„Ich fühle mich demütig und privilegiert, dass ich mit Darts meinen Lebensunterhalt verdienen kann“ – 113 Spiele ungeschlagen, aber Beau Greaves erwartet nichts von ihrem ProTour-Debüt
PDCBeau Greaves bricht weiter Rekorde in der PDC Women’s Series – und tut das mit einer Selbstverständlichkeit, die fast irritiert. Die 22-jährige Engländerin verlängerte am vergangenen Wochenende ihre beispiellose Siegesserie auf 113 Matches ohne Niederlage, sicherte sich den 17. Titel in Folge und gewann erneut alle vier Turniere. Es war ein weiterer Beweis ihrer Dominanz – und zugleich die perfekte Vorbereitung auf ihr mit Spannung erwartetes ProTour-Debüt, das am Montag in Hildesheim startet.
Wer einen Blick in die Ergebnislisten der PDC Women's Series wirft, könnte meinen, Greaves sei mühelos durch das Wochenende marschiert. Doch ihre Erfolgsgeschichte erzählt mehr als nur Averages und Endstände. Sie siegt nicht, weil sie immer glänzt – sie siegt, weil sie auch ohne Glanz stabil bleibt. Und genau diese Fähigkeit hebt sie momentan von allen anderen ab.
Erneut unangreifbar
Am Sonntag ließ Greaves keine Zweifel: Sie ist das Maß aller Dinge im Damendarts. Mit abgeklärten Auftritten und präzisem Timing marschierte sie ins Finale, wo sie ein klinisches 122-Finish auspackte. Es war ein weiterer Rekord in einer Karriere, die sich mit jedem Wochenende weiter in die Geschichtsbücher schreibt.
Greaves gewann am vergangenen Sonntag ihren 17. Women's Series Titel in Folge
Trotzdem blieb Greaves erstaunlich nüchtern. Die historische Dimension ihrer Serie scheint sie kaum zu beschäftigen. „Ich habe eigentlich erst heute Morgen gemerkt, dass ich schon über 100 Spiele ungeschlagen bin“, sagte sie im Gespräch mit Abigail Davies für die PDC. „Als ich es hörte, dachte ich: Das ist ganz nett, um kurz innezuhalten.“
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„Manchmal spiele ich gut, manchmal schlecht“, sagte sie weiter. „Ich gehe jedes Match gleich an: kämpfen, gewinnen, meinen Rhythmus finden. Und meistens klappt es auch.“ Es ist dieser Fokus auf das Wesentliche, der Greaves so konstant stark macht.
Siegen, ohne perfekt zu sein
Ihr Wochenende in Leicester stand sinnbildlich für diesen Ansatz. Zum Auftakt legte sie mit einem überragenden 107er-Average los, doch danach schwankte ihr Niveau etwas. Für Greaves kein Problem. „Am zweiten Tag hatte ich ein kleines Tief“, räumte sie offen ein. „Ich spielte nicht besonders gut, aber solange ich gewinne, ist das egal.“
Für sie besteht der wahre Kampf oft nicht in den Duellen mit den Gegnerinnen, sondern im eigenen Kopf. „Ich versuche, den ganzen Tag konzentriert zu bleiben – das ist schwierig“, sagte sie. „Aber ich kenne diese Turniere auswendig und weiß, wie ich mich durchbeiße.“ Diese mentale Reife prägt ihr Spiel. Sie lässt sich nicht von Fehlwürfen aus der Ruhe bringen, sondern findet Wege, Matches ins Ziel zu bringen.
Andere Spielerinnen schwanken zwischen Glanz und Druck – Greaves dagegen bewahrt ihre Linie. Ob die Triple-19 fällt oder nicht: Sie bleibt fokussiert. Das macht sie zu einer Gegnerin, gegen die selbst ein starkes Match selten reicht.
Finale gegen eine alte Bekannte
Im Finale kam es einmal mehr zum Duell mit Lisa Ashton, der vierfachen Weltmeisterin und langjährigen Fixgröße der Szene. Ashton scherzte anschließend, sie habe „allmählich genug davon, immer gegen Beau zu spielen“ – doch ihr Ton verriet Respekt.
Greaves begegnete ihr mit gleicher Wertschätzung. „Es ist großartig, gegen Lisa zu spielen“, sagte sie. „Ich bin mit ihr aufgewachsen, habe sie im Fernsehen verfolgt. Jetzt selbst solche Finals gegen sie zu bestreiten, bedeutet mir viel.“
Was die Engländerin betont: Die Women’s Series wird immer tiefer, immer breiter. „Viele Frauen stehen kaum im Rampenlicht, bis sie plötzlich gegen dich spielen – und richtig gefährlich werden“, erklärte sie. „Das Niveau steigt, Woche für Woche. Und das ist gut für uns alle.“
Neue Gesichter, neue Energie
Diese Entwicklung zeigt sich deutlich: Spielerinnen wie Jade Gofford sorgen regelmäßig für Überraschungen, Newcomerinnen erreichen Finale und Viertelfinals. Für Greaves ist das ein Zeichen, dass die Women’s Series erwachsen wird. „Ich genieße das gerade total“, sagte sie. „Die Stimmung ist positiv, jede gönnt der anderen etwas. Aber sobald die Darts fliegen, will jede gewinnen – und so muss es sein.“
Selbst die humorvolle Ansage von Fallon Sherrock, dass Greaves’ Siegesserie irgendwann reißen wird, nimmt die 22-Jährige locker. „Natürlich werde ich irgendwann verlieren“, sagte sie mit einem Lächeln. „Das gehört dazu. Für den Moment reite ich einfach den Sturm und genieße es.“
Diese Leichtigkeit wirkt ansteckend. Während viele Spitzenspieler in Rekordphasen verkrampfen, bleibt Greaves im Flow. Sie weiß, dass ihr Erfolg kein Zufall ist – aber auch, dass er nicht ewig dauern wird.
Von der Dominanz zur neuen Realität
Nach diesem dominantem Wochenende richtet sich der Blick nun auf die nächste Etappe: die Players Championships in Hildesheim. Zum ersten Mal tritt Beau Greaves dort als vollwertige Tour-Card-Inhaberin an – ihr offizielles Debüt auf der PDC Pro Tour.
Für sie ist das eine völlig neue Welt. „In der Women’s Series kenne ich alle“, sagte sie. „Aber hier bin ich die einzige Frau. Und die Jungs werden sicher keine Rücksicht nehmen.“ Angst? Fehlanzeige. „Ich weiß, dass ich dagegenhalten muss“, sagte sie entschlossen. „Aber ich habe das Spiel dafür. Sonst wäre ich nicht hier.“
Greaves weiß, dass der Vergleich mit den besten Männern ein anderes Kaliber ist. Sie erwartet keine Wunderdinge, sondern harte Arbeit. „Ich muss an Kleinigkeiten feilen – sauberer werfen, mich länger fokussieren“, erklärte sie. „Ich neige manchmal zur Bequemlichkeit, das darf ich mir nicht erlauben. Die nächsten zwei Jahre will ich wirklich an mir arbeiten.“
Ambition ohne Druck
Jetzt, wo sie den Sprung auf die Tour geschafft hat, verfolgt Greaves einen klaren Plan: weiterspielen, lernen, wachsen. „Ich habe mich selbst in diese Position gebracht, jetzt will ich beweisen, dass ich hier hingehöre“, sagte sie. „Ich muss konstant gut spielen, nicht nur punktuell. Das ist aufregend – aber genau das wollte ich.“
Große Prognosen meidet sie bewusst. „Wenn ich zu viel über Ranglisten oder Ziele nachdenke und es läuft nicht, enttäuscht es mich nur“, erklärte sie. „Jeder weiß, wie schwer es ist, sich auf der Order of Merit nach oben zu kämpfen.“ Dennoch: Ein Traum wäre die Qualifikation für eine Euro Tour. „Das wäre wirklich schön“, sagte sie mit einem leichten Lächeln.
Entscheidend bleibt für sie ihre Haltung. „Ich weiß, dass viele erwarten, dass ich sofort Erfolge habe“, sagte sie. „Aber das setze ich mir nicht als Druck. Ich will einfach mein Ding machen und Spaß haben. Ich fühle mich demütig und privilegiert, dass ich mit Darts meinen Lebensunterhalt verdienen kann.“
Mit Vertrauen ins Ungewisse
Nach 113 Siegen in Serie, 17 Titeln in Folge und vier Triumphen an einem Wochenende beginnt Beau Greaves das nächste Kapitel ihrer Karriere. Ihre Zahlen wirken surreal, doch ihr Blick bleibt klar.
Sie weiß, dass die neuen Gegner sie fordern werden. Dass jede Partie ein Lernprozess ist. Und dass Niederlagen irgendwann kommen – aber auch Chancen. „Ich weiß, dass es hart wird“, sagte sie. „Aber ich freue mich auf die Herausforderung. Wir werden sehen, wie es läuft.“
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Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026










