„Ich finde das komplett unsinnig“ – William O'Connor kritisiert Format und Bevorzugung der gesetzten Nationen beim World Cup of Darts

PDC
Freitag, 12 Juni 2026 um 12:45
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Die irische Mannschaft ist glänzend in den World Cup of Darts gestartet. Mickey Mansell und William O'Connor feierten ihren ersten Sieg in der Gruppenphase und machten damit einen wichtigen Schritt in Richtung K.-o.-Runde. Dennoch drehte sich es anschließend nicht nur um den Erfolg. Vor allem die besondere Situation rund um Mansell, der in diesem Jahr erstmals für Irland antritt, nachdem er jahrelang Nordirland vertreten hatte, war ein zentrales Gesprächsthema.
Für sowohl Mansell als auch O'Connor war der Sieg vor allem eine Bestätigung dessen, was sie selbst schon lange wissen: Auch wenn dies ihr erstes offizielles gemeinsames Auftreten beim World Cup of Darts ist, sind sie alles andere als ein neues Team.

Sieg ist das Einzige, was zählt

Nach dem Erfolg wirkten beide Spieler sichtbar entspannt. Der erste Auftrag des Turniers war erfüllt, was Ruhe für das entscheidende Gruppenspiel gab. „Das Gefühl ist simpel: gewinnen“, sagte O'Connor mit einem Lächeln. „In einer Dreiergruppe dreht sich alles um diesen ersten Sieg. Das hat absolute Priorität. Wir haben in der Vergangenheit auch erlebt, wie es ist, auf der falschen Seite der Gruppenphase zu stehen. Deshalb zählt nur eines: gewinnen.“
Auch Mansell unterstrich die Bedeutung des Auftaktmatches. „Wir wissen, wie wichtig diese erste Partie ist. Jetzt haben wir einen Vorteil für das nächste Spiel. Wir haben bereits gespielt, wissen, wie sich die Bühne anfühlt, und können ruhig auf das Duell mit Gibraltar hinarbeiten.“

Seit fünfzehn Jahren gemeinsam unterwegs

Obwohl Mansell und O'Connor beim World Cup erstmals gemeinsam das irische Trikot tragen, kennen sich die beiden in- und auswendig. Laut Mansell gibt es sogar kein anderes Duo beim Turnier, das schon so lange zusammen unterwegs ist wie sie. „Wir reisen seit fünfzehn Jahren gemeinsam über die Tour“, erklärte Mansell. „Wir wohnen in denselben Hotels, essen am selben Tisch und haben alle Höhen und Tiefen der Karriere des jeweils anderen miterlebt.“
Daher müsse an der Abstimmung kaum gearbeitet werden, so Mansell. „Für die Außenwelt mag das wie ein neues Team wirken, für uns fühlt es sich wie ein gewöhnliches Wochenende auf der ProTour oder Euro Tour an. Wir wissen genau, wie der andere denkt, wie er sich vorbereitet und wie er unter Druck reagiert.“
O'Connor stimmte dem voll zu. „Wir sind schon sehr lange Freunde. Das ist vielleicht auf dem Papier eine neue Kombination, aber sicher nicht in der Realität.“

Eine besondere Entscheidung für Mansell

Die größte Aufmerksamkeit galt jedoch Mickey Mansell. Der erfahrene Dartspieler vertrat jahrelang Nordirland bei internationalen Turnieren, erhielt aber in diesem Jahr von der PDC die Möglichkeit, für Irland anzutreten.
Eine Entscheidung, über die laut Mansell von anderen viel mehr gesprochen wurde als von ihm selbst. „Ich bin Ire“, stellte er resolut klar. „Ich habe seit über dreißig Jahren einen irischen Pass. Für mich fühlte sich das völlig natürlich an.“
Die Änderung resultierte aus einer Anpassung der Regeln, wonach Spieler aus Nordirland fortan selbst wählen dürfen, welches Land sie beim World Cup of Darts vertreten. „Die PDC hat Spielern aus Irland und Nordirland die Möglichkeit gegeben, selbst eine Wahl zu treffen. Das sieht man auch in anderen Sportarten wie Fußball und Boxen. Warum sollte ich diese Chance ablehnen?“
Mickey Mansell und William O'Connor fallen einander jubelnd in die Arme
Mickey Mansell und William O'Connor gewannen ihr Auftaktspiel beim World Cup of Darts 2026

Vom Unterstützer zum Spieler

Für Mansell bekam die Geschichte durch eine besondere Erinnerung aus der Vergangenheit eine zusätzliche emotionale Note. „1994 war ich bei den ersten drei Spielen Irlands bei der Fußball-WM in den Vereinigten Staaten dabei. Ich habe sogar noch ein Foto mit Roy Keane aus einem Hotel in Florida.“
Dass der World Cup of Darts nun ebenfalls in den Vereinigten Staaten ausgetragen wird, schließt für ihn den Kreis. „Es fühlt sich fast surreal an. Damals stand ich als Unterstützer auf der Tribüne für Irland und jetzt vertrete ich mein Land selbst bei einer Weltmeisterschaft.“
Obwohl die Ankündigung erst viel später öffentlich wurde, wusste Mansell seit Monaten, dass ein Wechsel möglich war. „Ich glaube, es war irgendwann im März, als die Frage zum ersten Mal gestellt wurde. Ob ich Interesse hätte, Irland zu vertreten, falls sich diese Möglichkeit ergeben sollte.“
Seine Antwort kam umgehend. „Darüber musste ich nicht nachdenken. Es war sofort ein Ja. Warum sollte ich diese Chance ausschlagen?“
Laut Mansell hat die Diskussion um seine Entscheidung mitunter ein falsches Bild erzeugt. „Es geht nicht um Etiketten oder politische Positionen. Es geht schlicht um eine Wahl, die die PDC für Spieler wie mich ermöglicht hat.“

Respektvoller Umgang in Richtung Keane Barry

Der Wechsel bedeutete allerdings, dass Steve Lennon und William O'Connor fortan einen anderen Partner bekommen würden. Vor allem für Ex-Teamkollege Keane Barry war die Nachricht eine Enttäuschung.
Mansell entschied sich daher lange vor der offiziellen Bekanntgabe zum persönlichen Kontakt. „Als ich wusste, dass ich ernsthaft in Frage komme, war William die erste Person, mit der ich sprach. Ich wollte wissen, ob er es sich vorstellen kann, gemeinsam zu spielen. Hätte er Nein gesagt, wäre die Geschichte sofort beendet gewesen.“
Als klar wurde, dass die Qualifikation so gut wie sicher war, folgte ein Telefonat mit Barry. „Ich fand, er sollte es von mir erfahren. Ich habe ihm erklärt, warum ich diese Chance ergreifen wollte. Natürlich war er enttäuscht, und das verstehe ich vollkommen.“
Trotz seiner eigenen Nominierung wollte Mansell vor allem betonen, wie viel Vertrauen er in Barry hat. „Keane ist die Zukunft des irischen Darts. Schaut euch an, was er bereits auf der Development Tour erreicht hat. Seine Ergebnisse sprechen für sich.“
Laut Mansell ändert seine eigene Teilnahme daran nichts. „Diese Chance kam zu einem Zeitpunkt in meiner Karriere, an dem ich nicht mehr erwartet hatte, dass so etwas passiert. Für Keane liegt die Zukunft noch völlig offen. Er hat alles, um jahrelang eines der Gesichter des irischen Darts zu werden.“

O'Connor kritisch zum Format des World Cup

Neben dem Sieg und Mansells Geschichte äußerte sich O'Connor auch auffallend kritisch über das aktuelle Format des World Cup of Darts. Der Ire versteht nicht, warum die höchstplatzierten Nationen automatisch von der Gruppenphase freigestellt sind. „Wenn es eine Weltmeisterschaft ist, müssen alle in derselben Runde starten. England, Schottland, Irland, Nordirland, das spielt keine Rolle.“
Nach Ansicht von O'Connor sorgt das aktuelle System für einen unfairen Vorteil. „Wir stehen hier unter enormem Druck in Partien über nur vier gewonnene Legs. In so einem kurzen Format kann wirklich alles passieren. Du kannst zwei Jungs aus der Kneipe holen, und die können einfach mal ein Spiel gewinnen.“
Sein Urteil über die geschützte Route für die höchstplatzierten Nationen war glasklar. „Es ist die World Cup oder nicht. Ich bin damit überhaupt nicht einverstanden. Ich finde das komplett unsinnig. In keiner anderen Sportart sieht man so etwas. Meiner Meinung nach gehört das auch im Darts nicht hin.“

Zuversicht vor dem entscheidenden Gruppenspiel

Trotz der Debatte über das Format waren sich beide Spieler in einem Punkt völlig einig: Der Sieg am Eröffnungstag war von unschätzbarem Wert. Mansell wies dabei auf einen wichtigen Vorteil des Spielplans hin. „In einer Dreiergruppe hat das Team, das am Freitag gewinnt, einen enormen Vorsprung. Die anderen Nationen müssen möglicherweise zwei Partien an einem Tag bestreiten. Das fordert viel von den Spielern, sowohl körperlich als auch mental.“
Der Erfolg sorgt zudem dafür, dass das irische Duo mit Vertrauen in das nächste Spiel gehen kann. „Wir wollten heute gewinnen, um uns etwas Luft zu verschaffen“, so Mansell. „Das ist gelungen. Was tagsüber passiert, ist jetzt nicht mehr so wichtig. Wir werden morgen bereit sein.“
Mit fünfzehn Jahren Freundschaft, einer beeindruckenden Verbindung untereinander und einem wichtigen Auftaktsieg scheint Irland jedenfalls hervorragend positioniert, um die nächste Runde zu erreichen. Und für Mickey Mansell ist das Turnier schon jetzt etwas Besonderes: Nach Jahren auf höchstem Niveau bekam er doch noch die Chance, das Trikot zu tragen, das er immer als sein eigenes betrachtet hat.
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