„Sich zu fragen, ob man sich wie ein kompletter Idiot benommen hat“ – Barry Hearn äußert sich zu Pfeifkonzerten bei Dartturnieren

PDC
Donnerstag, 23 April 2026 um 12:30
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Barry Hearn spricht ein wachsendes Problem im Darts offen an: pfeifende Zuschauer bei großen Turnieren. Der langjährige Strippenzieher hinter dem Aufstieg der PDC sieht die Entwicklung kritisch, fordert aber gleichzeitig mehr Widerstandskraft von den Spielern. Profis wie Luke Littler müssten lernen, mit Störgeräuschen umzugehen. Für Hearn steht fest: Eine Halle mit tausenden Fans lässt sich nicht kontrollieren oder gar vollständig disziplinieren.
In den vergangenen Wochen rückte das Thema erneut in den Fokus. Bei mehreren Events störten Zuschauer gezielt die Spieler am Oche. Besonders in Deutschland eskalierte die Situation, als Schiedsrichter Huw Ware gleich zweimal eingreifen und Partien unterbrechen musste. Pfiffe genau im Moment des Wurfes sorgen nicht nur für Unruhe, sondern greifen direkt in den sportlichen Ablauf ein.

Hearn setzt auf Eigenverantwortung der Fans

Auch Luke Littler bekam die aufgeheizte Stimmung zuletzt zu spüren. Beim Premier-League-Abend in Rotterdam schlugen ihm deutliche Buhrufe entgegen. Trotz der feindseligen Atmosphäre kämpfte sich der junge Engländer bis ins Finale durch. Beim kommenden Spieltag in Liverpool droht eine ähnliche Kulisse. Als bekennender Fan von Manchester United dürfte Littler an der Merseyside kaum auf Unterstützung hoffen.
Hearn bewertet solche Szenarien als Teil des Spitzensports, bleibt aber zwiegespalten. „Die Spieler sind Profis. Sie müssen sich daran gewöhnen“, betont er im Gespräch mit The Sun. Gleichzeitig stellt er klar, dass ihm die Entwicklung missfällt. Für ihn liegt der Schlüssel nicht in strengen Regeln, sondern im Verhalten der Zuschauer selbst.
Der 77-Jährige setzt bewusst auf Vernunft statt Verbote. Aus seiner Sicht verschärfen strikte Maßnahmen das Problem eher. Verbietet man etwas öffentlich, reizt das viele Fans erst recht. „Dann machen sie es zehnmal öfter“, erklärt Hearn. Dieses Trotzverhalten kennt er aus jahrzehntelanger Erfahrung im Sportgeschäft.

Zwischenrufe im Darts: Ein Problem ohne einfache Lösung

Ein konsequentes Durchgreifen hält er zudem für unrealistisch. In Arenen wie dem Ahoy in Rotterdam mit über 12.000 Zuschauern lasse sich nicht einfach jeder Störenfried identifizieren und entfernen. Ein solcher Versuch würde den gesamten Ablauf sprengen und neue Probleme schaffen.
Stattdessen hofft Hearn auf einen Lerneffekt im Publikum. Wenn Fans merken, dass sie mit ihrem Verhalten die Atmosphäre und letztlich den gesamten Abend ruinieren, werde sich das Problem von selbst reduzieren. Dieser Prozess brauche allerdings Zeit.
Am Ende formuliert Hearn eine klare Botschaft, die sich direkt an die Zuschauer richtet. Jeder Einzelne müsse sich hinterfragen. „Es ist lästig. Mir fällt keine andere Lösung ein, als in den Spiegel zu schauen und sich zu fragen, ob man sich wie ein kompletter Idiot benommen hat.
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