„Er gehört jetzt in eine Reihe mit van Gerwen und van Barneveld“ – Experten schwärmen von Gian van Veens historischem WM-Abend

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 03 Januar 2026 um 13:30
Gian van Veen
In der neuesten Folge des Darts Draait Door Podcasts blickten Vincent van der Voort und Damien Vlottes auf einen besonderen Abend im Alexandra Palace zurück. Gian van Veen schrieb Geschichte, als er erstmals in seiner Karriere das Finale der PDC Darts WM erreichte und damit ein neues Kapitel im niederländischen Darts aufschlug.
Vor allem sein Halbfinalsieg gegen Gary Anderson hinterließ Eindruck. Van der Voort zeigte sich begeistert – nicht nur vom Niveau, sondern vor allem von der Art und Weise, wie Van Veen dieses Match gestaltete. „Ich fand es wirklich ein großartiges Match“, sagte er. „Wie Gian dieses Spiel von Anfang bis Ende gespielt hat: wirklich superstark. Und auch völlig verdient gewonnen.“

In einem Atemzug mit van Gerwen und van Barneveld

Damien Vlottes ordnete die Leistung sofort historisch ein. Van Veen ist erst der dritte Niederländer, der ein WM-Finale in der PDC-Ära erreicht – nach Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld. „Er gehört jetzt einfach in die Reihe mit van Gerwen und van Barneveld“, stellte Vlottes klar.
Van der Voort stimmte uneingeschränkt zu. „Ja, auf jeden Fall. Das ist so eine große Leistung. Und er ist noch so jung, da kommt noch so viel. Für diese Leistung fehlen einem die Worte.“
Dass dieser Schritt so schnell kommen würde, überraschte selbst die Experten. „Wenn ich ganz ehrlich bin, wusste ich nicht, dass das schon so schnell drin war“, gab Vlottes zu. Van der Voort ergänzte sofort: „Nein, nein, nein. Aber das hat wirklich niemand kommen sehen.“
Van der Voort erinnerte auch an die schwierigeren Phasen in Van Veens Karriere, unter anderem an seine Probleme mit Dartitis. Umso auffälliger sei nun seine Reife und Kontrolle auf der Bühne. Für ihn unterscheidet sich van Veen auch klar von anderen Youngsters. Er brach nicht als jahrelang gehyptes Megatalent durch, das früh zum kommenden Weltmeister erklärt wurde.
„Es ist auch nicht das Megatalent, das da durchkommt oder so, das war er nie“, sagte van der Voort. „Aber er hat sich so weiterentwickelt.“ Diese Entwicklung zeige sich nicht nur am Wurfstil, sondern auch in seiner Professionalität. „Er ist auch sehr professionell. Und wie er mit den Medien umgeht und was er sagt, da wirkt er wirklich sehr erwachsen.“
Vlottes griff diesen Punkt auf und verwies auf van Veens Aussagen über Michael van Gerwen in einer Pressekonferenz. Auch hier fand van der Voort klare Worte. „Er hat eigentlich all die richtigen Dinge gesagt. So kennen wir ihn auch: egal ob er vor die englische Presse tritt, die niederländische Presse, wo auch immer er ist.“
Besonders auffällig sei dabei die Natürlichkeit. „Er wirkt sehr natürlich. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass er schauspielt. Er ist eigentlich sehr entspannt bei all dem. Obwohl auch sehr viel auf ihn einprasselt. Und das ist bewundernswert.“

Van Veen blieb trotz feindseligem Publikum standhaft

Im Halbfinale gegen Gary Anderson musste van Veen nicht nur gegen einen Weltklassespieler bestehen, sondern auch gegen ein zunehmend feindseliges Publikum. Je deutlicher er sich absetzte, desto stärker mischten sich die Ränge ein. „Im Verlauf des Spiels, als er weit vorne lag, mischte sich das Publikum ein“, erklärte van der Voort.
Der kritische Moment kam, als Anderson noch einmal zurückschlug. „Da kam er auch einfach auf 4:3 heran.“ Van Veen selbst räumte später ein, dass ihn das kurzzeitig verunsichert habe. „Er sagte im Interview auch: Ich hatte ein bisschen Angst, dass ich das Spiel deshalb verlieren würde“, so van der Voort. „Zum Glück ist das nicht passiert und er hat Anderson seiner Leistung entsprechend geschlagen.“
Dieses „auf Wert schlagen“ zeigte sich vor allem mental. Vlottes verwies auf Situationen, in denen van Veen Rückschläge einstecken musste – etwa durch vergebene Setdarts – ohne daran zu zerbrechen. Van der Voort brachte es auf den Punkt: „Im nächsten Leg stand er wieder da. Als hätte es ihn nicht getroffen.“
Natürlich spiele auch Form eine Rolle, räumte er ein. „Das ist mir alles klar. Aber es ist auch Klasse. Wenn du das kannst, dann bist du ein Großer.“ Van der Voort erinnerte an viele Spieler in der Geschichte des Sports, die ein starkes Turnier spielten, aber bei solchen Momenten einbrachen. „Und davon hatte er einfach nichts.“
Für van der Voort agierte van Veen wie ein erfahrener Profi. „Er ging damit um wie jemand, der das eigentlich seit Jahren macht. Der genau weiß, was er tun muss, um es wieder zu drehen.“
Auffällig sei auch gewesen, wie wenig man ihm den Druck ansah. „Er bleibt einfach so entspannt. Das ist auch so besonders. Eigentlich sah man erst im Anschluss, wie viel Druck drauflag. Im Match selbst sah man das so gut wie gar nicht.“
Woher diese Ruhe kommt, erklärt sich van der Voort mit dem gewachsenen Selbstvertrauen. „Ich glaube, dass ihm die EM so viel Selbstvertrauen gegeben hat. Dass er weiß, dass er jeden schlagen kann.“
Hinzu komme ein Match, das als mentaler Beschleuniger wirkte: der klare Sieg über Luke Humphries. „Wenn du die Nummer zwei der Welt einfach 5:1 schlägst … und auch mental in allem besser bist als er: Das gibt natürlich ein gutes Gefühl.“

Details, die das Halbfinale entschieden

Das Niveau im Spiel gegen Anderson war phasenweise extrem hoch, viele Legs waren in kürzester Zeit entschieden. Van der Voort erinnerte an einen Satz, in dem beide Spieler am absoluten Limit agierten. „Da gingen einfach vier Legs innerhalb von zwölf Darts über die Bühne.“
Trotzdem gewann Anderson selbst in starken Phasen nur zwei Sätze. „Das zeigt also, wie gut Gian war. In den wichtigen Momenten.“
Der Unterschied lag für van der Voort auch in einem typischen Merkmal großer Champions: den entscheidenden Legs. „Jedes Mal, wenn ein fünftes Leg gespielt wird, wirft er ein starkes Leg. Er beginnt auch einfach sehr oft mit 180. Ja, das ist auch bizarr. Das bedeutet, dass du mental richtig drin bist.“
Auch Gary Andersons Auftreten hob er hervor. „Man sah auch bei Anderson: Er wurde nicht irritiert oder sonst etwas. Er hat einfach alles getan, um zu gewinnen. Und er ist einfach an jemanden geraten, der gerade einen Tick besser war.“

Was sagt das über das Finale aus?

Sollte van Veen dieses Niveau erneut erreichen, trauen ihm die Experten auch im Finale einiges zu. Van der Voort wagte vorab eine Einschätzung: „Ich denke, dass es im Voraus 60:40 zugunsten von Littler steht.“
Chancenlos sei van Veen jedoch keineswegs. „Ich denke auch nicht, dass er sehr weit davon entfernt ist“, betonte van der Voort. Entscheidend sei, ob er seine Leistung wieder abrufen könne. „Kann er wieder das abrufen, was er heute getan hat? Ja, dann wird es auch für Littler einfach sehr schwierig.“
Vlottes stellte abschließend die Frage, ob van Veen näher an Luke Littler dran sei als Michael van Gerwen im Finale des Vorjahres. Van der Voort antwortete ohne Zögern: „Ja, auf jeden Fall.“ Seine Begründung: Van Veen spiele freier und vor allem konstanter auf hohem Niveau. „All seine Averages liegen über hundert und im Scoring ist er stark. Er ist einfach näher dran als van Gerwen im vergangenen Jahr.“
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