„Man sieht an allem, dass es kein Glück ist“ – Vincent van der Voort beeindruckt von Brody Klinge nach sensationellem Finaleinzug beim Australian Darts Masters

PDC
Mittwoch, 26 August 2026 um 9:15
Vincent van der Voort (2)
Die Auftritte von Brody Klinge bei den Australian Darts Masters haben auch Vincent van der Voort beeindruckt. Der Australier avancierte beim World Series-Turnier zu einer der großen Überraschungen und schaffte sogar den Einzug ins Finale. Laut Van der Voort war das keineswegs Glück. Der Ex-Profi sieht in Klinge einen Spieler mit klaren Qualitäten, der künftig noch häufig von sich hören lassen und vielleicht sogar eine PDC Tour Card erobern kann.
Klinge hinterließ bei den Australian Darts Masters einen starken Eindruck und räumte auf dem Weg dorthin einige namhafte Gegner aus dem Weg. Er schlug nacheinander Ross Smith, Gian van Veen und Jonny Clayton. Im Endspiel musste er sich schließlich James Wade beugen, doch allein die Finalteilnahme sorgte für große Aufmerksamkeit.
Van der Voort sah beim Turnier vor allem einen Spieler, der unter Druck außergewöhnlich ruhig blieb. „Er hat einfach einen sehr guten Wurf. Man sieht an allem, dass das, was er macht, kein Glück ist“, sagte der Niederländer im Podcast Darts Draait Door. Klinge verfüge über eine natürliche Spielweise und lasse sich zudem nicht so schnell vom Namen oder Ruf seines Gegners beeindrucken.
„Man sieht, dass er sehr ruhig spielt, und er wirkt auch nicht beeindruckt vom Gegner“, analysiert Van der Voort. Genau diese Haltung könne ein Schlüssel für Klinges beeindruckende Serie gewesen sein. In Australien traf er mehrfach auf schwere Gegner, blieb standhaft und zeigte, dass er das Niveau der etablierten Namen mitgehen kann.
Die Finalteilnahme könnte zudem ein wichtiges Momentum in Klinges Entwicklung sein. Durch seine Leistungen wird der Australier in der internationalen Darts-Szene bekannter und könnte über einen Schritt Richtung internationales Circuit nachdenken. Genau dort sieht Van der Voort jedoch ein zentrales Problem für Spieler aus Ländern außerhalb Europas.

Schwieriger Wechsel nach Europa

Der Niederländer betont, dass ein Wechsel nach Europa nicht so einfach ist, wie es manchmal scheint. „Das ist natürlich schwierig. Wenn du eine Familie hast, sagst du nicht einfach: Leute, ich gehe nach Europa. Auf Wiedersehen.“ Für Spieler aus Australien ist die Entfernung enorm, zudem bringt eine Laufbahn in Europa erhebliche Kosten mit sich.
Van der Voort unterstreicht, dass viele Spieler, die zur Q-School reisen, zu wenig bedenken, was danach nötig ist, um wirklich eine Profikarriere aufzubauen. „Viele Menschen vergessen das, wenn sie zur Q-School gehen. Sie reisen aus Belgien in die Niederlande oder aus einem anderen Land und sagen dann: Ich sammle Erfahrung. Aber was machst du, wenn du tatsächlich eine PDC Tour Card holst?“
Laut Van der Voort beginnt dann erst die eigentliche Fragestellung. Eine PDC Tour Card bedeutet nämlich nicht automatisch, dass ein Spieler finanziell auf der sicheren Seite ist. Reisen, Hotels, Startgelder und weitere Ausgaben summieren sich schnell, zudem müssen Spieler Steuern und mögliche Vereinbarungen mit Managern einkalkulieren.
„Dann wissen sie nicht weiter“, sagt Van der Voort über Spieler, die nach dem Gewinn einer PDC Tour Card plötzlich vor großen finanziellen Entscheidungen stehen. Manche müssten seiner Ansicht nach notgedrungen Vereinbarungen mit Managern treffen, um die Karriere überhaupt finanzieren zu können.

Finanziell nicht einfach

Dabei stellt Van der Voort einige Konstruktionen infrage. Er skizziert ein Beispiel eines Spielers, der jährlich 100.000 Euro verdient, davon aber einen großen Teil an einen Manager abgeben muss. „Angenommen, du hast ein Jahr mit 100.000 Euro Einnahmen. Dann hast du zum Beispiel einen 80-20-Vertrag. Du behältst 20.000 Euro, und darauf musst du auch noch Steuern zahlen. Dann lohnt es sich eigentlich nicht.“
Brody Klinge grüßt das Publikum
Brody Klinge erreichte am vergangenen Wochenende das Finale der Australian Darts Masters
Für Klinge wird die Entwicklung in den kommenden Monaten spannend. Sein Finaleinzug in Wollongong hat jedenfalls gezeigt, dass er über genügend darttechnische Qualität verfügt, um mit der Weltspitze mitzuhalten. Van der Voort erkennt beim Australier klar erkennbares Potenzial. „Er ist wirklich ein sehr guter Spieler“, lautet sein vielsagendes Fazit.
Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Klinge tatsächlich den Schritt in den internationale Circuit schafft. Sein Auftritt bei den Australian Darts Masters hat zumindest deutlich gemacht, dass sein Name nicht länger ein Geheimtipp ist. Was als überraschende Teilnahme begann, endete mit einem Platz im Finale – und der Überzeugung von Kennern wie Van der Voort, dass noch deutlich mehr möglich ist.
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