Die erste Saison von
Gian van Veen in der
Premier League Darts bot alles, was ein Spitzensportjahr so unberechenbar machen kann. Der Niederländer startete sensationell in seine Debütkampagne, erreichte sofort mehrere Abendfinals und mischte lange voll im Rennen um die Play-offs mit. Doch ein schwerer körperlicher Rückschlag und eine zähe zweite Saisonhälfte sorgten dafür, dass sein Abenteuer am Donnerstagabend in Sheffield endgültig zu Ende ging.
Van Veen blickte
im Podcast Darts Draait Door ausführlich auf seine ersten Monate in der absoluten Weltspitze zurück. Dabei verschonte sich der 24-jährige Niederländer nicht. „Eine 5,5, vielleicht eine Sechs“, von zehn Punkten lautete Van Veens Urteil über seine eigene Saison. „Es war schön, das mitzuerleben, aber es ist nicht ganz so gelaufen, wie ich gehofft hatte. Es sind auch andere Dinge dazwischen passiert, aber unzufrieden darf ich auch nicht sein.“
Die Premier League begann dennoch spektakulär für den Spieler aus Poederoijen. Van Veen stand in den ersten vier Spielwochen gleich drei Mal in einem Abendfinale und schien mühelos mit Namen wie Luke Littler, Luke Humphries und Michael van Gerwen mitzuhalten. Ein Wochentitel blieb jedoch jedes Mal aus, und der Niederländer begann zunehmend kritischer auf sein eigenes Niveau zu schauen. Vor allem nach dem Spielabend in Rotterdam war Van Veen auffallend hart zu sich selbst.
„In all meiner Emotion in Rotterdam Ahoy habe ich gesagt, dass es nicht Premier-League-würdig war“, erzählte er. „So hat es sich damals auch angefühlt. Ich habe nicht das Spiel zeigen können, auf das ich gehofft hatte.“ Mit etwas Abstand kann Van Veen aus seinem Debütjahr jedoch auch positive Schlüsse ziehen. „Aber wenn du bis zur vorletzten Woche mitmachst und Chancen auf die Play-offs hast, darfst du stolz darauf sein. Es gab so viele Spieler, die zum ersten Mal dabei waren und danach nie wieder etwas gezeigt haben. Das ist bei mir zum Glück nicht der Fall.“
Nierensteine sorgen für enorme Rückschlag
Während Van Veen anfangs scheinbar mühelos an der Spitze der Tabelle mithielt, veränderte sich seine Saison durch eine Attacke von Nierensteinen komplett. Der Niederländer musste operiert werden und verpasste dadurch sogar einen kompletten Spielabend in Berlin.
Diese Absenz brachte ihm automatisch eine 0:6-Niederlage gegen Van Gerwen ein, doch laut Van Veen lag der größte Schaden vor allem in den Wochen danach. „Das hat sehr viel Einfluss gehabt, auf jeden Fall“, gab er zu. „Nicht nur auf die Premier League in diesen Wochen, sondern auch auf alle anderen Turniere danach.“
Van Veen will nicht behaupten, dass er ohne diese medizinischen Probleme automatisch die Play-offs erreicht hätte, ist sich aber der Wirkung des Zeitpunkts dieses körperlichen Rückschlags bewusst. „Ich will nicht sagen, dass ich ohne diese Nierensteine dabei gewesen wäre, aber ich hätte besser dagegengehalten. Es war sehr bitter, und so etwas kommt nie gelegen, aber schon gar nicht in diesem Premier-League-Format.“
Zudem merkt der Niederländer, dass er länger unter den Folgen gelitten hat, als er sich selbst eingestehen wollte. „Ich habe mehr darunter gelitten, als ich mir selbst eingeredet habe. Das ist schon schade. Jetzt geht es, aber ich bin nicht mehr derselbe Spieler wie vor ein paar Monaten. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es wiederkommt.“
Der dichte Spielplan der Premier League erwies sich für Van Veen ebenfalls als große Herausforderung. Gerade in Kombination mit den vielen ProTour-Turnieren, Euro Tours und anderen Verpflichtungen fühlte sich das erste Halbjahr besonders intensiv an.
„Ich habe einige Turniere ausgelassen und wegen der Operation auch die European Tour in Wieze verpasst, aber ich denke, ich hätte für meinen eigenen Plan noch ein weiteres zusätzlich auslassen sollen“, räumte er ein. „Es war schon anstrengend, ja.“
Affäre um Luke Littler köchelte weiter
Als wären die körperlichen Probleme nicht genug gewesen, geriet Van Veen in Manchester nach einem Zwischenfall mit Littler zusätzlich in die Schlagzeilen. Die Situation sorgte wochenlang für Diskussionen in der Dartswelt und wurde in den sozialen Medien breitgetreten.
Inzwischen scheint Van Veen die Angelegenheit vor allem hinter sich gelassen zu haben. „Es wurde viel darüber geredet, und das gehört auch ein Stück weit dazu“, sagte er nüchtern. „Zum Glück hat es sich jetzt gelegt.“
Laut dem Niederländer hatte die Affäre letztlich wenig Einfluss auf seine Leistungen. „Es hat mein Spiel nicht so sehr beeinflusst, habe seitdem auch nicht mehr gegen ihn gespielt. Das macht einen Unterschied.“
Auch das Verhältnis zwischen beiden Spielern scheint sich nicht wesentlich verändert zu haben. „Ich habe nicht mehr oder weniger mit ihm gesprochen als vor diesem Zwischenfall. Er ist ein prima Typ, aber vorher hatten wir auch nicht so viel Kontakt. Es ist jetzt nichts Spannendes im Gange. Ein bisschen Hallo und Tschüss, das ist mehr als genug.“
Neue Darts sollen frischen Impuls geben
Die schwierige zweite Saisonhälfte brachte Van Veen schließlich zu einer wichtigen Materialänderung. Schon länger kämpfte er mit Griffproblemen, wobei er sich während der European Championship im vergangenen Jahr regelmäßig den Daumen aufriss.
Weil er damals hervorragend spielte, traute er sich nicht, seine Darts anzupassen. In der Premier League entschied er sich schließlich doch zu diesem Schritt. „Es musste irgendwann sein, ich spürte, dass der Moment kam“, erklärte Van Veen. „Nach dieser Operation erst recht, das Selbstvertrauen war da ohnehin weg.“
Vorerst scheint diese Umstellung zumindest mehr Ruhe zu bringen. „Für mich ändert sich jetzt nicht so viel, außer dass ich seit einem Monat mit demselben Set spiele. Früher musste ich nach jedem Match wechseln.“