„Da wird auch ein Stück Scham mitgespielt haben“ – Verständnis für Van den Berghs Entscheidung, die Medien nach dramatischem World Cup-Auftakt zu meiden
PDC
Das belgische Team erlebte beim World Cup of Darts ein Turnier der Extreme. Dimitri Van den Bergh kämpfte sichtlich mit sich selbst, Mike De Decker spielte stark auf, und die Gruppenphase überstand Belgien nur dank fremder Hilfe. Im Podcast Darts Draait Door analysierten Vincent van der Voort und Damian Vlottes die Leistungen der Belgier eingehend – und sprachen dabei nicht nur über Ergebnisse, sondern auch über den mentalen Zustand von Van den Bergh und die Frage, wie viel Vertrauen das Team aus diesem Turnier ziehen kann.
Einer der meistdiskutierten Momente des belgischen Turniers folgte auf eine enttäuschende Vorstellung von Van den Bergh im Auftaktspiel. „The Dreammaker" kam dabei auf einen erschreckend schwachen Average von nur 65 – und trat anschließend auffälligerweise nicht vor die Kamera von VTM. Das Interview-Mikrofon übernahm allein Mike De Decker, der seinem Teamkollegen damit eine unangenehme Situation ersparte und die Außendarstellung des belgischen Teams souverän übernahm.
Van den Bergh meidet die Kamera – und kehrt tanzend zurück
Für Van der Voort war dieses Verhalten äußerst aufschlussreich. „Dann weißt du auch, dass es sehr tief gesessen hat", kommentierte der ehemalige Profidarter. „Da steckt auch ein Stück Scham drin. Das wird es wirklich gewesen sein." Van der Voort konnte sich gut in die Lage seines Kollegen versetzen. Er schilderte eine eigene Erfahrung von der Grand Slam of Darts, als er mit starken Rückenbeschwerden gegen Kim Huybrechts antreten musste.
„Ich hatte so starke Schmerzen im Rücken. Meiner Meinung nach hatte ich nach drei Legs noch kein Triple getroffen. Da schämt man sich einfach. Alle schauen zu und du denkst: Das geht nicht, das ist so schlecht. Aber das spürst du selbst auch."

Belgien überstand die Gruppenphase mit dem nötigen Glück und scheiterte schließlich in der zweiten Runde.
Van der Voort weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, vor Publikum zu versagen – und dabei keine Möglichkeit zu haben, sich zu verstecken. Der Druck, in solchen Momenten trotzdem nach außen hin professionell zu wirken, ist enorm und nicht immer zu bewältigen. Deshalb zeigte er volles Verständnis für Van den Berghs Entscheidung, den Medien aus dem Weg zu gehen. „Dann kann ich gut nachvollziehen, dass er der Kamera nicht Rede und Antwort steht. Dass er nicht so tut, als sei nichts passiert."
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Umso erstaunlicher wirkte das, was sich keine sechzehn Stunden später abspielte. Van den Bergh stand wieder tanzend auf der Bühne – energiegeladen, aufgedreht, als hätte es den Abend zuvor nie gegeben. Van der Voort staunte sichtlich: „Keine fünfzehn oder sechzehn Stunden später steht er schon wieder tanzend auf der Bühne." Die Frage, die sich dabei unweigerlich aufdrängte, brachte er direkt auf den Punkt: „Er schien völlig durch zu sein. Fünfzehn Stunden später steht er tanzend da, als wäre nichts gewesen. Ist das dann gespielt, oder ist er wundersam genesen?"
Die Wahrheit liegt nach Einschätzung von Van der Voort wohl irgendwo dazwischen. „Dimitri ist von Natur aus ein positiver Junge. Also erholt er sich schneller als zum Beispiel unser Barney. Das ist einfach so." Der Vergleich mit Raymond van Barneveld ist dabei durchaus treffend: Wo der Niederländer Niederlagen oft lange mit sich trägt, scheint Van den Bergh über eine natürliche Resilienz zu verfügen, die ihn schneller wieder in die Spur bringt. Hinzu kommt, dass seine verbesserte Leistung im zweiten Spiel kein Zufall war. „Danach spielt er auch einfach ein ganzes Stück stärker. Also hat er in diesen fünfzehn Stunden doch etwas gemacht, wodurch es sich verbessert hat."
Gruppenphase mit Ach und Krach – Hongkong scheitert am eigenen Versagen
Belgien startete holprig ins Turnier. Die Gruppenphase überstand das Duo zwar, von einer überzeugenden Leistung war das jedoch weit entfernt. „Sie haben sie überlebt. Es war mit Ach und Krach", fasste Van der Voort zusammen. Entscheidend war dabei fremdes Missgeschick: Hongkong schien lange auf Kurs zur Qualifikation, verpasste den Einzug in die K.-o.-Runde aber letztlich selbst. „Es war Lok Yin Lee, der einige Doppel verfehlte. Die werden wirklich krank gewesen sein, denn die waren im Prinzip einfach durch. Das dachten alle schon."
Die Überraschung im belgischen Lager war enorm. Selbst Van der Voort hatte längst nicht mehr mit dem Weiterkommen gerechnet. „Ich sagte noch zu Quinn (Sneeboer), mit dem ich an dem Wochenende bei einem JDC-Turnier war: Wäre ich De Decker oder Van den Bergh gewesen, hätte ich schon im Auto nach Hause gesessen." Schmunzelnd fügte er hinzu: „Die Koffer waren jedenfalls schon gepackt. Ich wäre schon nach Hause gefahren. Dann werde ich auf halber Strecke angerufen, dass du doch weiter bist, aber dann bin ich fast zu Hause."
Dass Hongkong den entscheidenden Sieg nicht einfuhr, kam für Van der Voort und Vlottes gleichermaßen unerwartet – schließlich verfügte das asiatische Team ihrer Meinung nach über echte Qualität. „Man Lok Leung ist einfach ein sehr guter Darter. Und Lok Yin Lee auch." Beide Spieler gehören zu den stärksten Vertretern des asiatischen Darts und hätten das Potenzial gehabt, Belgien klar aus dem Turnier zu werfen. Man habe schlicht damit gerechnet, dass Hongkong das entscheidende Spiel gewinnt. Stattdessen entkam Belgien durch die Hintertür, sammelte sich und bereitete sich auf die K.-o.-Runde vor.
Dort wartete mit Nordirland ein echter Prüfstein. Das Duell entwickelte sich zu einer der attraktivsten Partien des gesamten Turniers – und lieferte gleichzeitig den überzeugendsten Auftritt der Belgier. Besonders De Decker hinterließ einen starken Eindruck. „De Decker war großartig. Vor allem im Scoring", lobte Van der Voort. Der Belgier demonstrierte über weite Strecken des Spiels, warum er sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe auf höchstem Niveau entwickelt hat. Er scorte stark, blieb fokussiert und zeigte einen Auftritt, der Lust auf mehr machte. Für Van der Voort steht deshalb fest: De Decker nimmt aus diesem World Cup womöglich mehr mit als sein Teamkollege. „Er kann aus diesem World Cup mehr mitnehmen als Van den Bergh. Das denke ich schon."
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Trotz Ausscheiden: Belgien fährt nicht ohne Hoffnung nach Hause
Belgien verlor gegen Nordirland und schied aus – doch Van der Voort und Vlottes sehen das Turnier nicht als reine Niederlage. „Wenn sie so weitergescort hätten, wie sie dran waren, hätten sie dieses Spiel gewonnen", betonte Van der Voort. Die Belgier überzeugten über weite Strecken, zeigten Kampfgeist und bewiesen, dass sie auf diesem Niveau mithalten können. Auch wenn De Decker zum Ende hin etwas nachließ – „Der hat es am Ende ein bisschen liegen lassen" –, übernahm Van den Bergh in dieser Phase Verantwortung. „Dimitri hat das ziemlich okay aufgefangen."
Das Zusammenspiel der beiden Belgier funktionierte in den entscheidenden Momenten besser als erwartet. Wo der eine schwächelte, versuchte der andere zu kompensieren – ein Zeichen dafür, dass das Duo als Team funktioniert, auch wenn die individuelle Form noch nicht stimmt. Die zentrale Erkenntnis des belgischen Auftritts war damit klar: Das Niveau ist vorhanden, die Konstanz fehlt noch. „Sie sind beide nicht in Form. Dann können solche Dinge passieren." Dennoch blickte Van der Voort nicht ohne Zuversicht auf das Gesehene. „Sie haben gesehen, dass sie es auch solchen Nationen immer noch sehr schwer machen können. Das Niveau ist da."
Der Weg zurück an die Spitze führt jedoch nur über harte, konsequente Arbeit – und die braucht Zeit. Ein einzelnes Turnier reicht dafür nicht aus, so ehrlich muss man sein. „Es ist jetzt einfach sehr harte Arbeit, um wieder auf Niveau zu kommen. Und das geht nicht in einem einzigen Turnierchen."

Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026












