Die mögliche Kollision zwischen der Fußball- und der Dartswelt sorgt im Vorfeld des World Matchplay für Aufsehen. Sollte die englische Fußballnationalmannschaft am Mittwochabend das WM-Endspiel erreichen, droht der Spielplan des prestigeträchtigen Dartturniers in Blackpool angepasst zu werden. Eine Entscheidung, die bei Ex-Profi Vincent van der Voort für viel Verwunderung sorgt.
Das World Matchplay gilt jährlich als eines der größten Ereignisse im Darts-Kalender. Die besten Spieler der Welt reisen nach Blackpool, um eine der prestigeträchtigsten Trophäen der Sportart zu gewinnen. Dennoch droht die Auftaktphase des Turniers in diesem Jahr vollständig von den Leistungen der englischen Fußballer beeinflusst zu werden.
Durch ein mögliches WM-Finale für England am Sonntag, dem 19.07., müssten Partien am ersten Wochenende des World Matchplay verlegt werden. Dadurch würden viele Teilnehmer erst kurz vor ihrem ersten Match erfahren, wann sie genau antreten. Unter anderem Michael van Gerwen und zahlreiche weitere Topspieler wären damit vom Ausgang eines Fußballspiels abhängig.
Ex-Profi Vincent van der Voort kann das nur schwer nachvollziehen. Im Podcast Darts Draait Door äußert der ehemalige Spieler seine Verwunderung über das Vorgehen. „Ihr richtet euch komplett nach dem Fußball. Das stellt wieder alles auf den Kopf. Es ist echt … ja …“, so Van der Voort, der findet, dass Darts als Sport selbstbewusster auftreten muss.
Nach Ansicht des früheren Profis ist es befremdlich, dass sich ein großes Dartturnier von einer anderen Sportart beeinflussen lässt. „Ich finde, als Sport darfst du dich nicht nach einer anderen Sportart richten“, stellt er klar. Aus seiner Sicht sendet eine solche Entscheidung ein falsches Signal über die Stellung des Darts.
Einfluss des TV-Senders
Van der Voort vermutet, dass die mögliche Änderung nicht nur von der Darts-Organisation selbst ausgeht, sondern auch die Interessen des britischen TV-Markts eine große Rolle spielen. Die Übertragungsrechte am World Matchplay liegen bei Sky Sports, einem wichtigen Akteur in der britischen Sportlandschaft.
„Die zahlen unfassbar viel Geld, um Darts zu übertragen. Vielleicht wollen sie erzwingen, dass es anders laufen muss, weil sie Angst haben, dass sich sonst kein Hund das World Matchplay anschaut“, sagt Van der Voort.
Ihm zufolge ist es verständlich, dass ein TV-Sender auf Quoten achtet, doch dürfe das nicht bedeuten, dass ein Sportereignis komplett einer anderen Disziplin weichen muss. Gerade ein Turnier mit dem Status des World Matchplay sollte seiner Meinung nach eine eigene Position einnehmen.
„Darts macht sich selbst kleiner“
Van der Voort sorgt sich vor allem um die Außenwirkung. Seiner Ansicht nach läuft Darts Gefahr, sich selbst zu entwerten, wenn ständig Rücksicht auf andere Sportarten genommen wird.
„Dann musst du dich wieder fügen. Ich glaube nicht, dass es viele Sportarten gibt, die das machen. Daran sieht man, dass der Sport noch sehr englisch geprägt ist, denn der Blick richtet sich ausschließlich auf England“, sagt er.
Zudem stellt er die internationale Ausstrahlung der Entscheidung infrage. Das World Matchplay hat schließlich ein großes internationales Teilnehmerfeld mit Spielern aus verschiedenen Ländern. Laut Van der Voort werde dieser internationalen Gruppe nicht ausreichend Rechnung getragen.
„Wenn die Niederlande im Finale gestanden hätten, würde man auch keine Rücksicht auf die niederländischen Spieler nehmen. Das wäre ihnen völlig egal. Es geht nur um England. Und damit machst du deinen Sport so klein“, so der Ex-Darter.
Vincent van der Voort war selbst jahrelang Profidarter
Kritik an Folgen für Fans
Nicht nur die Spieler könnten laut Van der Voort die Folgen einer späten Änderung zu spüren bekommen. Auch Fans, die Karten für das World Matchplay gekauft haben, könnten dadurch in Schwierigkeiten geraten.
Anhänger planen häufig Monate im Voraus, um ein großes Darts-Event zu besuchen. Eine Verschiebung der Spieltage kann bedeuten, dass Menschen Reise, Unterkunft oder andere Termine anpassen müssen. Besonders ausländische Besucher wären davon betroffen.
Van der Voort vergleicht die Situation mit anderen großen Sportarten und fragt sich, ob etwa Wimbledon jemals wegen eines Fußballspiels verschieben würde. Seiner Meinung nach zeigt das, dass Darts in Professionalität und Außenwirkung noch zulegen muss. „Das ist nicht gut. Auch, dass sie es erst so spät kommunizieren“, schließt Van der Voort kritisch.
Die Debatte rund um das World Matchplay verweist damit auf eine größere Fragestellung innerhalb der Dartswelt: Wie geht der Sport mit der Konkurrenz anderer großer Ereignisse um, und wie viel Raum darf es für kommerzielle Interessen geben? Für Van der Voort ist klar: Darts sollte mehr Vertrauen in die eigene Stärke haben und nicht automatisch dem Fußball den Vortritt lassen.
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.