„Heute spielst du nicht gut – also sorg einfach dafür, dass du gewinnst“ – Dirk van Duijvenbode ehrlich nach Sieg bei der European Darts Trophy

PDC
durch Nic Gayer
Samstag, 14 März 2026 um 9:00
Dirk van Duijvenbode (4)
Dirk van Duijvenbode hat sich mit einem klaren 6:2-Sieg gegen Mario Vandenbogaerde für die nächste Runde der European Darts Trophy 2026 qualifiziert. Wer jedoch nur auf das Ergebnis schaut, könnte denken, der Niederländer habe einen überzeugenden Auftritt hingelegt. Die Zahlen – und auch van Duijvenbode selbst – verraten jedoch eine andere Realität.
Nach seinem Erfolg in der Auftaktrunde zeigte sich der Niederländer im Bühnen-Interview ungewöhnlich offen. Das Resultat stimmte ihn zufrieden, mit seinem eigenen Niveau war er jedoch deutlich weniger glücklich. Deshalb stellte er während der Partie bewusst seine Herangehensweise um: Nicht auf Average oder Schönheit achten, sondern ausschließlich auf den Sieg spielen.

„Heute war mein bestes Spiel nicht da“

Van Duijvenbode erklärte, dass er bereits vor dem Match das Gefühl hatte, dass es kein Top-Abend werden würde. Trotz guter Trainingseinheiten in der Vorbereitung merkte er schon beim Einwerfen, dass es nicht so lief wie erhofft.
Dirk van Duijvenbode trifft in der zweiten Runde auf Rob Cross
Dirk van Duijvenbode trifft in der zweiten Runde auf Rob Cross
„Am Ende bin ich natürlich froh über den Sieg“, sagte er anschließend. „Aber mir war eigentlich ziemlich schnell klar, dass ich heute nicht mein bestes Spiel zeigen würde.“
Dieses Gefühl entstand bereits während des Warm-ups. Laut Van Duijvenbode zeigte er im Training zuletzt wieder Phasen, die ihn an seine starke Form aus dem Jahr 2023 erinnerten. Am Spieltag selbst fühlte es sich jedoch anders an.
„Ich habe in letzter Zeit sehr gut trainiert und in manchen Übungsspielen erreichte ich wieder das Niveau, das ich 2023 hatte. Aber heute fühlte es sich sogar im Warm-up nicht gut an.“

Eine andere Mentalität

Genau deshalb musste sich van Duijvenbode während des Matches eine neue Denkweise aneignen. Statt sich mit Statistiken oder der Qualität seines Spiels zu beschäftigen, richtete er seinen Fokus komplett auf das Ergebnis.
„Irgendwann sagte ich mir: Heute spielst du nicht gut, also sorg einfach dafür, dass du gewinnst“, erklärte er. „Mach dir keine Gedanken über deinen Average, wie schnell du ein Leg gewinnst oder wie schön es aussieht. Gewinnen, das ist alles.“
Dieser Ansatz klingt simpel, ist für van Duijvenbode jedoch alles andere als selbstverständlich. Der Niederländer gilt als Perfektionist und stellt extrem hohe Ansprüche an sich selbst. Ein Average unter 100 fühlt sich für ihn häufig bereits wie eine Enttäuschung an.
„Normalerweise kann ich diese Denkweise nicht akzeptieren“, gab er offen zu. „Ich habe solch hohe Standards für mich. Eigentlich bin ich nie wirklich zufrieden, wenn ich keinen Average um die 98 oder höher werfe.“
Während des Spiels merkte van Duijvenbode, wie schwierig es war, diese Haltung konsequent durchzuhalten. Sobald das Adrenalin steigt und man mitten im Match steckt, meldet sich der Perfektionismus schnell zurück. Mehrfach ertappte er sich dabei, wieder frustriert über sein eigenes Spiel zu sein.
„Im Match dachte ich ständig: Das ist so schlecht“, sagte er. „Aber dann musste ich mir wirklich zureden. Ich sagte mir: Nein, nein, nein. Wir sind hier, um zu gewinnen. Wenn wir gewinnen, ist es gut.“
Am Ende zahlte sich dieser mentale Kampf aus. Obwohl er nicht sein bestes Niveau erreichte, behielt van Duijvenbode die Kontrolle über die Partie und brachte das Match ohne größere Probleme über die Ziellinie.

Die Bedeutung eines „hässlichen“ Sieges

Im professionellen Darts gilt eine einfache Wahrheit: Am Ende zählt nur das Ergebnis. Selbst die besten Spieler der Welt erleben Tage, an denen das Niveau deutlich unter dem eigenen Standard bleibt.
„Heute ging es einfach nur darum, dass ich es durchziehe“, erklärte van Duijvenbode. „Und das habe ich getan. Wie, das ist eigentlich egal.“

Blick nach vorn auf die nächste Runde

Mit dem Auftaktsieg im Rücken richtet Van Duijvenbode den Blick nun auf die nächste Runde. Dort wartet ein Duell mit Rob Cross.
Für dieses Match hofft der Niederländer, wieder näher an sein Topniveau heranzukommen. Die Eindrücke aus dem Training geben ihm jedenfalls Vertrauen, dass dies möglich ist.
Seiner Meinung nach steckt das Spiel weiterhin in ihm — es kam an diesem Abend lediglich nicht zum Vorschein. „Das Wichtigste ist, dass ich gewonnen habe“, betonte er. „Morgen kann es schon wieder besser sein.“
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading