ANALYSE (Teil 3): Spieler mit hohem Risiko, ihre Tour Card zu verlieren – angeführt vom mehrfachen Major-Sieger Dreammaker und einem ehemaligen Major-Finalisten

PDC
Dienstag, 23 Juni 2026 um 14:00
2026-06-22_20-15_Landscape
Teil zwei rückte Spieler ins Rampenlicht, die am Rand des Tour-Card-Verlusts taumeln. Teil drei stellt einen großen Namen aus Belgien in den Fokus, der von mehrfachen Major-Titeln und Elite-Status zum Hinterherlaufen seiner Zukunft geworden ist.
Auch ein früherer Grand-Slam-of-Darts-Finalist und ein aufstrebendes Talent tauchen auf dieser Liste auf – Letzterer findet seine Form womöglich zum falschen Zeitpunkt, um seine Tour Card zu halten. Die Statistik zeigt, wo es bei jedem dieser Spieler läuft oder hakt. In den kommenden Monaten beginnt für sie das Rennen darum, ihre begehrten Tour Cards zu verteidigen. Das folgt auf einen weiteren Teil, der das Gegenteil beleuchtete: Spieler wie Beau Greaves und Tom Sykes sorgen im ersten Jahr auf der Tour für Schlagzeilen und marschieren wohl bald Richtung Top 64.

Dimitri Van den Bergh – Zerschlägt sich der Traum vom Dreammaker?

Dimitri Van den Bergh führt diese Liste als höchstplatzierter Spieler an, aktuell Nummer 37 der PDC Order of Merit. Seine Karte sicherte er sich 2014, und seitdem verbrachte der Belgier zwölf Jahre auf der PDC-Tour – Jahre, die nun ein abruptes Ende finden könnten. Die Platzierung neben seinem Namen hinkt einem Absturz hinterher, der längst im Gange ist. £231.000 wirken auf den ersten Blick sicher, doch rechnet man 2024 heraus, verändert sich das Bild komplett. 2023 sah alles noch anders aus: Allein in diesem Jahr verdiente er £442.000 und gewann drei Jahre zuvor das World Matchplay.
Dimitri Van den Bergh verlässt die WM-Bühne enttäuscht
Dimitri van den Bergh wird stand jetzt seine Tour Card verlieren.
Ein starker 93,59-Average und die 15.-meisten 180er weltweit mit 453 Stück belegen sein einst flüssiges Spiel, gespickt mit hohen Scores und scharfen Finishes – die Premier League blieb damals in Reichweite. 2025 hingegen brachte nur einen 9-Darter beim Winmau World Masters, der Dreammaker holte lediglich £74.500 Preisgeld und verpasste die Players Championship Finals in Minehead. Würde man sein Tour-Card-Ranking 2025 und 2026 wie bei Hopp berechnen, läge er mit £95.500 hinter Hopp auf Rang 68.
Aus einer gefürchteten Kraft ist ein Spieler geworden, dem bei Players-Championship-Turnieren kaum noch jemand ein gutes Los wünscht. Van den Bergh kämpft mit Dartitis und schwindendem Selbstvertrauen, sein Average fiel 2026 auf 88,44. Dadurch verpasste der Antwerpener jedes Major außer UK Open, Weltmeisterschaft und World Cup – 2023 spielte er noch alle.
Zwei Resultate liefern die deutlichsten Warnsignale: 71,38 Average in der European-Tour-Quali und 76,61 bei Players Championship Drei. Mit solchen Werten gerät selbst ein starkes Amateurfeld ins Straucheln, und Niederlagen werden zur realen Gefahr. Sein bestes Resultat bleibt ein Achtelfinale bei Players Championship 17, wo er trotz 78,6 im Average gegen Wattimena ausschied. Einst überscorte Van den Bergh praktisch jeden Gegner, doch 2026 liegt er nur auf Rang 157 bei den 180ern und verliert in dieser Kategorie gegen Spieler, die gar nicht auf der Tour stehen. Ex-Profi und Kommentator Matthew Edgar betont zwar, Van den Bergh trainiere nach Turnieren stundenlang weiter, doch die Ergebnisse spiegeln diesen Aufwand bislang nicht wider. Verbessert hat sich lediglich der Wurfablauf, der seiner geschmeidigen Form aus 2023 wieder näherkommt.
Bessere Mechanik allein bringt jedoch keine Punkte, und £135.700 aus 2024 fallen unweigerlich aus der Rangliste. In Van den Bergh steckt noch der Spieler, der beim Masters 2025 ins Halbfinale einzog und dabei die Weltmeister Michael van Gerwen und Gary Anderson bezwang. Doch dieser Erfolg liegt über ein Jahr zurück, während das Niveau in den Top 64 stetig steigt – mit Konkurrenten wie Hopp, Crabtree und Plaisier im Nacken. Sein jüngster European-Tour-Sieg in Kiel muss nun zum Wendepunkt werden. Für Van den Bergh führt kein Weg daran vorbei, seine Saison zu drehen und endlich aus dem Albtraum des Dreammakers zu erwachen.

Wo lief es schief bei Van den Bergh – 2026 im Rückblick

Kennzahl Wert
PDC-Rangliste 37.
Ranglistenpreisgeld £231,000
2024-Einnahmen £135,750
2025-Einnahmen £74,500
2026-Einnahmen £20,750
2023 Sieg %  53%
2024 Sieg % 48%
2025 Sieg % 39%
2026 Sieg % 37%
2023 Average 93.59
2024 Average 92.56
2025 Average 88.56
2026 Average 88.44
2023 180er 453
2024 180er 309
2025 180er 163
2026 180er 94
World 180s Ranking 2023 15.
World 180s Ranking 2026 157.
Tour Card gewonnen 2014
Bestes 2026-Ergebnis PC17 Letzte 16

Martin Lukeman – Vom Grand-Slam-Finale zurück zur Q School?

Den sicheren Tagesjob aufzugeben, um sich vollständig dem Dartsport zu widmen, gehört zu den größten Risiken, die ein Spieler eingehen kann. Martin Lukeman traf diese Entscheidung im Jahr 2022 – und wurde zunächst belohnt. In derselben Saison spielte er das beste Jahr seiner Karriere, belegte Rang 17 der European Tour Order of Merit und erreichte das Finale des German Darts Grand Prix. Der Schritt in die Vollzeitkarriere schien sich auszuzahlen.
Auch in den folgenden Jahren setzte Lukeman seinen Aufstieg fort. Der größte Erfolg seiner Laufbahn folgte beim Grand Slam of Darts 2024, als er sensationell das Endspiel erreichte. Dort musste er sich zwar deutlich gegen Luke Littler geschlagen geben, doch allein der Finaleinzug veränderte seine Karriere nachhaltig. Auf dem Weg ins Finale besiegte er unter anderem Rob Cross mit einem Average von 98,34 Punkten sowie Mickey Mansell im Halbfinale mit starken 99,66 Punkten im Schnitt.
Der Grand-Slam-Lauf brachte Lukeman nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch ein Preisgeld von 73.500 Pfund ein. Dieses Ergebnis macht noch immer rund ein Drittel seines gesamten Ranglistenvermögens aus. Was einst sein größter Erfolg war, entwickelt sich inzwischen allerdings zu einem potenziellen Problem. Die starke Abhängigkeit von einem einzelnen Turnier sorgt für zusätzlichen Druck, denn die aktuellen Leistungen lassen nicht erkennen, dass ein ähnlicher Lauf kurzfristig realistisch erscheint.
Martin Lukeman kratzt sich am Kopf.
Martin Lukeman – vom Major-Finalisten zum Q-School-Kandidaten in kürzester Zeit.
Ich kämpfe im Moment ein wenig mit meinen Darts, ich wechsle ständig“, gab Lukeman offen zu.
Die Unsicherheit am Board spiegelt sich zunehmend in seinen Ergebnissen wider. Zudem scheinen Anzeichen von Dartitis sein Spiel zu beeinflussen. Besonders bei seiner ungewöhnlichen Wurftechnik, bei der er den Dart von oberhalb des Auges Richtung Board bringt, fallen die Probleme in engen Situationen auf.
Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild. Nachdem Lukeman im Jahr 2025 noch 54 Prozent seiner Partien gewinnen konnte, fiel seine Siegquote 2026 auf lediglich 28 Prozent. Kein anderer Spieler aus vergleichbaren Regionen der Weltrangliste verzeichnet einen stärkeren Rückgang.
Auch seine Leistungswerte sind eingebrochen. Mit einem Average von 85,21 Punkten gehört er statistisch nicht mehr zur erweiterten Spitzengruppe der Tour. Hinzu kommt eine geringe Anzahl an 180ern, wodurch ihm regelmäßig die nötige Durchschlagskraft im Scoring fehlt.
Ein Bereich hebt sich allerdings weiterhin positiv hervor: das Finishing. Bereits 2024 gehörte Lukeman mit einer Checkout-Quote von über 42 Prozent zu den besten Spielern der Tour. Auch 2026 bewegt er sich mit etwas mehr als 38 Prozent weiterhin auf einem respektablen Niveau.
Vor allem in entscheidenden Legs zeigt er regelmäßig seine Klasse. Seine Averages liegen dort deutlich über seinem Gesamtdurchschnitt, was seine mentale Stärke auf den Doppelfeldern unterstreicht. Die Probleme entstehen meist früher im Leg. Häufig gerät Lukeman bereits in der Anfangsphase unter Druck und muss anschließend einem Rückstand hinterherlaufen.
Die kommenden Monate könnten deshalb richtungsweisend werden. Bereits 15 Erstrundenniederlagen auf der ProTour verdeutlichen, wie schwierig die Saison bislang verläuft. Ein Achtelfinaleinzug bei den UK Open gehört zu den wenigen positiven Ergebnissen des Jahres.
Trotzdem besitzt Lukeman noch Chancen, seinen Platz unter den Top 64 zu verteidigen. Entscheidend könnte die Qualifikation für die PDC World Darts Championship werden. Aktuell fehlen ihm noch wichtige Preisgelder, um sich eine komfortable Ausgangsposition zu verschaffen. Sollte ihm die Teilnahme gelingen, könnte dies seine Tour Card für ein weiteres Jahr absichern.
Mit 41 Jahren befindet sich „Smash“ an einem entscheidenden Punkt seiner Karriere. Die kommenden Monate werden zeigen, ob er die Wende schafft oder sich tatsächlich mit dem Gedanken an einen erneuten Gang zur Q-School beschäftigen muss.

Cam Crabtree – ‚Shazam‘ kämpft ums Tour-Ticket

Während Lukeman auf eine lange Karriere zurückblickt, steht Cameron Crabtree noch am Anfang seines Weges. Der junge Engländer gilt seit Jahren als eines der größten Talente seines Landes und sorgte besonders auf der Challenge Tour für Aufsehen. Doch nach einem vielversprechenden Start als Tourkarteninhaber droht auch ihm ein schwieriger Kampf um die Zukunft auf der PDC-Tour.
Die aktuelle Nummer 69 der Welt sammelte den Großteil seines Preisgeldes im Jahr 2025. Rund 80 Prozent seiner bisherigen Ranglisteneinnahmen stammen aus dieser Phase. Damals überzeugte Crabtree mit mehreren starken Auftritten, darunter ein Halbfinale bei Players Championship 22 und ein Viertelfinale bei Players Championship 33. Regelmäßig spielte er dabei Averages jenseits der 100-Punkte-Marke.
Besonders auffällig war seine Stärke in den Set-up-Shots. In diesem Bereich bewegte sich Crabtree statistisch eher auf dem Niveau der Top 32 als im Bereich der Top 64. Seine funktionale Doppelquote gehörte ebenfalls zu den besten Werten seiner direkten Konkurrenz und verschaffte ihm häufig Vorteile in engen Partien.
Genau diese Qualitäten hatten ihm zuvor bereits geholfen, die Challenge Tour zu dominieren und den Sprung auf die ProTour zu schaffen.
Cameron Crabtree blickt nach vorn.
Cameron Crabtree liegt in den Zahlen nahe der Top 32, kann es aber nicht ummünzen.
Im Jahr 2026 läuft jedoch vieles anders. Sein Average fiel auf 89,63 Punkte, während auch sein First-Nine-Average deutlich zurückging. Die gute Nachricht: Seine Stärke auf die Doppelfelder ist nahezu unverändert geblieben. Die funktionale Doppelquote bewegt sich weiterhin auf einem hohen Niveau.
Das eigentliche Problem liegt deshalb nicht im Finishing, sondern im Scoring. Dort fehlen Crabtree aktuell die konstanten hohen Aufnahmen, die ihn im Vorjahr ausgezeichnet haben.
Die Folgen zeigen sich deutlich in den Resultaten. Bereits 13 Erstrundenniederlagen musste er in dieser Saison hinnehmen. Hinzu kommt das Ausbleiben von Qualifikationen für die European Tour. Dadurch fehlen nicht nur wichtige Preisgelder, sondern auch wertvolle Erfahrungen auf größeren Bühnen.
Dass sein Potenzial weiterhin vorhanden ist, hat Crabtree mehrfach bewiesen. Siege mit Averages von über 106 beziehungsweise 107 Punkten gegen Luke Woodhouse und Krzysztof Ratajski zeigen, welches Niveau er erreichen kann. Bislang gelingt es ihm jedoch nicht, diese Leistungen regelmäßig abzurufen.
Für den 22-Jährigen geht es nun darum, den vollständigen Übergang vom Nachwuchsbereich in den Profizirkus zu schaffen. Die Development Tour bietet zwar weiterhin Spielpraxis, bringt jedoch kein Preisgeld für die wichtigste Rangliste ein. Genau dort muss Crabtree in den kommenden Monaten zulegen.
Die Voraussetzungen für den Verbleib auf der Tour sind vorhanden. Entscheidend wird sein, ob es ihm gelingt, seine starken Einzelleistungen in konstante Ergebnisse umzuwandeln. Andernfalls könnte auch für eines der größten Talente Englands der Kampf um die Tour Card schneller beginnen als erwartet.

Kann Crabtree sich befreien – Zahlen, die den Trend zeigen

Kennzahl Wert
PDC-Rangliste 69.
Ranglistenpreisgeld £91.250
Unter Schwelle £24.500
2025-Einnahmen £73.000
2026-Einnahmen £18.250
2024 Sieg % 64% (Development Tour)
2025 Sieg % 71%
2026 Sieg % 55%
2024 Average 87,21
2025 Average 90,80
2026 Average 89,63
Welt-Average-Ranking 2026 82.
2025 First 9 Average 99,62
2026 First 9 Average 97,65
Welt-First-9-Ranking 2026 93.
2025 Funktionale Doppel % 47,24%
Welt-Ranking Funktionale Doppel 2025 42.
2026 Funktionale Doppel % 46,95%
Welt-Ranking Funktionale Doppel 2026 59.
Tour Card gewonnen 2025 (Development Tour)
Alter 22
Bestes 2026-Ergebnis ET7 Letzte 32
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading