„Nicht scharf genug in den entscheidenden Momenten“ – Gerwyn Price verpasst das Finale der Premier League Darts nach sensationellem Comeback gegen Luke Littler

PDC
Freitag, 29 Mai 2026 um 6:00
Gerwyn Price
Gerwyn Price stand am Donnerstagabend nahe an einem der denkwürdigsten Comebacks der jüngeren Premier-League-Darts-Geschichte, doch am Ende blieb er in der Halbfinalpartie gegen Luke Littler mit leeren Händen zurück. In einem nervenaufreibenden Duell in der The O2 Arena kämpfte sich der Waliser von einem scheinbar aussichtslosen 4:9 zurück, um schließlich doch mit 9:10 zu unterliegen.
Für Price bedeutete die Niederlage das Ende einer langen und wechselhaften Premier-League-Kampagne. Dennoch bewies „The Iceman“ mit seinem beeindruckenden Endspurt einmal mehr, warum er weiterhin zur absoluten Weltspitze zählt.

Littler dominiert die Anfangsphase

Das Halbfinale begann allerdings recht ausgeglichen. Price blieb in der Startphase gut an Littler dran und setzte sofort einige starke Finishes. Der Ex-Weltmeister checkte unter anderem ein sehenswertes 137-Finish und später auch ein 115-Checkout, womit er das Publikum in London mehrfach von den Sitzen riss.
Dennoch war es erneut Littler, der in den wichtigen Momenten den Unterschied machte. Der junge Engländer nutzte einige schwächere Doppel von Price konsequent aus und baute Schritt für Schritt einen komfortablen Vorsprung auf. Mit seinem typischen Scoring setzte sich Littler schließlich auf eine scheinbar vorentscheidende 9:4-Führung ab.
Zu diesem Zeitpunkt schien das Match gelaufen. Price wirkte frustriert und Littler benötigte nur noch ein Leg, um das Finale gegen Luke Humphries zu erreichen.

Fünf verpasste Matchdarts öffnen die Tür

Was dann folgte, sorgte für eine der spektakulärsten Phasen dieser Premier-League-Saison. Littler bekam mehrere Chancen, die Partie endgültig zuzumachen, doch insgesamt vergab er fünf Matchdarts. Price witterte seine Chance und begann plötzlich wieder an ein Comeback zu glauben.
Der Waliser schaltete einen Gang höher und fand wieder die schweren Scores, die ihn jahrelang so gefährlich gemacht haben. Mit Maximums und überzeugenden Finishes brachte er die Spannung komplett zurück ins Match.
Der absolute Höhepunkt seiner Aufholjagd kam beim Stand von 7:9. Price produzierte ein überragendes 124-Finish über Doppel 11, um auf 8:9 heranzukommen. Das Publikum in der O2 Arena trug voll das Momentum des Iceman mit, während Littler sichtbar mit dem Druck zu kämpfen begann.
Im darauffolgenden Leg schien Price sogar auf dem Weg zu einem sensationellen 124-Finish über die Bullseye, doch sein letzter Pfeil strich hauchdünn am roten Feld vorbei. Dennoch blieb er cool genug, um schließlich 25 auszumachen und den Fünf-Leg-Rückstand komplett zu egalisieren: 9:9.
Wo wenige Minuten zuvor noch ein klarer Sieg für Littler in der Luft lag, stand plötzlich ein Entscheidungsleg auf der Anzeigetafel.
Gerwyn Price brüllt in Richtung Publikum
Price war einer epischen Aufholjagd gegen Luke Littler ganz nah

Littler behält im Entscheidungsleg die Nerven

Trotz der gewaltigen Aufholjagd behielt Littler im letzten Leg noch immer den Anwurf, und das erwies sich letztlich als entscheidend. Der Weltmeister startete das Entscheidungsleg mit einer perfekten 180 und übernahm sofort wieder die Kontrolle.
Price blieb dran, bekam aber keine echte Chance mehr auf ein Finish. Littler bewahrte schließlich die Nerven und traf Doppel 16 zum siegbringenden Dart: 10:9.
Für Price war die Enttäuschung offensichtlich groß. Der Waliser spielte einen Average von 100,42, sogar höher als Littlers 98,47, musste sich am Ende aber dennoch geschlagen geben.

Price reagiert sportlich auf die Niederlage

Nach dem Match teilte Price via Instagram eine ehrliche und sportliche Reaktion auf seine Niederlage. Darin räumte er ein, dass er in den entscheidenden Momenten nicht ganz scharf genug gewesen sei.
„Ach ja, wir machen weiter. Nicht scharf genug in den Momenten, in denen es zählte. Schwierige, lange Kampagne in diesem Jahr, aber jede Minute genossen. Danke euch allen erneut für den enormen Respekt und die Unterstützung auf dem ganzen Weg. Eine Woche frei, und dann wieder zurück auf den Wagen“, schrieb der Waliser.
Diese Botschaft charakterisierte perfekt, wie Price offenbar auf seine Premier-League-Saison zurückblickt: enttäuscht über den verpassten Erfolg, zugleich aber stolz auf seinen Kampfgeist und dankbar für die Unterstützung der Fans.

Bewegte Premier-League-Saison

Für Price endet damit eine Saison mit vielen Gesichtern. Der frühere Weltmeister startete stark in die Premier League und gewann früh in der Saison zwei Spielabende. Lange Zeit schien er ohne große Probleme auf Kurs Richtung Play-offs.
In der Schlussphase des Wettbewerbs wurde es für Price jedoch schwieriger. Wechselhafte Form, körperliche Beschwerden und einige Rückzüge aus anderen Turnieren sorgten dafür, dass seine Position in den Top Vier plötzlich weniger selbstverständlich war.
Dennoch qualifizierte er sich letztlich für die Play-offs in London, wo er als Nummer vier erneut auf Littler traf – ein weiteres Kapitel in einer inzwischen faszinierenden Rivalität.
So hart die Niederlage auch ist, mit seiner Aufholjagd zeigte Price erneut, dass er auf höchstem Niveau noch lange nicht abgeschrieben ist. Findet er seinen Rhythmus und das Publikum steht hinter ihm, bleibt Price ein Spieler, der jeden Gegner unter enormen Druck setzen kann.

Fokus auf den Rest der Saison

Mit dem Ende der Premier League richtet sich der Blick nun auf den Rest des Dartjahres. Es ist noch unklar, welche Turniere Price in den kommenden Wochen genau spielen wird, beim World Cup of Darts ist er jedenfalls nicht dabei.
Seine Botschaft nach dem Match ließ jedoch wenig Zweifel an seiner Motivation. Auch wenn Price erneut an einem großen TV-Titel vorbeigreift, der Hunger nach Erfolg scheint weiterhin vorhanden.
Und obwohl er am Donnerstagabend gegen Littler knapp zu kurz kam, wird seine spektakuläre Aufholjagd in London in der Dartswelt zweifellos noch lange Gesprächsthema bleiben.
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