„Q-School? Vielleicht, aber noch einmal nach Lakeside zurückzukehren steht ganz oben auf meiner Wunschliste“ – Scott Mitchell hat noch ein großes Ziel
WDF
Die Dartswelt steht vor einer neuen Ausgabe der prestigeträchtigen WDF World Masters in Las Vegas, und einer der auffälligsten Namen auf der Teilnehmerliste ist niemand Geringerer als Scott Mitchell. Der ehemalige Weltmeister, beim großen Publikum besser bekannt als „Scotty Dog“, blickt mit sichtbarer Vorfreude auf das Turnier in Amerika. Zugleich spricht er offen über seine Gesundheit, sein verändertes Leben als Großvater, den aktuellen Zustand des Darts und den Aufstieg einer neuen Generation von Superstars.
Mitchell, der jahrelang zur absoluten Spitze der BDO und WDF gehörte, hat in den letzten Saisons ein etwas ruhigeres Leben geführt. Dennoch scheint das Feuer weiterhin hell zu lodern. „Ich habe das Gefühl, dass ich meinem Bestniveau wieder näherkomme“, erzählt der Engländer. „Ich hatte ein paar gesundheitliche Probleme und versucht, mich da durchzuspielen, aber das hat nicht immer so funktioniert, wie ich wollte. Ich habe immer noch ab und zu ein Turnier gewonnen, aber es fühlte sich jedes Mal an, als ob mir ein oder zwei Darts fehlen würden.“
Las Vegas als neue Herausforderung
Für Mitchell bedeutet das WDF World Masters in Las Vegas mehr als nur ein weiteres Turnier im Kalender. Es ist ein Abenteuer, von dem er seit Jahren träumt. „Ich war in den vergangenen Jahren oft in Ungarn für Turniere, aber ich habe noch nie in Amerika gespielt. Das wollte ich schon sehr lange“, erklärt er. „Nur musste dafür der richtige Anlass kommen. Und ehrlich gesagt: Eine World Masters in Las Vegas ist der perfekte Grund.“
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Der 55-jährige Engländer weiß, dass eine gute Vorbereitung entscheidend ist. Deshalb hat er sich selbst eine klare Aufgabe gestellt. „Wenn ich mich entscheide, nach Vegas zu fahren, dann verpflichte ich mich auch voll. Das bedeutet, jeden Tag zu trainieren, wenn es geht, und wieder Stunden am Board zu machen.“
Balance zwischen Darts und Leben
Dieses Training war in den letzten Monaten nicht selbstverständlich. Mitchell verbindet seine aktive Dartskarriere inzwischen mit Kommentatorentätigkeiten, Showturnieren und diversen anderen Verpflichtungen innerhalb des Sports. „Es war unglaublich schwierig, darin eine Balance zu finden“, sagt er offen. „In den vergangenen zwei bis drei Monaten habe ich eigentlich kaum trainiert. Dann spiele ich nur Matches in lokalen Ligen oder ADC-Turnieren. Aber wenn man müde ist, hat Training wenig Sinn. Man muss körperlich und mental in der richtigen Verfassung sein.“
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Trotz seines vollen Terminkalenders schließt Mitchell eine Rückkehr auf die Profitour nicht aus. Ein neuer Versuch über die Q School gehört definitiv zu den Optionen. „Ich denke, dass ich vielleicht im Januar noch einmal zur Q School gehe“, berichtet er. „Aber nur, wenn ich das Gefühl habe, wettbewerbsfähig genug zu sein. Ich will nicht einfach nur mitspielen. Wenn ich zurückkomme, dann will ich auch wirklich konkurrieren können.“
Seine größte sportliche Träumerei liegt derzeit jedoch woanders. „Noch einmal nach Lakeside zurückzukehren, das wäre fantastisch. Das steht eigentlich ganz oben auf meiner Bucket List.“
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Ein anderer Blick aufs Leben
Stand Darts jahrelang im Zentrum von Mitchells Leben, so haben sich inzwischen andere Prioritäten hinzugesellt. Der ehemalige Weltmeister ist mittlerweile Großvater geworden, was laut ihm sein Leben komplett verändert hat. „Großeltern zu werden ist das Schönste, was es gibt“, sagt er lächelnd. „Meine Tochter Casey spielt County Darts mit mir und am vergangenen Wochenende war mein Enkel auch dabei. Solche Wochenenden bedeuten mir heutzutage unglaublich viel.“
Diese neue Lebensphase hat ihn auch als Spieler ruhiger gemacht. Mitchell genießt den Sport sichtbar mehr als noch vor einigen Jahren. „Ich spiele inzwischen freier. Ich habe Freude an Showturnieren und an der Atmosphäre rund um Darts. Natürlich ärgere ich mich noch immer, wenn ich verliere, und das ist auch gut so. Sobald man nach einer Niederlage denkt: ‚Ach, er war einfach besser‘, ohne dass es einen berührt, weiß man, dass es Zeit ist aufzuhören. Aber an diesem Punkt bin ich noch nicht.“
Scott Mitchell wurde 2015 BDO-Weltmeister
Beeindruckt von Luke Humphries
Im Interview äußerte sich Mitchell auch ausführlich zur aktuellen Weltspitze im Darts. Vor allem Luke Humphries beeindruckt ihn. „Ich habe so ein Gefühl bei Humphries“, sagt Mitchell. „Ich glaube wirklich, dass er die Premier League Darts gewinnen kann. Mehr noch, ich kann mir gut vorstellen, dass er auch das World Matchplay in Blackpool gewinnt.“
Laut Mitchell kommt Humphries genau zur richtigen Zeit in Form. Der ehemalige Weltmeister versteht zudem gut, warum Topspieler regelmäßig mit Material experimentieren. „Wir feilen alle an unserer Setup“, erklärt er. „Das haben die Spieler aus der Ära von Phil Taylor auch ständig gemacht. Jeder sucht nach diesen zusätzlichen zwei Prozent Verbesserung.“
Er selbst hat im Laufe der Jahre zahllose Experimente durchgeführt. „Früher habe ich sogar Stückchen Blu Tack hinten in meine Darts gesteckt, um sie flacher ins Board zu bekommen“, lacht er.
Auch über Senkrechtstarter Luke Littler sprach Mitchell voller Bewunderung. Der junge Engländer steht seit geraumer Zeit unter einem enormen Brennglas, geht damit laut Mitchell jedoch außergewöhnlich gut um. „Seine Mentalität ist großartig“, sagt er. „Ich kenne ihn, seit er Jugendspieler war. Nur vergessen die Leute manchmal, wie jung er noch ist. Er ist nicht 55 wie ich.“
Mitchell ist der Ansicht, dass Littler in den vergangenen Monaten unter dem vollen Spielplan gelitten hat. „Wenn er kein Turnier spielt, wirft er irgendwo bei einer Exhibition. Das fordert am Ende seinen Tribut. Ich denke, dass er in den kommenden Monaten besser damit umzugehen lernt.“
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Ein übervoller Darts-Kalender
Der dichte Terminplan innerhalb der PDC ist laut Mitchell ohnehin ein immer größeres Thema im Sport. Immer mehr Topspieler lassen ProTours aus, schlicht weil Exhibitions finanziell attraktiver sind. „Aus Spielersicht verstehe ich das komplett“, sagt er. „Warum solltest du einen ganzen Tag ProTour spielen, wenn du mit nur einem Showmatch dasselbe verdienen kannst?“
Dennoch erkennt er auch ein Problem für die PDC. „TV-Sender erwarten, dass die besten Spieler bei großen Events antreten. Wenn immer mehr Topspieler Turniere auslassen, wird das zur Herausforderung.“
Eine einfache Lösung sieht Mitchell nicht. „Die Spieler haben derzeit enorm viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Das macht es schwer, zu lukrativen Exhibitions Nein zu sagen.“
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Beau Greaves beeindruckt enorm
Eine Spielerin, über die Mitchell besonders lobend sprach, ist Beau Greaves. Seiner Meinung nach zählt sie seit Jahren zu den größten Talenten, die er je gesehen hat. „Wir wussten schon sehr lange, wie außergewöhnlich Beau ist“, erzählt er. „Ich kannte sie bereits, als sie zwölf oder dreizehn war.“
Anschließend bringt Mitchell eine bemerkenswerte Anekdote vom WDF World Cup in Dänemark. Greaves hatte kurz vor den Finals einen Dart verloren und musste improvisieren. „Sie lieh sich Darts von Jamie Atkins, suchte sich ein paar Flights und Shafts zusammen und gewann dann alles mit Material, das nicht einmal ihres war“, sagt Mitchell anerkennend. „Das sagt alles über ihre mentale Stärke.“
Der Engländer ist überzeugt, dass Greaves über einen nahezu perfekten Wurf verfügt. „In ihrer Technik gibt es keinen einzigen Fehler. Außerdem ist sie ein äußerst bodenständiger und freundlicher Mensch. Keine Allüren, kein Stargehabe. Sie liebt einfach Darts.“
Die Zukunft des Sports
Auch Mitchell Lawrie kam zur Sprache. Mitchell sieht in dem jungen Schotten eines der größten Talente innerhalb der WDF, hofft aber, dass die Vergleiche mit Littler aufhören. „Es sind völlig unterschiedliche Persönlichkeiten und Spieler“, sagt er. „Aber Mitchell ist enorm talentiert und unglaublich bescheiden.“
Zum Schluss sprach Mitchell über ein mögliches Comeback des zweifachen Weltmeisters Adrian Lewis. Seiner Ansicht nach wäre eine Rückkehr von Lewis fantastisch für den Sport. „Adrian hat eine natürliche Begabung, genau wie Gary Anderson“, stellt Mitchell fest. „Aber das Niveau im Darts ist heute breiter denn je. Früher gab es vielleicht acht Spieler von Weltklasse, jetzt sind es vierzig.“
Genau das macht die aktuelle Dartswelt laut Mitchell so spannend. „Heute kann jeder jeden schlagen. Deshalb sehen wir immer wieder andere Sieger bei den ProTours und WDF-Turnieren.“
Und Mitchell selbst? An Aufhören denkt er vorerst nicht. „Ich bleibe diesem Sport treu, weil ich liebe, wohin sich Darts derzeit entwickelt“, schließt er. „Und solange ich es genieße, will ich selbst Teil dieser Geschichte bleiben.“
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Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026














