Laut
Chris Mason verdient
Michael van Gerwen vor allem Respekt für das, was er dem Dartsport in den vergangenen fünfzehn Jahren gebracht hat. In einem ausführlichen Gespräch mit Online Darts sprach der ehemalige Premier-League-Teilnehmer über Van Gerwens aktuelle Situation, dessen möglichen Rückfall in der Weltrangliste und die Frage, ob der Niederländer sich jemals mit einer Rolle im Mittelfeld zufriedengeben würde.
Mason betonte zunächst, dass Van Gerwen seiner Ansicht nach jahrelang eine enorme Verantwortung innerhalb des Sports getragen hat. Dabei zog er den Vergleich mit Ikonen früherer Generationen.
Respekt für die Karriere: „Er hat den Staffelstab von Taylor übernommen“
„Michael war ein fantastischer Diener unseres Sports“,
sagte Mason. „Er hat Darts nicht unbedingt auf ein höheres Niveau gehoben als Phil Taylor, aber du brauchst immer jemanden, der den Staffelstab übernimmt. So wie früher Jimmy White und Alex Higgins im Snooker. Michael hat diese Rolle unglaublich gut ausgefüllt.“
Der Engländer kennt Van Gerwen seit dessen Teenagerjahren und sah, wie früh der Druck auf die Schultern des Brabanders gelegt wurde. „Ich erinnere mich an Michael, als er fünfzehn war. Er hat jahrelang das ganze Gewicht der Dartwelt auf seinen Schultern getragen. In unglaublich jungem Alter war er bereits der dominante Spieler.“
Van Gerwen eroberte kürzlich beim Players Championship 15 seinen ersten PDC-Ranglistentitel des Jahres 2026.
Gerade deshalb hat Mason Verständnis für die Phase, in der sich Van Gerwen derzeit befindet. Der dreifache Weltmeister hat zuletzt bewusst etwas mehr Abstand vom Sport genommen, auch aufgrund privater Umstände rund um Ehe und Familie.
„Ich finde es überhaupt nicht schlimm, dass er sich jetzt etwas Zeit für sich und seine Kinder nimmt“, sagte Mason. „Nach allem, was er erlebt hat, hat er sich das verdient. Und das Schöne ist: Er ist noch jung genug, um kurz Abstand zu nehmen und später zurückzukommen. Wir reden nicht über jemanden Ende vierzig. Für einen Darter ist er immer noch ein junger Mann.“
Laut Mason vergessen viele junge Spitzensportler manchmal, tatsächlich auch jung zu sein. „Diese jungen Spieler bekommen kaum die Chance, ihren Erfolg und Reichtum zu genießen. Michael musste jahrelang einfach nur liefern.“
Dennoch sieht Mason auch, dass Van Gerwen sportlich nicht mehr die unantastbare Kraft von früher ist. „Im Moment ist er nicht mehr dieser dominante Spieler“, gab er zu. „Aber das ändert nichts an dem, was er alles für diesen Sport getan hat.“
Diese dominante Position scheint inzwischen immer mehr von Luke Littler übernommen zu werden, der laut Mason auffallend entspannt mit dem Druck umgeht. „Jetzt liegt diese Verantwortung auf den Schultern von Luke Littler, und er scheint sich um nichts zu scheren. Das ist großartig zu sehen.“
Kein Spieler für das Mittelfeld: „Michael hat zu viel Stolz“
Im Gespräch kam auch Van Gerwens mögliche Position in der
Weltrangliste zur Sprache. Dem Niederländer droht bei ausbleibenden Ergebnissen in diesem Jahr ein deutlicher Absturz, möglicherweise sogar in Richtung Platz sechzehn oder tiefer. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob Van Gerwen aufhören würde, wenn er dauerhaft außerhalb der absoluten Spitze bleibt.
Mason ist sich dabei sichtlich unsicher, glaubt aber nicht, dass Van Gerwen sich mit einer Rolle als durchschnittlicher Tourspieler zufriedengibt. „Michael hat zu viel Stolz, um jemand zu werden, der ab und zu noch ein gutes Match spielt“, sagte er. „Ich sehe ihn nicht als jemanden, der auf Platz zwanzig der Welt steht und überall früh rausfliegt.“
Dennoch ist Mason bewusst, dass nichts ewig währt. „Es könnte ein Moment kommen, in dem er sich fragt: ‚Was mache ich hier eigentlich?‘ Wie stehe ich auf Platz zwanzig der Welt? Wie verliere ich gegen Spieler, die früher nicht einmal seine Schuhe hätten putzen dürfen? Aber so funktioniert Sport nun einmal.“
Dabei verwies der Ex-Profi auch auf den Generationswechsel im Sport. Seiner Meinung nach sind die jungen Spieler heute hungriger denn je. „Diese Jungs leben für Darts“, so Mason. „Und wenn du zurück an die absolute Spitze willst, musst du für diesen Sport leben, atmen und arbeiten.“
Aus seiner Sicht gibt es dabei grob zwei Spielertypen. „Es gibt Spieler wie Michael und Phil Taylor, die Erfolge feiern, aber nie das Gefühl haben, schon angekommen zu sein. Und es gibt Spieler, die ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen und sofort denken, sie seien Profis.“
Mason sieht zudem technische Probleme im Spiel von Van Gerwen. „Sein Wurf hat nachgelassen; sein Handgelenk sieht schlecht aus“, analysierte er. „Aber es sagt alles über sein Talent, dass er trotz eines komplett veränderten Wurfs immer noch enorme Scores werfen kann.“
Ob Van Gerwen letztlich noch einmal zu seinem alten Niveau zurückkehrt, wagt Mason nicht zu prognostizieren. Aber eines weiß er sicher: Das Vermächtnis des Niederländers steht längst fest. „Wie auch immer es ausgeht, es war eine unglaubliche Karriere.“