„Ein wertloses Match“: Michael van Gerwen trotz Sieg schonungslos selbstkritisch

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 24 Mai 2026 um 11:00
Michael van Gerwen
Michael van Gerwen hat den Finaltag der International Darts Open erreicht, zufrieden war der 37-jährige Niederländer nach seinem Auftritt aber keineswegs. Trotz des 6:5-Sieges gegen Madars Razma sprach van Gerwen im Anschluss offen über seine Leistung.
„Ja, natürlich bin ich heute gut davongekommen“, gab van Gerwen nach dem Zweitrundenmatch im Bühneninterview zu. „Aber ich habe es mir vor allem selbst extrem schwer gemacht, besonders zu Beginn des Matches.“

Schwieriger Start prägt frustrierende Partie

Van Gerwen erwischte einen schwachen Start und lag schnell mit 0:3 zurück, obwohl auch Razma nur bei einem Average um die 80 Punkte lag. Für den Niederländer war das eine seltene Situation: Normalerweise bestraft er es konsequent, wenn ein Gegner nicht sein bestes Niveau erreicht.
Michael van Gerwen erreicht bei den International Darts Open in Riesa den Finaltag, ist mit seiner Leistung aber alles andere als zufrieden
Michael van Gerwen erreicht bei den International Darts Open in Riesa den Finaltag, ist mit seiner Leistung aber alles andere als zufrieden
Die Ursache suchte van Gerwen ausschließlich bei sich selbst. „Ich bekam so viele Chancen, aber es fühlte sich heute einfach nicht gut an“, sagte er. „Vielleicht war meine Konzentration nicht hundert Prozent. Dann kannst du nur dir selbst die Schuld geben, niemandem sonst.“
Weil beiden Spielern viele Fehler unterliefen, entwickelte sich nie ein wirklich hochwertiges Match. Die Partie blieb zerfahren, der Rhythmus fehlte fast durchgehend.
Van Gerwen fand dafür klare Worte. „Seien wir ehrlich: Das war im Grunde einfach ein wertloses Match“, sagte er. „Wir können eine lange Geschichte daraus machen, aber ich habe gewonnen und morgen muss es einfach besser werden.“

Kein Rhythmus auf der Bühne

Auch der Spielstil seines Gegners machte es van Gerwen nach eigener Aussage nicht leichter. Ohne Razma direkt anzugreifen, erklärte er, dass er kaum in seinen gewohnten Spielfluss fand. „Bei allem Respekt: Er ist nicht der angenehmste Spieler, gegen den man spielen kann“, sagte van Gerwen. „Du bekommst überhaupt keinen Rhythmus, erst recht nicht, wenn du ohnehin hart arbeiten musst, um in dein Spiel zu kommen.“
Für van Gerwen, der normalerweise über Tempo, Druck und Dominanz kommt, ist Rhythmus ein entscheidender Faktor. Wenn ein Match zäh verläuft, leidet auch sein Timing.
„Trotzdem musst du weiterkämpfen“, sagte er. „Und am Ende habe ich gewonnen. Wie man gewinnt, spielt dann eigentlich keine Rolle.“ Kurz darauf schob er mit einem Lächeln nach: „Natürlich spielt es irgendwo schon eine Rolle, wie man gewinnt, aber am Ende ist Gewinnen das Wichtigste.“

Schwankungen bleiben ein Thema

Van Gerwens Auftritt warf erneut Fragen nach der Konstanz in seinem Spiel auf. Erst vor Kurzem hatte er auf der Pro Tour seinen 160. PDC-Titel gewonnen und dabei gegen Martin Schindler mit einem Average von 122 geglänzt. In anderen Partien wirkt sein Spiel jedoch deutlich weniger stabil.
Van Gerwen selbst sieht darin keinen Grund zur Panik. „Vielleicht ist diese Wankelmütigkeit tatsächlich da“, sagte er. „Aber das ist jetzt Vergangenheit. Man muss nach vorn schauen.“
Das Problem an diesem Tag sah er vor allem in der fehlenden Fokussierung. „Ich war schlicht nicht konzentriert genug“, erklärte er. „Warum genau, weiß ich nicht. Man hat einfach solche Tage.“

Straffer Kalender fordert seinen Tribut

Als mögliche Erklärung verwies Van Gerwen auch auf den vollen Turnierkalender. Die Topspieler reisen nahezu ununterbrochen von Event zu Event, Zeit zur vollständigen Erholung bleibt kaum. „Es ist ein unglaublich voller Spielplan“, sagte er. „Du versuchst immer, zu hundert Prozent bereit zu sein für ein Match. Du bereitest dich gut vor, aber manchmal passieren solche Dinge einfach.“
Trotz der schwachen Leistung blieb Van Gerwen bemerkenswert gelassen. Statt lange mit dem Auftritt zu hadern, richtete er den Blick sofort auf die nächste Runde.
„Das Wichtigste ist, dass ich gewonnen habe“, betonte er mehrfach. „Das ist am Ende das Einzige, was zählt. Das ist die beste Medizin.“

Publikum steht weiter hinter Van Gerwen

Trotz seiner deutlichen Selbstkritik fand Van Gerwen lobende Worte für die Fans in Riesa. Das deutsche Publikum sorgte erneut für eine starke Atmosphäre und unterstützte den Niederländer auch in den schwierigen Phasen des Matches.
„Ich fand das Publikum heute fantastisch“, sagte Van Gerwen. „Dafür möchte ich ihnen wirklich danken.“
Diese Unterstützung kann Van Gerwen am Finaltag gut gebrauchen. Denn auch ihm ist klar: Wenn er in Riesa um den Titel mitspielen will, muss eine deutliche Steigerung her. „Das muss morgen besser werden, sonst hast du schlicht keine Chance“, sagte er unmissverständlich.
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