In einer Sportart, die traditionell von Männern dominiert wird, sorgt
Beau Greaves weiterhin für Aufsehen – mit einem Titel bei
Players Championship 11 zu Beginn dieser Woche als vorläufiger Höhepunkt. Die englische Darts-Spielerin, die bereits im Teenageralter international durchbrach, sprach offen über den Druck, den sie verspürt, ihre Rolle als Vorbild für junge Spielerinnen und ihre Ziele für die Zukunft.
„Du spürst den Druck, aber ich versuche, ich selbst zu bleiben“
Greaves besiegte im Finale von
Players Championship 11 den früheren Weltmeister Michael Smith mit 8:7. Auf die Frage, ob sie als Frau in einer von Männern geprägten Sportart zusätzlichen Druck empfinde, antwortet Greaves ehrlich, aber gefasst. Sie räumt ein, dass es diesen Druck in gewissem Maße gebe, versucht sich davon jedoch so wenig wie möglich beeinflussen zu lassen. „Ja, in gewisser Weise schon“, erklärt sie. „Aber ich habe immer versucht, mich vor allem auf mich selbst zu konzentrieren. Trotzdem merkst du es, besonders wenn du siehst, was Spielerinnen wie Fallon Sherrock geleistet haben.“
Mit diesem Verweis meint Greaves Sherrock, die Geschichte schrieb, indem sie als erste Frau auf höchstem PDC-Niveau Spiele gegen Männer gewann. Dieser Weg habe laut Greaves geholfen, die Tür weiter zu öffnen, bringe aber auch Erwartungen mit sich.
„Sie hatte ihre Phase, in der sie diese Siege gegen Männer eingefahren hat, und jetzt trete ich ein Stück weit in ihre Fußstapfen“,
führt Greaves fort. „Ich versuche, das ebenfalls zu schaffen. Ich möchte eine Art Vorbild für junge Mädchen sein, die Darts schauen. Vielleicht spüre ich dort sogar den meisten Druck: diese Rolle gut auszufüllen.“
Zugleich betont sie, dass dieser Druck ihr Spiel nicht bestimmen darf. „Am Ende will ich einfach erfolgreich sein und jungen Mädchen jemanden geben, zu dem sie aufschauen können. Aber ich fühle nicht zu viel Druck. Ich versuche einfach, mein eigenes Spiel zu spielen und alles zu genießen, was ich tue.“
Vom Talent zur etablierten Größe
Greaves gilt seit Jahren als eines der größten Talente in der Dartswelt und hat diesen Status inzwischen auch in greifbare Resultate umgemünzt. Ihre Entwicklung ist nicht unbemerkt geblieben, doch sie selbst bleibt bemerkenswert bescheiden angesichts dessen, was sie bereits erreicht hat.
Sie wird nach ihren Zielen für den Rest des Jahres gefragt, zumal die Saison gerade erst Fahrt aufnimmt. Dabei steht auch die Frage im Raum, ob ein Platz in der prestigeträchtigen
Premier League Darts eine realistische Ambition ist.
„Wahrscheinlich müsste ich die WM gewinnen, um in die Premier League Darts zu kommen“, sagt sie lachend. „Aber ehrlich gesagt denke ich da nicht wirklich drüber nach. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich meinen ersten Ranglistentitel gewinnen würde, geschweige denn mehrere.“
Keine Eile, aber Ambition
Trotz ihres bescheidenen Tons ist klar, dass Greaves sehr wohl ehrgeizig ist, nur weigert sie sich, sich auf konkrete Erwartungen oder Zeitpläne festzulegen. Sie entscheidet sich bewusst für einen Ansatz, bei dem Entwicklung und Freude im Mittelpunkt stehen. „Ich werde den Moment einfach genießen“, sagt sie. „Und danach geht’s zurück ins Training, weiter hart arbeiten. Wenn ich das beibehalte, sieht man von selbst, wo es endet.“
Diese Haltung ist typisch für ihren Zugang zum Sport: fokussiert auf den Prozess, nicht auf den Hype oder externe Erwartungen. „Ich werde nicht zu weit nach vorn schauen“, fügt sie hinzu. „Ich möchte einfach mein Darts weiter spielen und mein Leben genießen.“
Beau Greaves besitzt seit dieser Saison eine PDC Tour Card
Eine reife Haltung in einer jungen Karriere
Auffällig an der Geschichte von Beau Greaves ist vor allem ihre bemerkenswerte Reife. Trotz ihres jungen Alters spricht sie mit einer Ruhe und Bodenständigkeit, die man bei aufstrebenden Topathletinnen mit so viel Aufmerksamkeit selten sieht.
In einer Zeit, in der junge Talente oft schnell hochgejubelt und durch Medien sowie Erwartungen unter Druck gesetzt werden, wählt Greaves bewusst einen anderen Weg: keine großen Prognosen, keine aufgeblähten Ziele, sondern Schritt für Schritt an der Karriere arbeiten.
Dieser Ansatz macht sie nicht nur am Oche gefährlich, sondern auch zu einer erfrischenden Erscheinung im Sport. Greaves steht an einem spannenden Punkt ihrer Laufbahn. Sie hat bereits bewiesen, dass sie gewinnen kann, dass sie unter Druck wächst und dass sie ihren Platz im internationalen Darts verdient. Gleichzeitig bleibt sie sich treu: bescheiden, fokussiert und ohne sich von äußeren Erwartungen mitreißen zu lassen.
Ob sie eines Tages die Premier League Darts erreicht oder einen Weltmeistertitel holt, will sie nicht vorhersagen. Klar ist jedoch: Greaves hat die Mentalität, in ihrem eigenen Tempo weiter an die Spitze heranzurücken. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sie dort am Ende auch ankommen wird.