Die Dartswelt hat einen Moment erlebt, der noch jahrelang nachhallen wird. Bei
Players Championship 11 schrieb
Beau Greaves Geschichte, indem sie als erste Frau überhaupt einen Titel auf der PDC ProTour gewann. Was als vielversprechender Tag begann, wurde zu einem ikonischen Abend, an dem Greaves nicht nur siegte, sondern auch überzeugte – und vielleicht noch wichtiger: inspirierte.
In einem packenden Finale setzte sich die 22-jährige Engländerin gegen Michael Smith durch, wobei sie das Match auf phänomenale Weise mit einem 142-Finish entschied. Es war das perfekte Schlussakkord an einem Tag, an dem sie bereits Weltmeister wie Rob Cross und Gary Anderson ausgeschaltet hatte.
TalkSPORT-Moderator Harry Durham brachte das Gefühl vieler treffend auf den Punkt: „Wir haben alle zugeschaut, egal wo auf der Welt. Und dieses Match hat absolut nicht enttäuscht.“
Ein Finale, das alles bot
Das Endspiel zwischen Greaves und Smith hielt die Fans auf der Stuhlkante. Hohe Finishes, Maxima und ständige Momentumwechsel machten es zu einem Spektakel.
„Wir hatten hohe Finishes, wir hatten ein 142 zum Matchgewinn, wir hatten einen ‚Big Fish‘… ich weiß nicht, wie oft Michael Smith das Bullseye traf, wie oft er ins Match zurückkam“, analysierte Durham.
Smith, der in den letzten Monaten mit Formschwankungen und körperlichen Problemen kämpfte, schien sich von der Klippe zurückzukämpfen. Doch immer wenn das Momentum zu kippen drohte, blieb Greaves eiskalt.
Und dann kam dieser Moment: Smith setzt Druck mit einer Aufnahme, die ihm Doppel 10 lässt. Greaves steht auf 142. Drei Darts. Keine Sekunde Zögern. Aus.
Laura Turner, selbst Profispieler und Expertin, konnte ihre Bewunderung kaum verbergen: „Er stellt sich auf ein Doppel, und sie steht auf 142 und checkt es einfach zum Titel. Das ist unglaublich.“
Der Weg zum Titel: über Weltklassegegner
Besonders bemerkenswert an diesem Titel ist der Weg, den Greaves ging. Sie schlug drei Weltmeister an einem Tag – eine Leistung, die für sich schon außergewöhnlich ist. Gegen Rob Cross holte sie einen nervenaufreibenden 6:5-Sieg. Anschließend fegte sie mit 7:1 über Gary Anderson hinweg, um schließlich im Finale Michael Smith zu bezwingen.
Turner: „Jeder hat erwartet, dass Beau sich zeigen würde, aber dann gleich einen Titel zu holen… und das auch noch gegen diese Art von Gegnern – das ist wirklich besonders.“
Vielleicht der aussagekräftigste Moment kam nach dem Match. Nicht auf dem Board, sondern in Greaves’ eigener Reaktion. Durham verriet, dass er ihr anschließend eine Nachricht geschickt hatte. Die Antwort ließ wenig Raum für Interpretation: „Ich weine immer noch.“
Turner nahm dasselbe wahr: „Ich glaube, kaum jemand, der Beau kennt, hatte trockene Augen. Es ist Stolz, Erleichterung und vielleicht auch ein Bewusstsein: Das kann ich wirklich.“
Wer Greaves nur im Fernsehen sieht, erlebt eine ruhige, beinahe zurückhaltende Spielerin. Doch hinter dieser Gelassenheit steckt eine außergewöhnliche Siegermentalität. „Sie ist so ruhig. Man muss ihr nicht sagen, wie gut sie ist – sie weiß es selbst, bleibt dabei aber unglaublich gelassen“, so Durham.
Turner ergänzt: „Sie ist einer der bodenständigsten Menschen, die ich je getroffen habe. Kombiniere das mit ihrem Talent und du hast etwas ganz Besonderes.“
Die Zahlen sprechen für sich:
- 53 Titel auf der Women's Series
- 4 Titel auf der Development Tour
- 2 Titel auf der Challenge Tour
- Und jetzt: ein ProTour-Titel
Turner: „Sie ist eine geborene Gewinnerin. Und das kann sehr gut der Anfang von noch viel mehr sein.“
Greaves ist die erste Frau mit einem Titel auf der PDC ProTour.
Bemerkenswerterweise zweifelte Greaves vor nicht allzu langer Zeit offen an ihren eigenen Chancen gegen die absolute Weltspitze. Beim World Matchplay 2024 sagte sie, sie glaube, dass Frauen womöglich nie das Niveau von Spielern wie Luke Humphries, Michael van Gerwen und Luke Littler erreichen würden.
Diese Worte klingen jetzt fast unwirklich. Turner reflektiert: „Das zeigt, wo sie mental damals stand. Das Talent war immer da, aber es geht darum, dass du selbst auch daran glaubst. Und genau das tut sie jetzt.“
Mehr als ein Titel: ein Durchbruch für Frauen im Darts
Die Wirkung dieses Sieges reicht weit über ein einzelnes Turnier hinaus. Es ist ein neuer Meilenstein in der Entwicklung der Frauen im Darts. Turner ordnet es ein und verweist auf frühere Pionierinnen wie Fallon Sherrock und Lisa Ashton: „Als Fallon ihre Spiele bei der WM gewann, hast du den Effekt sofort gesehen. Mädchen dachten: Das geht also auch für mich.“
Laut Turner befindet sich das Wachstum inzwischen in einer echten Beschleunigung: „Darts-Akademien sind voll – und nicht nur mit Jungen, sondern zunehmend mit Mädchen. Das Prinzip ‚Sehen heißt glauben‘ wirkt wirklich.“
Greaves hebt diesen Effekt nun auf ein höheres Niveau. Nicht nur mitspielen, sondern auch gewinnen. Mit ihrem ersten Pro Tour-Titel stellt sich zwangsläufig die Frage: Kann Greaves auch ein Major gewinnen? Turner hat keinen Zweifel: „Absolut. Es geht nicht von heute auf morgen, aber das ist ein gewaltiger Schritt. Sie hat das Niveau.“
Sie verweist dabei auf frühere Leistungen, etwa ihren starken Auftritt gegen Luke Humphries bei der UK Open. Zudem hilft ihr dieser Sieg, Erfahrung in längeren Formaten zu sammeln – entscheidend auf höchstem Niveau. „Sie gewinnt jetzt Matches über längere Distanzen. Genau das brauchst du mit Blick auf die großen Turniere.“