Es war ein jugendlicher Paukenschlag zum Auftakt der
WDF-Weltmeisterschaft, bei dem gleich mehrere der spannendsten Talente der Szene eindrucksvoll auftraten. Angeführt wurde der Abend von
Mitchell Lawrie, der ebenso glänzte wie Titelverteidiger
Shane McGuirk und damit die Messlatte für die Konkurrenz früh hochlegte. Der Fokus lag klar auf der neuen Generation – und die nutzte die große Bühne kompromisslos.
Lawrie bekam es in seinem Auftaktmatch mit Tomoya Maruyama zu tun und erwischte im ersten Satz zunächst einen zögerlichen Start. Der Japaner kam deutlich besser aus den Blöcken, doch Lawrie fing sich schnell, setzte mit einer 180 das erste Ausrufezeichen, breakte mit der Doppel 4 zum 2:0 und schnappte sich den Satz schließlich über die Doppel 10. Maruyama ließ im weiteren Verlauf immer wieder Chancen liegen, während Lawrie konsequent nachlegte. Im zweiten Satz verlor der Schotte das erste Leg trotz starkem Scoring und einem knapp verpassten 161er-Finish auf Bull, kehrte aber nervenstark ans Board zurück und räumte 25 Punkte zum Ausgleich ab. Der Set ging in ein Entscheidungsleg, in dem Lawrie erst mit einem 13-Darter das Momentum drehte und anschließend 64 Punkte zum Satzgewinn sauber auscheckte.
Lawrie setzt Ausrufezeichen – „der nächste Luke Littler“
Im dritten Satz zeigte Lawrie dann, warum ihn viele bereits als möglichen „nächsten Luke Littler“ handeln. Er feuerte zwei spektakuläre 145er-Checkouts ins Board, darunter das Finish zum Match, und demonstrierte damit eindrucksvoll seine Reife auf der großen Bühne. Dieser Doppelschlag über die 145 sorgten nicht nur im Saal für Raunen, sondern unterstrichen auch seinen Ruf als kommender Star des Circuits. Wer in dieser Woche bei der WDF-WM nach einem Überraschungsmann sucht, kommt an Mitchell Lawrie nicht vorbei.
Auch der Titelverteidiger meldete sich standesgemäß zu Wort. Shane McGuirk hielt seine Mission Titelverteidigung gegen den an Nummer neun gesetzten Stefan Schroder am Leben, obwohl der Niederländer den besseren Start erwischte. Schroder marschierte mit einer 180 in Richtung 36 Rest, nutzte die Schwächephase von McGuirk bei 112 Rest und traf die Doppel 18 zur frühen Führung. Mit einer weiteren 180 und der Doppel 20 krönte er das Set mit einem 13-Darter und ging verdient in Front. Doch McGuirk reagierte wie ein Champion: Im zweiten Satz konterte er mit einem 126er-Checkout und holte sich den Durchgang, womit er das Match wieder in seine Richtung bog.
Shane McGuirk, der Titelverteidiger in Lakeside.
Walker gewinnt Skorpion-Duell
Der 19-jährige Jenson Walker eröffnete das Turnier im Herrenfeld und bestätigte einmal mehr, warum er zu den spannendsten Nachwuchsspielern zählt. Gegen das tschechische Ass Jiri Brejcha – eine Partie, die man angesichts seines Spitznamens ebenso wie jenen von David Fatum durchaus als „Skorpion-Duell“ einordnen konnte – behielt Walker in drei Sätzen die Oberhand. Mit einem Average von rund 84 Punkten spielte er eine seiner bislang besten Partien, beendete den ersten Satz mit einem 17-Darter und baute im zweiten Durchgang mit mehreren 16-Dartern die Führung aus.
Im dritten Satz zündete Walker noch einmal den Turbo. Ein 12-Darter inklusive Break zum Start brachte ihn klar auf Siegkurs, auch wenn er am Ende einige Matchdarts liegen ließ und sich das Ziel kurz selbst schwer machte. Am Ende brachte er den Sieg aber über die Linie und darf sich nun auf das nächste „Skorpion“-Duell mit Fatum freuen, das schon im Vorfeld als echtes Highlight der kommenden Runde gehandelt wird.
Pauling und McKinlay liefern Drama
Auch im Jugend- und Damenbereich gehörte die Bühne den großen Nachwuchshoffnungen. Paige Pauling, amtierende Mädchen-Weltmeisterin und eines der jüngsten Doppel-Talente im Feld, eröffnete ihre Titelverteidigung gegen Lisa Zollikofer. Sie startete mit einem frühen Break und baute ihre Führung trotz wackeliger Legs zunächst aus, setzte mit einem 110er-Checkout zum 18-Darter ein erstes Ausrufezeichen und schien auf dem besten Weg zu einem glatten Erfolg.
Im zweiten Satz zog Pauling mit einem 68er-Finish zum 14-Darter weiter davon, doch je näher der Matchgewinn rückte, desto mehr Chancen vergab sie auf die Doppel. Zollikofer nutzte die Unsicherheiten und zwang die Engländerin in einen Entscheidungsdurchgang. Dort behielt Pauling letztlich gerade so die Nerven, profitierte von einem verpassten Satzdart ihrer Gegnerin und rettete ihren Auftaktsieg über die Ziellinie.
Sophie McKinlay, die im Vorjahr ebenfalls das Jugendfinale erreichte, knüpfte an ihre starken Leistungen an und setzte ebenfalls ein frühes Ausrufezeichen im Turnier. Ihr Auftritt machte deutlich, dass die junge Garde im Damenbereich nicht nur spielerisch mithält, sondern auch die mentale Härte mitbringt, um enge Partien auf der
Lakeside-Bühne zu entscheiden.
Wajer schreibt zum Abschied weiter
Besonders emotional verlief das Duell zwischen der 21-jährigen US-Hoffnung Aaja Jalbert und der erfahrenen Niederländerin Aletta Wajer. Wajer, die nach dieser Weltmeisterschaft ihren Abschied angekündigt hat, zeigte zum vermeintlichen Karriereende noch einmal, was an Qualität in ihr steckt. Sie startete mit starken Scores von 140, 134 und 100 und setzte mit einem Treffer auf der Doppel 20 das frühe Signal, dass sie an diesem Abend nicht als Statistin auftreten würde.
In der Folge kontrollierte Wajer das Match über weite Strecken. Beide Spielerinnen bewegten sich im 70er-Average-Bereich, doch die Niederländerin nutzte ihre Chancen deutlich konsequenter. Sie holte sich den ersten Satz, verteidigte ihren Anwurf im zweiten Durchgang, legte ein Break nach und machte mit einem 56er-Finish schließlich den Deckel auf ein Match, das eher nach Anfang als nach Abschied wirkte.
Springer Jr. setzt US-Highlight
Für das sportliche Ausrufezeichen des US-Lagers sorgte anschließend Jeff Springer Jr. im Duell mit Bradley Kirk. Kirk, einst als Wunderkind auf der PDC-Youth-Tour gehandelt und ebenfalls mit Rückzugsplänen im Hinterkopf, musste sich einem hochfokussierten Springer Jr. beugen. Der Amerikaner gewann mit 3:1 in Sätzen und legte eine Partie hin, in der er in den entscheidenden Momenten stets das richtige Finish fand.
Schon im ersten Satz überstand Springer Jr. fünf vergebene Satzdarts seines Gegners, drehte den Durchgang und setzte damit den Ton für den Rest des Matches. Kirk glich zwar zum 1:1 aus, doch ein 148er-Checkout von Springer Jr. ließ das Momentum endgültig kippen, bevor ein 160er-Finish zu Beginn von Satz vier für den emotionalen Höhepunkt sorgte. Mit dieser Kombination im Rücken brachte er das Match souverän nach Hause und sicherte sich sein Ticket für das nächste Duell, in dem ihn nun Andy Davidson erwartet.