohne Bändchen reingeht“, erzählte Schindler. Besonders in Düsseldorf sei er extrem gefragt gewesen. „Ich glaube, ich habe an dem Tag vier- oder fünfhundert Fotos gemacht.“ Eindruck hinterlassen habe er definitiv.
Der wohl unangenehmste Moment ereignete sich an der Raucherecke. Schindler kontrollierte die Armbänder der zurückkehrenden Zuschauer. Ein Paar um die vierzig kam vorbei, und es kam zu einem Missverständnis. „Ich schaute nach unten auf das Bändchen, und sie dachte, ich würde ihr auf den Hintern schauen“, schilderte er.
Die Situation klärte sich erst durch den Partner der Frau. „Er sagte: Er schaut auf dein Bändchen“, berichtete Schindler. Die Reaktion zuvor sei deutlich gewesen. „Sie schaute mich wirklich angewidert an.“
Heute nimmt Schindler diese Szene mit Humor. „Ich war 17 oder 18 Jahre alt“, sagte er lachend. Mit allem Respekt, ergänzte er, aber altersmäßig habe das nicht gepasst. Eine Anekdote aus einer Zeit, in der Einsatz und Leidenschaft wichtiger waren als Geld – und der Grundstein für seine heutige Karriere gelegt wurde.