Wayne Mardle war beim
US Darts Masters 2026 im legendären Madison Square Garden in New York mittendrin statt nur dabei. Der ehemalige Topspieler und heutige TV-Experte sprach ausführlich über das internationale Wachstum des Dartsports, die Unterschiede zwischen den Regionen, den Aufstieg einer neuen Generation und die mentalen Herausforderungen auf der Profitour.
Dabei machte der Engländer deutlich, dass der Dartsport weltweit zwar auf einem vielversprechenden Weg sei, der langfristige Erfolg jedoch Geduld, die richtigen Strukturen und eine starke Elite voraussetze.
„New York ist verrückt – aber der Madison Square Garden ist beeindruckend“
Für Mardle war es der erste richtige Aufenthalt in New York – und der hinterließ bleibenden Eindruck. „Es ist das erste Mal, dass ich wirklich hier bin, was eigentlich verrückt ist“, sagte er im Gespräch mit
Online Darts. „Ich bin zwar schon einmal zum Umsteigen hier gewesen, etwa auf dem Weg nach Connecticut. Dann hat man ein paar Stunden Zeit und läuft ein wenig herum. Aber das ist etwas völlig anderes. Es ist anstrengend, wirklich anstrengend, aber ich genieße es.“
Wayne Mardle sieht im internationalen Wachstum des Darts große Chancen – mahnt aber zugleich Geduld und den Schutz der sportlichen Elite an.
Besonders begeistert zeigte sich die Darts-Legende vom Austragungsort des US Darts Masters. „Im Fernsehen bekommt man zwar einen Eindruck, aber der Madison Square Garden ist eine fantastische Arena. Alles wirkt unglaublich stilvoll, die Atmosphäre ist großartig und es ist viel intimer, als ich erwartet hatte. Das gefällt mir sehr. Selbst der Walk-on ist anders. Die Spieler kommen von der Seite statt über einen langen Einmarsch, wodurch die Fans viel stärker eingebunden werden.“
„Nordamerika hat Talent, aber man muss gegen die Besten spielen“
Im weiteren Verlauf des Gesprächs richtete sich der Blick auf die Entwicklung des Dartsports in Nordamerika – insbesondere nach dem
Triumph von Adam Sevada bei der North American Championship. Für Mardle steht außer Frage, dass genügend Talent vorhanden ist. Der Abstand zur europäischen Spitze sei jedoch weiterhin deutlich.
„Sevada war schlicht der beste Spieler“, erklärte Mardle. „Aber wenn du wirklich besser werden willst, musst du regelmäßig gegen die besten Spieler antreten.“
Als Beispiele nennt er mehrere bekannte Namen. „Damon Heta, Simon Whitlock und John Part mussten alle ins Vereinigte Königreich gehen, um den nächsten Schritt zu machen. Das ist keine Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit, wenn du zur Weltspitze gehören willst.“
Genau darin sieht Mardle die größte Herausforderung für Spieler aus den USA und Kanada. „Du kannst nicht zwischen den Kontinenten pendeln und glauben, dass du dadurch automatisch besser wirst. Du musst dir eine Tour Card sichern und Woche für Woche auf diesem Circuit spielen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Nicht jeder möchte Vollzeitprofi werden. Manche wollen es einfach nur ausprobieren.“
„Das weltweite Wachstum braucht Geduld“
Die PDC investiert zunehmend in die internationale Expansion des Sports – unter anderem durch Kooperationen mit Sendern wie ESPN. Für Mardle ist das ein wichtiger Schritt, zugleich mahnt er jedoch zur Geduld.
„Wenn du ein oder zwei Prozent des amerikanischen Sportmarktes für Darts gewinnen kannst, dann ist das bereits riesig“, sagte er. „Aber so etwas braucht Zeit. Sehr viel Zeit.“
Dabei verweist er auf die Entwicklung im Vereinigten Königreich. „Als Darts 1994 auf Sky Sports kam, ist der Sport nicht sofort explodiert. Erst mit der Premier League um das Jahr 2005 herum kam der große Boom. Das waren zehn Jahre Entwicklung. Warum sollte das heute plötzlich schneller gehen?“
Zwar könnten soziale Medien diesen Prozess beschleunigen, Wunder seien jedoch nicht zu erwarten. „Vielleicht geht es heute etwas schneller. Aber das wird keine Erfolgsgeschichte über Nacht. Wenn Darts in den USA wirklich Fuß fasst, sprechen wir über etwas enorm Großes.“
Der Konkurrenzkampf auf der Tour wird immer härter
Ein weiteres Thema war die zunehmende Leistungsdichte auf der PDC Tour und der dadurch steigende Druck auf die Profis.
„Früher kamen Spieler einfach vorbei und spielten mit“, erinnerte sich Mardle. „Heute ist das völlig anders. Jeder Spieler mit einer Tour Card kann Turniere gewinnen. Es gibt keine leichten Matches mehr.“
Das habe erhebliche Auswirkungen auf etablierte Profis wie Dave Chisnall,
Peter Wright oder Michael Smith. „Wenn du nur ein kleines bisschen außer Form bist, verlierst du sofort. Verpasst du dann noch wichtige Turniere wie das World Matchplay oder den World Grand Prix, gerätst du direkt ins Hintertreffen. Die Lücke bei Punkten und Preisgeld wird dann immer größer.“
Mardle kennt diese Situation aus eigener Erfahrung. „Ich habe das selbst erlebt. Wenn dein Selbstvertrauen verschwindet, beginnst du zu denken: Jeder wünscht sich mich als Gegner in der Auslosung. Das frisst sich in deinen Kopf. Du spielst verkrampft und verlierst plötzlich Spiele, die du normalerweise nie verlieren würdest.“
„Der Absturz ist schwer aufzuhalten“
Nach Ansicht des ehemaligen Profis ist es enorm schwierig, eine Negativspirale zu stoppen, sobald sie einmal begonnen hat.
„Einen Ausrutscher kannst du noch korrigieren. Aber wenn zwei oder drei große Enttäuschungen hintereinander kommen, wird es richtig schwierig. Du gerätst ins Hintertreffen – und von dort wird es immer schwerer.“
Vor allem der mentale Aspekt werde im Darts häufig unterschätzt. „Es geht nicht nur um spielerische Qualität, sondern vor allem um Selbstvertrauen. Wenn das fehlt, spielst du nicht mehr befreit.“
Auch die Situation von Legenden wie Peter Wright und
Raymond van Barneveld sprach Mardle offen an. Beide haben derzeit Schwierigkeiten, ihr früheres Spitzenniveau regelmäßig abzurufen.
„Sie sind Legenden dieses Sports, daran gibt es überhaupt keinen Zweifel“, sagte er. „Aber es gibt eine schmale Grenze zwischen dem Weitermachen und der Frage, welchen Einfluss das auf das eigene Vermächtnis hat.“
Dabei bleibt er respektvoll. „Ich möchte mich an sie so erinnern, wie sie auf ihrem Höhepunkt waren. Nicht als Spieler, die darum kämpfen müssen, sich überhaupt noch für Turniere zu qualifizieren.“
Dennoch könne er ihre Beweggründe nachvollziehen. „Solange es dir noch Spaß macht, ist das das Wichtigste. Aber es ist schwierig, wenn du nicht mehr konkurrenzfähig bist. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist.“
Mardle sieht van Gerwen weiter auf Topniveau
Optimistischer fällt seine Einschätzung zu
Michael van Gerwen aus. Für Mardle besitzt der Niederländer nach wie vor das Niveau, um jeden Spieler der Welt zu schlagen – auch wenn diese Bestform nicht mehr konstant abrufbar sei.
„Sein absolutes Topniveau ist nicht jede Woche da. Aber wenn er sein A-Game spielt, kann er noch immer jeden schlagen.“
Van Gerwens Spiel steht und fällt laut Mardle mit seinen Finishes: „Seine Doppel – insbesondere diese 72er- und 64er-Finishes – sind inzwischen entscheidend geworden. Wenn er diese Checkouts landet, geht es ihm gut. Wenn diese Würfe nicht sitzen, gewinnt er nicht.“
„Luke Littler verändert die neue Generation“
Natürlich kam auch Luke Littler zur Sprache. Mardle erkennt beim Weltmeister eine neue Herangehensweise, die sinnbildlich für die jüngere Generation steht.
„Er denkt sehr bewusst über seine Planung und Belastung nach. Er sucht sich seine Turniere gezielt aus. Das ist klug. Im Herbst wird er ein großes Ziel haben – den Gewinn der Europameisterschaft. Das ist der einzige Major-Titel, der ihm noch fehlt.“
Dadurch verändere sich auch die Bedeutung der Pro Tour. „Für die absolute Spitze ist sie nicht mehr ganz so wichtig. Für alle anderen Spieler bleibt sie aber entscheidend, weil sie sich darüber für die Major-Turniere qualifizieren.“
Besonders deutlich wurde Mardle bei seiner Einschätzung möglicher Veränderungen innerhalb der PDC. Er ist überzeugt, dass der Verband sein Produkt langfristig schützen werde.
„Du musst dein Produkt schützen. Und dieses Produkt ist die Elite.“
Noch klarer formulierte er seine Sicht auf die Premier League. „Die Premier League ist nicht für die Nummer 70 der Welt gedacht. Sie ist für die besten Spieler. Und ganz ehrlich: Die Zuschauer wollen Luke Littler und Michael van Gerwen sehen – nicht die Nummer 109 gegen die Nummer 107.“
Für Mardle ist deshalb klar, dass die PDC bei Bedarf Anpassungen vornehmen wird. „Barry Hearn und Matt Porter sind kluge Leute. Wenn Veränderungen notwendig werden, werden sie die Regeln anpassen. Früher oder später wird das passieren.“
Zum Abschluss betonte Mardle erneut, welches Potenzial er im internationalen Wachstum des Dartsports sieht – gerade mit Blick auf die USA.
„Das kann einer der größten Schritte sein, die der Dartsport jemals gemacht hat“, sagte er über die Expansion auf dem amerikanischen Markt. „Aber das funktioniert nur Schritt für Schritt. Genauso war es damals auch in England.“