„Verlangsame dein Spiel, um ihn zu brechen" - Kann man Luke Littler stoppen? Phil Taylor glaubt Strategie zu kennen

PDC
Freitag, 29 August 2025 um 11:00
luke littler phil taylor 3 credit target darts
Seit eineinhalb Jahren wird die Dartwelt von dem Phänomen Luke Littler komplett auf den Kopf gestellt. Seit seinem sensationellen Durchbruch bei der PDC Weltmeisterschaft Anfang 2024 - als er als 16-Jähriger das Finale erreichte - scheint es für den jungen Engländer kein Halten mehr zu geben. Wo andere Jahre brauchen, um den Durchbruch zu schaffen, ist Littler in kürzester Zeit zum absoluten Star des Circuits geworden.
Mit seinen gerade einmal achtzehn Jahren hat er bereits die prestigeträchtigsten Preise in seinem Trophäenschrank stehen. Seine Triumphe bei der World Darts Championship, der Premier League Darts und dem World Matchplay machten ihn zum jüngsten Spieler, der jemals die begehrte Triple Crown erringen konnte - ein Kunststück, das nur eine Handvoll Dartspieler in der Geschichte jemals geschafft haben.
Da stellt sich die Frage: Wie kann man Luke The Nuke Littler eigentlich schlagen? Laut dem 16-fachen Weltmeister Phil Taylor liegt die Antwort nicht in spektakulären Finishes oder Scoring-Fähigkeiten, sondern in einer subtilen mentalen Strategie. In einem Gespräch mit der MODUS Super Series of Darts teilte Taylor seine Ansicht mit: die einzige Waffe, die Darter gegen Littler einsetzen können, ist Verzögerung.

Taylor: „Junge Spieler sind an den Rhythmus gewöhnt"

Taylor, der selbst viele Jahre lang den Dartsport beherrschte und von vielen immer noch als der Größte aller Zeiten angesehen wird, erklärt, woher sein Denken kommt.
„Viele junge Spieler werfen schnell, weil sie hauptsächlich alleine trainieren", erklärt The Power. „Sie sind an ein schnelles Tempo gewöhnt, ohne dass sie jemand bremst. Als ich jung war, habe ich stattdessen versucht, so oft wie möglich mit anderen zu trainieren, um dieses Wettbewerbselement zu imitieren und in einem gleichmäßigen Rhythmus zu bleiben."
Laut Taylor wird dieser Unterschied deutlich, wenn ein junger Spieler wie Littler auf erfahrenere Gegner trifft. „Oft sieht man, dass ältere Spieler absichtlich ihr Tempo drosseln. Sie lassen sich mehr Zeit, wenn sie ihre Darts aufheben oder warten ein bisschen länger am Oche. Das hat einen Grund: Es bringt den jüngeren Spieler aus seinem Rhythmus, weil er das einfach nicht gewohnt ist."
Taylor ist deshalb überzeugt: „Jeder, der gegen Luke Littler spielt, wird seine eigenen Würfe verlangsamen. Das ist das einzige, was man wirklich versuchen kann, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen."
Der 16-fache Weltmeister Phil „The Power" Taylor
Der 16-fache Weltmeister Phil „The Power" Taylor

Funktioniert es tatsächlich?

Auf dem Papier klingt diese Strategie logisch, aber die Praxis zeigt, dass es im Moment anders ist. Littler selbst hat sich nie offen über langsame Gegner beschwert, und seine Ergebnisse sprechen Bände.
Allein im Jahr 2025 reihte er Titel an Titel. Neben der Darts WM und dem World Matchplay fügte er unter anderem auch die UK Open und die Belgian Darts Open zu seiner beeindruckenden Liste von Auszeichnungen hinzu. Es ist fast schon erschreckend, wie wenig Einfluss die Gegner zu haben scheinen, unabhängig von ihrer Taktik.
Natürlich gibt es Spiele, bei denen sich die Rivalen auf ihren Plätzen besonders viel Zeit lassen. James Wade, der für seinen langsamen und bedächtigen Stil bekannt ist, hatte bereits einige hitzige Momente mit Littler. Ein struktureller Schlüssel zum Erfolg ergab sich daraus jedoch nicht: Auch Wade musste sich mehrmals vor The Nuke beugen.

Publikum als Achillesferse?

Während die Gegner mit ihrem Spieltempo wenig Eindruck hinterlassen, scheint das Publikum hin und wieder eine Rolle zu spielen. Littler hat in seiner noch jungen Karriere schon mehrfach gezeigt, dass er auf eine feindselige Atmosphäre in der Halle reagiert.
Ein deutliches Beispiel dafür sahen wir in diesem Frühjahr in Dublin, während einer Runde der Premier League Darts. Littler verlor gegen Gerwyn Price nach einem Abend voller Buhrufe und Lärm von den Tribünen. Frustriert warf er danach seine Darts auf den Boden und verließ sichtlich bewegt die Bühne.
Luke Littler
Luke Littler
Das sind die seltenen Momente, in denen deutlich wird, dass selbst ein Wunderkind wie Littler nicht unantastbar ist. Das Spiel seiner Gegner scheint ihn nicht aus der Ruhe zu bringen, aber ein feindseliges Publikum kann seinen Gemütszustand durchaus beeinflussen.

Keine Formel gegen Littler

Dennoch bleibt das Fazit bisher dasselbe: Luke Littler ist kaum zu stoppen. Taylors Vorschlag, das Tempo zu drosseln, ist zwar ein interessanter psychologischer Ansatz, aber die Praxis zeigt, dass es noch keine goldene Formel gibt.
Littler hat sich in Windeseile an das Leben als professioneller Dartspieler angepasst. Während er in den ersten Monaten gelegentlich mit dem Druck und der Aufmerksamkeit zu kämpfen hatte, scheint er jetzt im Rampenlicht zu gedeihen. Seine Scoring-Fähigkeit - sein Average liegt leicht über 100 - und seine Coolness auf den Doppeln machen ihn zu einem Gegner, gegen den niemand gerne antritt.
Selbst die für ihre taktische Cleverness bekannten Darter wie Peter Wright oder der bereits erwähnte James Wade haben bisher keine Antwort gefunden.

Taylors Vermächtnis und die Zukunft von Littler

Dass sich gerade Phil Taylor zu Littlers Ansatz äußert, macht die Diskussion noch interessanter. Taylor selbst hat den Sport zwei Jahrzehnte lang mit einer beispiellosen Mischung aus Qualität, Mentalität und einschüchternder Präsenz dominiert. Er weiß besser als jeder andere, wie es ist, der Mann zu sein, den jeder schlagen will.
Es überrascht nicht, dass er der heutigen Generation, die verzweifelt nach Möglichkeiten sucht, Littler zu bändigen, Tipps gibt. Doch selbst Taylor räumt implizit ein, dass dies keine leichte Aufgabe ist: „Man kann nur versuchen, ihn aus seinem Rhythmus zu bringen. Aber selbst dann bleibt die Frage, ob das ausreichen wird."
Für Littler selbst scheinen solche Analysen nur Treibstoff zu sein. Jedes Mal, wenn eine neue Taktik gegen ihn entwickelt wird, beweist er einmal mehr, dass er sich schnell anpassen kann. Und mit der Erfahrung, die er noch sammeln wird, wird er wahrscheinlich nur noch schwerer zu schlagen sein.

Fazit: Ein fast unlösbares Rätsel

Phil Taylor hat zwar eine mögliche Strategie vorgeschlagen - sein eigenes Spiel zu verlangsamen - aber die harte Wahrheit ist, dass bisher niemand mit diesem Ansatz wirklich Erfolg hatte. Luke Littler gewinnt weiterhin Titel, als wäre es die normalste Sache der Welt.
Seine einzigen schwachen Momente scheinen außerhalb des Boards aufzutreten: in seiner Interaktion mit dem Publikum und den Emotionen. Aber sobald es um reinen Dartsport geht, gibt es anno 2025 kaum jemanden, der ihm widerstehen kann.
Für die Fans mag es das beste Szenario sein: ein neues Wunderkind, das den Sport in jungen Jahren dominiert und Rekorde bricht. Für seine Konkurrenten hingegen ist es ein Albtraum - denn wie soll man jemanden schlagen, der schon alles zu können scheint?
Phil Taylor hat versucht, die Antwort zu geben, aber im Moment ist es hauptsächlich Luke Littler selbst, der alle Fragen beantwortet. Auf der Bühne. Mit Darts, die beispiellos hart und schnell treffen.
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