„Es war unprofessionell“ – Jeff Smith kritisiert Bedingungen auf der CDC Tour und warnt vor möglichen Folgen

WDF
durch Nic Gayer
Montag, 10 August 2026 um 10:00
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Jeff Smith hat in seiner langen Dartskarriere beinahe alles erlebt. Der 50-jährige Kanadier besaß eine PDC Tour Card, vertrat sein Land fünfmal beim PDC World Cup of Darts und legte für seinen Sport unzählige Kilometer rund um den Globus zurück. Doch selbst für „The Silencer“ hielt das Darts-Jahr 2026 noch neue Erfahrungen bereit. Beim WDF World Masters in Las Vegas erwartete ihn eine Kulisse, die selbst den weitgereisten Kanadier beeindruckte.
Gespielt wurde nicht in einer klassischen Sporthalle oder einem Kongresszentrum, sondern mitten in einem laufenden Casino – umgeben von Spielautomaten, Roulette- und Blackjacktischen. Smith war von dem ungewöhnlichen Konzept angetan. „Ich würde dem wahrscheinlich achteinhalb von zehn Punkten geben. Ich wusste vorher nicht besonders viel darüber, aber der Veranstaltungsort war absolut außergewöhnlich“, lautete sein Urteil gegenüber Bang on Target. Besonders die Integration des Darts in den Casino-Betrieb hatte es ihm angetan: „Die Bühne stand mitten im Casino. Die Leute spielten an den Automaten und gleichzeitig lief ein Dartsmatch. Dazu gab es eine komplette LED-Ausstattung. Für die Casinobesucher war das sehr attraktiv. Ich wäre nicht überrascht, wenn irgendwann die PDC anklopft.“

Las Vegas überzeugt Smith trotz anfänglicher Zweifel

Vollkommen überzeugt war Smith vom World Masters in Las Vegas zunächst allerdings nicht. Der Termin kollidierte mit einem Wochenende der CDC Tour und stellte damit insbesondere die nordamerikanischen Spieler vor logistische Herausforderungen. Nach genauerer Prüfung stellte der Kanadier jedoch fest, dass sich beide Turniere miteinander verbinden ließen. „Anfangs war ich mit dem Zeitplan nicht glücklich. Aber nachdem ich mir die Logistik genau angesehen hatte, wusste ich, dass es machbar war und ich anschließend auch nach Indianapolis reisen und dort das CDC-Wochenende spielen konnte.“
Jeff Smith in Aktion beim US Darts Masters.
Jeff Smith zeigte sich vom WDF World Masters 2026 in Las Vegas beeindruckt – besonders die mitten in einem laufenden Casino platzierte Darts-Bühne hatte es dem Kanadier angetan.
Gleichzeitig zeigte Smith Verständnis für die Verantwortlichen der WDF. Der vorherige Austragungsort war kurzfristig weggefallen, sodass schnell eine Alternative gefunden werden musste. „Ich kenne die Zahlen, und was sie in dieser kurzen Zeit auf die Beine gestellt haben, war unglaublich. Im Grunde war es die einzige Option.“ Für die nordamerikanischen Spieler brachte Las Vegas zudem eine seltene Umkehr der gewohnten Reiseverhältnisse mit sich. „Wir sind es gewohnt, ein Vermögen auszugeben, um nach Europa zu reisen. Das gehört einfach dazu, wenn man ein nordamerikanischer Spieler ist.“
Entscheidend ist für Smith deshalb, dem neuen Standort Zeit zur Entwicklung zu geben. „Wenn es nur ein Vertrag für ein Jahr gewesen wäre, wäre es eine schreckliche Entscheidung gewesen. Aber es ist ein Drei-Jahres-Vertrag. Es ist ein Marathon, kein Sprint.“

Erfolgreiches Duo mit Keegan Brown

Für Smith wurde der Aufenthalt zusätzlich durch den gemeinsamen Erfolg mit Keegan Brown versüßt. Nachdem die beiden bei MODUS erstmals über eine Zusammenarbeit gesprochen hatten, gewannen sie gemeinsam die Toronto Golden Open und machten sich anschließend auf den Weg nach Las Vegas. Smith fand dabei ausschließlich positive Worte für seinen britischen Teamkollegen: „Keegz ist ein unglaublich angenehmer Typ. Er ist sehr gesellig und ein wirklich sympathischer Kerl.“
Auch im Einzel sorgte Smith für einen Erfolg. Im Cricket-Singles-Wettbewerb bekam er es mit Matt Edgar zu tun, der bis dahin ein starkes Turnier gespielt hatte. Smith fasste den Ausgang der Begegnung anschließend mit einem Lachen ausgesprochen knapp zusammen: „Ja, ich habe ihn auseinandergenommen!“

Laute Musik sorgt auf der CDC Tour für Ärger

Nach Las Vegas führte Smiths Reise weiter zum nächsten Wochenende der CDC Tour. Seine Erwartungshaltung war dabei unverändert hoch. „Wenn ich bei solchen Turnieren antrete, erwarte ich, alles zu gewinnen, was ich spiele.“ Am ersten Tag erreichte er das Halbfinale, ehe Adam Sevada seinen Lauf beendete. Von dessen aktueller Verfassung zeigte sich Smith beeindruckt: „Er spielt wahrscheinlich momentan die besten Darts von allen in Nordamerika.“
Am folgenden Tag schaffte Smith erneut den Sprung ins Halbfinale, diesmal gegen Brayden Hall. Doch während der Partie sorgte nicht nur sein Gegner für Probleme. Im Veranstaltungsort lief „Welcome to the Jungle“ von Guns N' Roses in einer Lautstärke, die Smith als störend empfand. „Es war unangenehm laut“, beschrieb er die Situation. Nachdem er das Problem beim Spielervertreter Gary Mawson angesprochen hatte, änderte sich zunächst nichts. „Ich habe einmal darum gebeten. Ich habe ein zweites Mal darum gebeten. Dann habe ich sieben Darts auf ein Doppel vergeben.“
Das Problem mit der Musik wurde am folgenden Morgen zwar angegangen, während einer späteren Begegnung gegen Sevada störten Smith allerdings Durchsagen und Gespräche aus dem Kontrollbereich. „Alles, was ich hören konnte, war Peter Cetera, der gesprochen hat.“ Gleichzeitig stellte Smith ausdrücklich klar, dass sich seine Kritik keineswegs persönlich gegen Cetera oder die Verantwortlichen der CDC richtete. „Ich mag Peter wirklich sehr und die Mitarbeiter der CDC leisten immer großartige Arbeit.“

„In einem professionellen Umfeld war das unprofessionell“

Sein Problem galt ausschließlich den Bedingungen, unter denen die Spieler ihre Matches austragen mussten. „Dass die Musik so laut war, war in einem professionellen Umfeld unprofessionell. Wir sind ein bisschen Hintergrundmusik gewohnt, aber nicht so.“
Für Smith ist das keineswegs eine Lappalie. Schließlich geht es bei den CDC-Turnieren um Ranglistenpunkte, große Qualifikationschancen und letztlich möglicherweise sogar um einen Startplatz bei der Weltmeisterschaft im Alexandra Palace. „Du spielst um einen Platz im Ally Pally. Das kann jemanden 15.000 Pfund kosten.“
Seine Kritik versteht Smith daher nicht als Angriff auf die CDC, sondern als Hinweis darauf, wie wichtig professionelle Rahmenbedingungen angesichts der sportlichen und finanziellen Bedeutung dieser Turniere sind.

Smith baut an der Zukunft des kanadischen Darts

Neben seiner eigenen Karriere widmet sich Smith mittlerweile intensiv der Entwicklung des Darts in seiner Heimat. Bei ADC Canada nimmt er eine führende Rolle ein und war nach eigener Aussage maßgeblich daran beteiligt, die Organisation nach Kanada zu bringen. „Ich war der Verantwortliche für ADC Canada und dafür zuständig, diese Organisation hierherzuholen.“
Jeff Smith in Aktion.
Jeff Smith ist auch mit 50 Jahren international aktiv und engagiert sich neben seiner eigenen Karriere intensiv für die Entwicklung des kanadischen Darts.
Die enorme geografische Größe Kanadas macht den Aufbau einer funktionierenden Struktur allerdings zu einer besonderen Herausforderung. Deshalb verfolgt ADC Canada einen regionalen Ansatz. „Inzwischen steht alles und wir werden in Kürze damit beginnen, Informationen zu veröffentlichen.“ Statt sofort ein landesweites System aufzubauen, sollen zunächst einzelne Regionen entstehen. „Wir teilen das Ganze in Regionen auf, anstatt sofort zu versuchen, eine nationale Variante zu erzwingen.“ Zu den ersten Bereichen gehören die Maritime Provinces Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island, während andernorts eigene Strukturen und Wettbewerbe aufgebaut werden sollen.
Auch das sogenannte Vault-System soll dabei eine wichtige Rolle spielen. „Wir bringen das Vault-System ins Rollen und sorgen dafür, dass die Spieler mit allem vertraut werden.“ Hinter all diesen Bemühungen steht für Smith ein langfristiges Ziel: „Wir versuchen, etwas Nachhaltiges aufzubauen.“

Nicht mehr um jeden Preis auf die Pro Tour

Trotz seines ungebrochenen Ehrgeizes hat sich Smiths Blick auf das Leben als professioneller Dartspieler verändert. Der inzwischen 50-Jährige lebt im kanadischen Saint John und entscheidet heute bewusster, welche Turniere und Möglichkeiten den damit verbundenen Aufwand wert sind. Ende September wird er beispielsweise für Exhibitions in Croydon und Bournemouth nach England zurückkehren. Dort sind unter anderem Jonny Clayton, Josh Rock, Gary Anderson, Rob Cross, Steve Beaton und Cristo Reyes angekündigt. Anschließend steht für Smith erneut die MODUS Super Series auf dem Programm.
Eine komplette Saison auf der PDC Pro Tour ist für einen Kanadier jedoch mit ganz anderen Herausforderungen verbunden als für viele europäische Spieler. „Für mich ist es anders, weil ich Kanadier bin. Wenn ich auf der PDC Pro Tour spielen würde und montags und dienstags ein Turnier stattfindet, müsste ich bereits am Samstagmorgen losfliegen.“
Als Beispiel nennt Smith seinen Landsmann Jim Long. „Jim Long ist der lebende Beweis dafür. Wenn du eine Familie hast, gibst du unglaublich viel auf.“ Genau deshalb genießt Smith inzwischen die Freiheit, seinen Kalender selbst bestimmen zu können. „Ich bin glücklich damit, in Kanada zu leben. Mir gefällt, dass ich selbst auswählen kann, was ich spiele.“
Ein dauerhafter Umzug nach Großbritannien war durchaus einmal ein Thema. „Meine Frau und ich haben tatsächlich einmal darüber gesprochen, ins Vereinigte Königreich zu ziehen. Aber damals stand meine Tochter kurz vor ihrem Abschluss und Rachel gefällt das Leben in Kanada einfach zu gut.“

WM-Ergebnisse von Jeff Smith

Jahr Verband Runde Gegner Ergebnis
2015 BDO Halbfinale Scott Mitchell 0–6
2016 BDO Finalist Scott Waites 1–7
2017 BDO Zweite Runde Martin Adams 1–4
2018 PDC Erste Runde Gary Anderson 0–3
2019 PDC Erste Runde Josh Payne 2–3
2021 PDC Zweite Runde Chris Dobey 2–3
2022 PDC Erste Runde Ross Smith 0–3
2023 PDC Erste Runde Mike De Decker 1–3

So entstand „The Silencer“

Auch hinter Smiths berühmtem Spitznamen steckt eine Geschichte. „The Silencer“ ist keine Marketing-Erfindung, sondern entstand bereits 2008 nach seinem Comeback im kanadischen Darts. „Der Name kam von Kenny McNeill“, erklärte Smith. Zu diesem Zeitpunkt hatte er zwischenzeitlich mit dem Darts aufgehört, ehe er sich dazu entschloss, bei den Canadian National Championships wieder anzutreten. „Ich hatte aufgehört zu spielen und beschloss, zurückzukommen und die Nationals zu spielen.“
Sein Comeback hätte kaum erfolgreicher verlaufen können: Smith gewann auf Anhieb den Einzel-Titel. McNeill beobachtete, wie sich der Kanadier durch das Teilnehmerfeld spielte, und fand schließlich den passenden Vergleich. „Er sagte, es sei, als würde ich die Leute von der Spitze eines Hügels aus einen nach dem anderen ausschalten.“ Damit war „The Silencer“ geboren.
Fast zwei Jahrzehnte später trägt Smith diesen Namen noch immer. Sein Fokus liegt heute allerdings längst nicht mehr ausschließlich auf der eigenen Karriere. Zwischen internationalen Turnieren, Exhibitions und seinen Aufgaben bei ADC Canada entscheidet er selbst, welche Herausforderungen er noch annehmen möchte. Eines hat sich dabei nicht verändert: Wenn Jeff Smith an einem Turnier teilnimmt, tut er das weiterhin mit dem Anspruch, es zu gewinnen.
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