Die Dartswelt befindet sich im stetigen Wandel: Junge Talente drängen nach, das Leistungsniveau steigt kontinuierlich und neue Namen rücken zunehmend ins Rampenlicht. Einer der auffälligsten Spieler der vergangenen Monate ist ohne Zweifel Charlie Manby. Der erst 20-jährige Engländer sorgte bereits bei der Weltmeisterschaft im Dezember für Aufsehen – nun hat er den nächsten bedeutenden Schritt in seiner Karriere gemacht: Ein Wechsel zu Target Darts, einer der renommiertesten Ausrüster-Marken des Sports.
In einem offenen Interview mit talkSPORT spricht Manby über seine Entwicklung, seine Ziele und den Alltag als aufstrebender Profi in einer Sportart, die in den vergangenen Jahren einen enormen Popularitätsschub erlebt hat.
Durchbruch und der nächste große Karriereschritt
Für Manby fühlt sich die Unterschrift bei Target wie ein echter Meilenstein an. „Es ist enorm“, sagt er. Diese Einschätzung ist kaum übertrieben: Der Hersteller arbeitet seit Jahren mit zahlreichen Topstars der Szene zusammen. Für einen 20-Jährigen bedeutet eine solche Partnerschaft nicht nur Anerkennung, sondern auch ein klares Signal des Vertrauens in sein sportliches Potenzial.
Charlie Manby bei den vergangenen UK Open im Einsatz
Die Grundlage für diesen Entwicklungsschritt wurde früh gelegt. „Am Anfang haben mir vor allem meine Eltern geholfen“, erzählt Manby. „Vor ein paar Jahren kam dann ein Managementteam dazu und seitdem werde ich wirklich in die richtige Richtung geschoben.“ Diese Unterstützung erwies sich als entscheidend für seine Entwicklung – sowohl sportlich als auch abseits der Bühne.
Wie bei vielen Profispielern begann auch Manbys Weg nicht im Rampenlicht großer Arenen, sondern im lokalen Pub. „Ich war etwa zehn, elf Jahre alt, als ich mit meinem Vater angefangen habe zu werfen“, erinnert er sich. „Einfach zum Spaß.“ Doch schon früh zeigte sich, dass mehr dahintersteckte. Mit zwölf oder dreizehn nahm er erstmals an Turnieren teil – und feierte schnell erste Erfolge.
Diese Resultate waren ein deutlicher Hinweis auf sein Talent. Dennoch dauerte es einige Zeit, bis ihm selbst bewusst wurde, welches Potenziala in ihm steckt. „Als ich bei größeren Jugendturnieren mitmachen und mich mit den besten Spielern messen konnte, dachte ich: Vielleicht bin ich hierin wirklich gut.“
Mit sechzehn, siebzehn Jahren fiel schließlich die endgültige Entscheidung. Auf der PDC Development Tour traf er auf große Talente – und stellte fest, dass er konkurrenzfähig war. „Dann weißt du, dass du auf hohem Niveau mithalten kannst.“
Entscheidung für den Dartsport
Wie viele Jugendliche probierte auch Manby zunächst verschiedene Sportarten aus. Fußball, Cricket und Pool gehörten ebenso zu seinem Alltag. Doch letztlich setzte sich Darts durch. „Als Kind gehst du durch Phasen“, erklärt er. „Aber irgendwann musst du wählen, worin du wirklich besser werden willst.“
Diese Entscheidung bedeutete mehr Training, mehr Struktur und mehr Disziplin. Während viele Gleichaltrige noch nach Orientierung suchten, hatte Manby bereits ein klares Ziel vor Augen: eine Karriere als Profidartspieler.
Eine entscheidende Rolle spielte dabei die Unterstützung seiner Familie. „Sie waren immer positiv“, sagt er über seine Eltern. „Egal, was ich machen wollte, sie wollten, dass ich es gut mache.“ Diese Rückendeckung gab ihm die Freiheit, sich konsequent auf seinen Sport zu konzentrieren.
Leben als Profi: Struktur statt Zufall
Der Alltag eines Profidartspielers ist deutlich strukturierter, als viele vermuten. Manby folgt einem klaren Trainingsplan, der früh am Tag beginnt und konsequent auf Leistungssteigerung ausgerichtet ist.
„Ich trainiere in Blöcken von etwa 45 Minuten“, erklärt er. „Das entspricht der Dauer eines Matches.“ Zwischen den Einheiten legt er bewusst Pausen ein, um auch typische Turnierabläufe zu simulieren, bei denen Spieler häufig längere Wartezeiten zwischen Partien überbrücken müssen.
Insgesamt trainiert er rund drei Stunden täglich, verteilt auf mehrere Sessions. Dabei nutzt er moderne Trainingshilfen wie das Auto-Scoring-System Omni, mit dem Spielsituationen realitätsnah simuliert werden können. „Es macht süchtig“, sagt er lachend. „Aber ist auch sehr nützlich.“
Kein Lampenfieber auf der großen Bühne
Besonders auffällig ist Manbys Auftreten auf großen Bühnen. Während seines Laufs bei der Weltmeisterschaft wirkte er erstaunlich ruhig und abgeklärt. Wo viele Debütanten unter dem Druck tausender Zuschauer einbrechen, scheint er aufzublühen. „Ich liebe die großen Bühnen“, sagt er. „Ich denke, das kitzelt das Beste aus mir heraus.“
Der Unterschied zu kleineren Turnieren ist deutlich spürbar. Bei der Q-School etwa, wo Spieler ihre Tour Card gewinnen können, herrscht eine nahezu klinische Atmosphäre. Publikum gibt es kaum, pro Spieler ist lediglich ein Betreuer zugelassen. „Das ist wirklich anders“, erklärt Manby. „Nach einem Saal mit 3000 Leuten ist das schon ein Umschalten.“
Dennoch erkennt er in beiden Formaten Vorteile: Während große Bühnen zusätzliche Energie liefern, ermöglicht die Ruhe kleiner Turniere maximale Konzentration auf das eigene Spiel.
Mentale Stärke als Erfolgsfaktor
Für Manby entscheidet sich ein wesentlicher Teil des Erfolgs im Kopf. „Ich denke, sicher ein Drittel des Spiels ist mental“, betont er. Gerade auf höchstem Niveau, wo Leistungsunterschiede minimal sind, wird mentale Stabilität oft zum entscheidenden Faktor.
Gleichzeitig bleibt intensives Training unverzichtbar. „Viel üben“, sagt er knapp. Eine einfache Aussage – aber im Dartsport wohl eine der wichtigsten Wahrheiten.
Seine Leistungen unterstreichen dieses Prinzip eindrucksvoll. Manby hält den Rekord für den höchsten Average aller Zeiten auf der PDC Development Tour: herausragende 130,7 Punkte. Eine Zahl, die selbst unter etablierten Profis außergewöhnlich ist. Dennoch bleibt er bescheiden. „Es waren nur vier Legs“, relativiert er. „Aber es ist möglich, das zu verbessern.“
Bemerkenswert ist zudem, dass ihm bislang noch kein offizieller 9-Darter im Match gelungen ist – auch wenn er mehrfach dicht davorstand. „Ich habe ein paar Mal eine Chance auf die Doppel vergeben“, berichtet er.
Klare Ziele: Titel und Weltmeisterschaft
Mit seinem Talent, seiner mentalen Stärke und wachsender Erfahrung gilt Manby als einer der spannendsten jungen Spieler der Szene. Die Kombination aus natürlicher Veranlagung und professioneller Betreuung macht ihn zu einem Akteur, den Beobachter genau im Blick behalten.
Seine Ziele formuliert er klar und ohne Umschweife: Endspiele bei großen Turnieren erreichen – und schließlich Weltmeister werden. „Das ist der Plan“, sagt er entschlossen.
Setzt er seine Entwicklung in diesem Tempo fort, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis er sich dauerhaft in der Weltspitze etabliert. Eines scheint bereits jetzt sicher: Die Dartswelt hat ein neues Supertalent – und sein Name ist Charlie Manby.