Jonny Clayton steht kurz vor seiner Rückkehr auf die Bühne des
Winmau World Masters in Milton Keynes – und der Waliser kann seine Vorfreude kaum verbergen. Im vergangenen Jahr stand er im Finale, musste sich aber mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Diesmal will er den nächsten Schritt gehen, noch einmal glänzen und seinen Platz an der Spitze der Dartswelt behaupten.
„Ich freue mich riesig darauf“,
sagt Clayton. „Dieses Turnier ist besonders, weil es anders ist als die üblichen Wettbewerbe. Spieler lieben genau diese Herausforderung. Man braucht eine völlig andere Denkweise, eine andere Konzentration. Letztes Jahr war das Finale schon großartig, aber dieses Jahr will ich das toppen.“
Ungewöhnliches Format
Auch sportlich hat das Event für den „Ferret“ enormes Gewicht. Mit Platz fünf in der Weltrangliste kämpft Clayton um wertvolle Punkte für den weiteren Saisonverlauf. „Für mich ist das eines der wichtigsten Turniere des Jahres“, betont er. „Ich will meinen Platz verteidigen und gleichzeitig zeigen, dass ich für die großen Aufgaben bereit bin. Vielleicht ist das der perfekte Start in die neue Saison.“
Jonny Clayton will seine Finalteilnahme aus dem letzten Jahr bei den Winmau World Masters bestätigen.
Das
Winmau World Masters heben sich vom klassischen PDC-Alltag deutlich ab – ein Aspekt, den Clayton ausdrücklich begrüßt. „Das Format ist anders. Ein Satz geht nur bis zwei Legs – das klingt kurz, ist aber vor allem mental eine große Herausforderung“, erklärt der 49-Jährige. „Man darf sich keine Fehler leisten. Ich habe das letztes Jahr wirklich genossen, und ich glaube, die Fans auch. Es ist temporeich, spannend und anders – genau das, was Darts manchmal braucht.“
Innovation, so Clayton, könne dem Sport insgesamt guttun. „Es gibt immer Raum für Neues. Etwas, das Spieler wie Fans gleichermaßen reizt. Wir reden oft über verschiedene Ideen, und wer weiß – vielleicht entsteht in Zukunft ein ganz neues Turnierkonzept.“
Zurück in der Premier League
Neben den World Masters steht für Clayton auch eine Rückkehr an – und zwar zu einem seiner Lieblingsturniere: der
Premier League Darts. Nachdem er in der World Series die Events in Bahrain und Saudi-Arabien ausgelassen hatte, ist die Freude über die Rückkehr groß. „Die Premier League war immer etwas Besonderes für mich. Diese Atmosphäre jede Woche, dieses Publikum – das ist einzigartig. Ich freue mich riesig, wieder dabei zu sein.“
Natürlich spielt das Preisgeld eine Rolle, aber Clayton denkt weiter. „Wichtiger ist das Gefühl, konstant gutes Niveau zu bringen. Wenn du gut spielst, kommt der Rest von allein. In der Premier League will ich zeigen, dass ich wieder dort bin, wo ich hingehöre – zu den Besten.“
Nach seinem Viertelfinal-Aus bei der vergangenen WM hat der Waliser an seiner Balance gearbeitet. „Ich bin ehrlich – ich kann faul sein“, lacht Clayton. „Wenn ich zu viel trainiere, bin ich einfach platt. Deshalb habe ich versucht herauszufinden, was für mich funktioniert. Ich habe gezielt geübt, weil ich wusste, dass eine realistische Chance besteht, in die Premier League zurückzukehren.“
Diese Mischung aus Ehrlichkeit und Leidenschaft zieht sich wie ein roter Faden durch Claytons Karriere. „Ich liebe Darts. Da draußen auf der Bühne zu stehen, vor einer lauten Menge – das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Genau das treibt mich an“, sagt er mit Überzeugung.
Ambitionen eines Rückkehrers
Claytons Ziele für das Jahr 2026 sind klar gesteckt: Er will an sein Topniveau von 2021 anknüpfen – oder es übertreffen. „Ich will dieses Niveau zurück, hundert Prozent“, erklärt er entschlossen. „Ich will wieder Titel gewinnen und zeigen, dass ich noch lange nicht fertig bin. Vor zwei Jahren war ich ein anderer Spieler, aber jetzt bin ich zurück, hungrig und fokussiert. Dieses Jahr muss der Beweis kommen.“
Ein Stolperstein bleibt dabei die Reisetätigkeit, die im Turnierkalender kaum Platz für Ruhe lässt. „Reisen mag niemand. Ich werde dann schon mal mürrisch“, gibt Clayton zu. „Aber sobald ich auf der Bühne stehe, ist das vergessen. Dann geht’s nur noch ums Spielen und darum, Leistung zu bringen.“
Seine Gegner nimmt er gelassen. „Ich weiß noch nicht, auf wen ich treffen werde – aber das ist egal. Wenn ich jemanden meiden will, dann
Beau Greaves,“ sagt er mit einem Schmunzeln. „Sie zum Beispiel ist fantastisch und kann jeden schlagen. Aber am Ende musst du ohnehin jeden nehmen, wie er kommt.“
Mit Freunden wie Joe Cullen verbindet ihn ein besonderer sportlicher Respekt. „Wenn wir aufeinandertreffen, ist das immer speziell. Aber sobald das Spiel beginnt, gilt nur noch eins: Wir müssen liefern.“
Auch auf Talente wie Luke Littler schaut Clayton mit Bewunderung. „Er hat diesen Schalter im Kopf – zack, und er ist voll da. Das ist beeindruckend. Manchmal versuche ich, mir ein Stück davon abzuschauen. Er ist außergewöhnlich und wird noch viele Titel holen.“
Fokus, Nerven und der eigene Antrieb
Trotz seiner jahrelangen Erfahrung kennt Clayton das Gefühl der Nervosität nur zu gut – und er sieht darin keinen Nachteil. „Diese Anspannung vor einem Match gehört dazu. Sie hält dich wach und fokussiert. Sobald die ersten Pfeile fliegen, bin ich im Rhythmus und kann mein Spiel abrufen.“
Und auch der Druck in der Premier League gehört für ihn zum Job. „Jeder Spieler spürt ihn – ob Van Gerwen, Price oder ich. Wir alle wollen performen. Am Ende landet einer ganz oben und einer ganz unten. Ich hoffe natürlich, dass ich derjenige bin, der oben steht.“
Der Blick nach vorn ist positiv. „Ich hoffe, dass ich in Milton Keynes lichterloh brenne“, sagt Clayton mit einem Lächeln. „Ein Finale gegen Luke Littler wäre fantastisch. Aber wichtiger ist, dass ich konstant spiele und zeige, dass ich wieder auf Topniveau bin.“
Seine letzten Worte klingen wie ein Versprechen – an sich selbst und an die Fans: „Ich bin noch nicht fertig. Meine Darts werden besser, ich bin zurück in der Premier League, und ich habe große Ziele. 2026 soll mein Jahr werden – und ich werde alles geben, damit das passiert.“