„Wenn dieses Glück versiegt, werden sie nicht mehr gewinnen. Ich glaube nicht.“ – Gerwyn Price ist überzeugt, dass sich das Glück von Humphries und Littler bald wenden wird
PDC
Es war ein langer, intensiver Tag bei den Players Championship Finals – doch für Gerwyn Price endete er mit einem zufriedenen Lächeln. Zwei Siege, der Einzug ins Viertelfinale und vor allem das Gefühl, endlich wieder mehr Kontrolle über sein Spiel zu gewinnen. Trotzdem präsentierte sich der 40-jährige Waliser, der sonst für seine explosive Bühnenpräsenz bekannt ist, ungewohnt zurückhaltend. In einem ausführlichen Interview nach seinem zweiten Sieg des Tages sprach Price über Form, Frust und seine Hoffnung auf einen Major-Finaleinzug.
Price blickte nüchtern auf seine beiden Matches zurück. „Ich denke, ich habe mich gut geschlagen. Ich habe meinen Kopf oben behalten, besonders in der Mitte des Matches“, sagte er. Gleichzeitig ärgerte er sich über die Art und Weise, wie einige Legs liefen – vor allem in der dritten Runde gegen Martin Schindler. Zur ersten Pause lag er 2:3 hinten, obwohl er das Gefühl hatte, eigentlich führen zu müssen.
„Das ist die Geschichte meiner Saison“
„Es blieb lange Zeit angespannt, während ich besser spielte“, erklärte Price. Schindler nutzte genau die Momente, in denen Price selbst nicht traf. Für den „Iceman“ ist dieses Muster längst bekannt: „Das ist die Geschichte meiner Saison. Ich gebe meinen Gegnern zu viele Chancen. Manchmal bricht das zusammen, aber zum Glück nicht heute Abend.“
Gerwyn Price trifft im Viertelfinale auf Daryl Gurney
Sein Energielevel gehört normalerweise fest zu seinem Spiel – Intensität, Körpersprache, Jubel. Doch diesmal wirkte Price deutlich ruhiger. Nicht aus Taktik, sondern aus Zeitdruck. „Mir war nicht klar, dass ich so früh wieder spielen muss. Ich dachte, ich wäre später dran. Dann kam die E-Mail und ich hatte buchstäblich eine Stunde, um mich fertigzumachen.“
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Diese kurze Vorbereitungszeit spürte er sofort. „Ich war müder, als ich es mit einer zusätzlichen Stunde gewesen wäre.“ Das erinnere ihn an die European Tour, wo am Finaltag mehrere Partien anstehen. „Eine so schnelle Abfolge von Spielen ist einfach hart.“
Auch die Atmosphäre beim Walk-on stellte Price diesmal leicht auf die Probe. „Sie hatten die Musik lauter gestellt, ich glaube zum ersten Mal“, sagte er leicht lachend. Dennoch habe er das Gefühl, dass seine aktuelle Musikwahl nicht überall gut ankomme. „Ich glaube, Sky Sports oder wer auch immer will nicht, dass ich diese Musik beibehalte. Sie wollen, dass ich wieder zu meiner alten Musik zurückgehe. Aber ich behalte sie einfach.“ Denn für Price ist der Song längst Teil seiner Identität. „Ich versuche einfach, mich dabei wohlzufühlen.“
Die Saison des Walisers läuft trotz starker Ergebnisse unter dem Radar. Auf der Pro Tour stand er ganz oben, im TV schaffte er es aber nur drei Mal ins Viertelfinale. Dass weniger über ihn gesprochen wird, versteht er: „Das liegt an mir selbst. Ich verpasse Gelegenheiten. Heute hätte ich das Spiel gegen Martin tatsächlich verschenken können. Dann wäre es ein weiteres Ausscheiden im Achtelfinale gewesen.“ Dennoch spürt er, dass er nah an seiner Topform ist. „Hoffentlich ist dies das Turnier, das ich gewinne, um mir einen Schub für die Weltmeisterschaft zu geben.“
Sein Selbstvertrauen sei nie weg gewesen. „Ich weiß, dass ich gut spiele. Ich habe keine Angst vor anderen Spielern. Aber man muss weiter Leistung bringen.“ Seine größte Frustration: dass er Gegner immer wieder ins Match zurückholt. „Ich habe sie im übertragenen Sinne an der Gurgel, und dann lasse ich sie trotzdem ziehen.“
Im Viertelfinale wartet nun Daryl Gurney. Für Price ist klar: „Wenn ich meine Chancen nutze, werde ich gewinnen. Wenn nicht, wird es ein langes, hartes Match.“
„Hoffentlich halte ich das durch“
Die vergangenen zwölf Monate hat er besonders an seiner körperlichen Fitness gearbeitet – eine bewusste Entscheidung. Turniere wie dieses fordern oft mehrere Matches am Tag. „Auf der European Tour spielt man manchmal drei Matches an einem Tag. Dieses Turnier ist sehr ähnlich. Da hilft es ungemein, wenn man in Form ist.“ Morgen könne er – je nach Turnierverlauf – wieder bis zu drei Partien spielen. „Es wird so oder so ein langer Tag werden. Hoffentlich halte ich das bis zum Ende durch.“
Sein nächster Gegner kommt mit Rückenwind: Gurney überlebte zuvor zehn Matchdarts von Adam Lipscombe. Das könne psychologisch in beide Richtungen gehen, meint Price. „Ich weiß nicht, ob das für ihn oder für mich ein Vorteil ist. Ich spiele einfach mein eigenes Spiel. Ich bin gut im Kopf und wenn ich meine Chancen nutze, gewinne ich.“
Auch das frühe Ausscheiden von Luke Humphries, dem zweifachen Titelverteidiger, sieht Price nicht als besonderen Vorteil. „Als er mich letzte Woche geschlagen hat, hat er besser gespielt. Aber später habe ich ein paar Clips auf Instagram gesehen und dachte: Er hatte ein paar tolle Finishes genau zum richtigen Zeitpunkt. Mit ein bisschen Pech für ihn kann so ein Match auch in die andere Richtung gehen.“
Humphries und Littler hätten aktuell einen mentalen Vorteil – „das Glück des Champions“. Aber Price glaubt nicht, dass das ewig hält. „Wenn dieses Glück versiegt, werden sie nicht mehr gewinnen.“ Humphries selbst zollt er dennoch Respekt. „Er hat gut gespielt, ich nicht. Und in den kleinen Momenten fiel ihm viel zu. Aber irgendwann in der Saison kehrt sich das um.“
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Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026










