„Er wird Phils Rekord niemals brechen“ – Russ Bray erklärt, warum Luke Littler nicht der neue Taylor wird

PDC
Mittwoch, 07 Januar 2026 um 16:57
luke littler phil taylor 4 credit target darts
Die Darts WM bot in diesem Jahr sportliches Feuerwerk, mit einem Halbfinale, das Kenner bereits zu den Klassikern zählen. Dennoch blieb danach auch eine andere Debatte hängen: Ist die Lücke zwischen Luke Littler und dem Rest inzwischen zu groß?
Im Gespräch mit talkSPORT Darts gab der ikonische Caller Russ Bray eine nuancierte Antwort. Ja, Littler ist aktuell der Mann der Stunde und wird im Wochentakt Titel holen. Aber nein: Bray glaubt nicht, dass uns eine Phase bevorsteht, in der ein Einzelner den Sport jahrzehntelang dominiert, wie Phil Taylor das tat.
„Wie du sagst, Jeff: Das hatten wir mit Phil so viele Jahre, in denen er das gesamte Feld beherrschte“, beginnt Bray. „Aber ich glaube wirklich nicht, dass das wieder passieren wird. Und das meine ich ernst.“ Als Hauptgrund nennt er die Breite der aktuellen Spitze. Das Talent ist nicht nur größer, mehr Spieler können jederzeit ein Major gewinnen oder zumindest einen Favoriten empfindlich treffen.

„Jetzt gibt es eine ganze Reihe, die zuschlagen können“

Bray verweist auf ein auffälliges Detail: Während Taylor in seinen frühesten Dominanzjahren oft nur ein oder zwei echte Herausforderer hatte, ist das Teilnehmerfeld heute deutlich breiter. „Als Phil anfing, hattest du wahrscheinlich nur ein oder zwei Spieler, die ihn überhaupt herausfordern konnten“, sagt er. „Jetzt hast du eine ganze Menge, die wirklich reinhauen können.“
Er nennt mehrere junge Topspieler, die bereits bewiesen haben, dass sie auf großen Bühnen liefern können: Gian van Veen, Josh Rock und Luke Humphries. Diese Namen unterstreichen seinen Punkt: Littler ist außergewöhnlich, aber er steht nicht völlig allein. „Wenn du auf Van Veen schaust, auf Josh Rock, auf Luke Humphries … es sind immer noch junge Kerle“, so Bray. „Nicht so jung wie Luke, aber es sind junge Spieler – und ich glaube nicht, dass er so dominieren kann wie Phil.“
Das heißt nicht, dass Bray Littlers Einfluss relativiert. Im Gegenteil. „Ja, er wird viele Titel gewinnen“, sagt er. Nur: Die Konkurrenz ist schlicht größer und schneller bereit zuzuschlagen als zu Taylors Zeiten. Genau deshalb erwartet Bray keine Neuauflage einer Ära, in der ein Spieler nahezu alles an sich reißt.

Weltweites Wachstum: Bray erlebt es aus nächster Nähe

Das Gespräch schwenkt schnell auf ein weiteres prägnantes Thema dieser WM: die Internationalisierung. Wo Darts einst vor allem britisch war – mit der niederländischen Welle als erster großer europäischer Ausnahme – ist das Teilnehmerfeld inzwischen deutlich globaler.
„Es ist irre, wie viele mehr Länder mitmachen“, merkt einer der talkSPORT-Moderatoren an. „Früher war es vor allem britisch und ein bisschen Europa mit den Niederländern, aber jetzt kommt es von überall her. Das kann nur gut sein.“
Bray stimmt dem voll zu und spricht aus eigener Erfahrung. Er ist weiterhin auf internationalen Circuits aktiv. „Absolut“, sagt er. „Ich bin immer noch auf der Asian Tour unterwegs, also bin ich oft genug in Asien. Und ich mache auch World Series-Events.“ Was er dort sieht, stimmt ihn optimistisch: „Wenn du dort herumläufst und das Talent siehst, das nachkommt … das ist wirklich unglaublich.“
Er erwartet nicht, dass morgen ein asiatischer Weltmeister aufsteht, aber er schließt große Durchbrüche nicht aus. „Ich denke, wir werden jemanden aus Asien sehen, der bei einem großen Turnier weit kommt“, prognostiziert er. Und dann passiert, was in jedem Sport geschieht: Erfolg zieht Erfolg an. „Dann sehen es alle, und dann will man mitmachen. Dann springen alle auf den fahrenden Zug auf und los geht’s.“

„Jede Sportart braucht einen Megastar“

In dieser weltweiten Entwicklung spielt Littler laut Bray eine Schlüsselrolle. Vor allem, weil er Darts auf eine Weise sichtbar macht, die neue Zielgruppen anzieht. „Jede Sportart braucht einen Megastar“, sagt Bray. „Und Luke Littler ist das im Moment ganz sicher.“
Darin schwingt auch Bewunderung für Littlers Alter und Potenzial mit. Ein Moderator verweist auf eine in der Darts-Welt fast absurd wirkende Tatsache: „Das Krasse ist: Er ist noch nicht einmal 19, oder?“ Und sofort wird die Messlatte historisch gelegt: „Phil Taylor gewann seinen letzten Weltmeistertitel mit 52 Jahren.“
Die logische Anschlussfrage liegt in der Luft: Wie viele kann Littler dann gewinnen, wenn er so lange weitermacht? Bray lacht: „Ich überlasse dir die Rechnung, Jeff, denn ich bin jetzt schon müde von all dem Rechnen.“ Danach wird er ernst und bringt die Essenz: Es geht nicht nur um Talent, sondern um Motivation.
„Er kann so lange weitermachen, wie er selbst will“, sagt Bray. Doch was passiert, wenn Erfolg zur Routine wird? „Hast du noch diesen Antrieb, wenn du das Vermögen hast, das Geld auf der Bank?“, fragt Bray. „Willst du dann noch um acht, neun Uhr morgens aufstehen, in ein Flugzeug steigen, irgendwohin reisen, zurückkommen, trainieren …?“
Bray erwartet, dass Littler diesen Hunger noch jahrelang behält, aber eines stellt er klar: „Er wird Phils Rekord nicht brechen. Nie. Wirklich nicht.“
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