Michael van Gerwen erlebte eine Woche, die man am besten schnell abhakt. Sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn war es „dreimal gar nichts“, wie sein guter Freund und Ex-Profi Vincent van der Voort treffend formulierte. Dennoch sieht er keinen Grund zur Panik. Die schwächeren Resultate passen in einen Prozess, in dem der dreifache Weltmeister derzeit steckt: der Weg zurück zu seinem früheren Topniveau.
Drei Enttäuschungen in Serie
Die Ernüchterung begann am Premier League-Abend in Manchester, wo Van Gerwen chancenlos gegen Stephen Bunting unterlag. Auch bei den Players Championships in den Tagen zuvor wusste er nicht zu überzeugen. Und als wäre das nicht genug, war auch sein Osterwochenende vorzeitig beendet. Dort unterlag er deutlich mit 1-6 Niko Springer zum Auftakt. Drei Rückschläge am Stück also, und das blieb nicht unbemerkt.
Van der Voort ist in seiner Analyse klar, setzt aber zugleich die nötigen Nuancen. „Er muss selbstkritisch sein und sagen, dass es vergangene Woche überhaupt nichts war“, stellt er fest. „Es war dreimal gar nichts. Aber er ist im Aufbau, und da läuft es in der einen Woche schlechter als in der anderen.“
Nach Ansicht von Van der Voort liegt das Problem weniger in der schwachen Woche selbst, sondern vor allem in der Reaktion von außen. „Wir sind in den Niederlanden gut darin, Menschen hochzuheben, aber auch darin, sie niederzumachen“, sagt er. „Vielleicht geht es vielen nicht schnell genug, aber das gehört dazu. Dass es manchmal eben nicht klappt.“
Empfindlicher Punkt
Diese Worte treffen einen empfindlichen Punkt. Denn obwohl Van Gerwen weiterhin zur Weltspitze zählt, wird er noch immer an seinen dominanten Jahren gemessen. In jener Phase schien Verlieren fast unmöglich und seine Widerstandskraft unerreicht. Genau das scheint nun ein Thema zu sein.
„Was man jetzt sieht“, erklärt Van der Voort, „ist: Wenn er in der Partie ist, ist es einfach gut. Dann erreicht er immer noch ein extrem hohes Niveau. Aber wenn es nicht läuft, kann er es nicht drehen. Er hat im Moment nicht die Widerstandskraft, um in ein Match zurückzukommen.“
Dieser Mangel an Erholungsfähigkeit fällt in einem dichten Spielplan besonders auf. In einer Woche, in der mehrere Turniere Schlag auf Schlag folgen, bleibt kaum Zeit, Fehler zu analysieren oder das Selbstvertrauen aufzubauen. „Diese Woche stimmte etwas nicht“, so Van der Voort. „Und dann machst du einfach weiter. Dann plätschert es eigentlich vor sich hin, ohne dass du wirklich resetten kannst.“
Vincent van der Voort ist seit Jahren gut mit Michael van Gerwen befreundet
Blick auf die Premier League
Genau dieses Reset ist jetzt entscheidend. Der Blick muss rasch nach vorn gehen, denn die nächste Aufgabe steht schon an. In der Premier League wartet ein wichtiges Duell gegen Gian van Veen, einen direkten Konkurrenten im Kampf um die Play-offs. Der Druck ist also sofort wieder da.
Dennoch erkennt Van der Voort auch positive Signale. Er betont, dass es unrealistisch ist zu erwarten, Van Gerwen würde nach einer schwächeren Phase im Eiltempo wieder sein altes Niveau erreichen. „Du kannst nicht zwei Jahre schlechter spielen und dann denken, dass du in zwei oder drei Monaten wieder komplett zurück bist“, sagt er. „So sehr sich das auch alle wünschen.“
Diese Realität verlangt Geduld, sowohl von Van Gerwen selbst als auch von seinem Umfeld. Die Basis ist weiterhin vorhanden: seine Scoring-Power, seine Erfahrung und sein Gefühl für das Spiel. Doch das Feintuning von Form, Rhythmus und mentaler Widerstandsfähigkeit braucht Zeit.
Die kommenden Wochen werden daher aufschlussreich sein. Weniger hinsichtlich unmittelbarer Resultate, sondern vor allem darin, wie sich Van Gerwen innerhalb der Matches entwickelt. Kann er einen Rückstand drehen? Bleibt er ruhig, wenn es kurz gegen ihn läuft? Und gelingt es ihm, sein Niveau über mehrere Tage zu halten?
Für den Moment scheint das Fazit klar: Die Delle ist sichtbar, aber erklärbar. Und wichtiger noch, sie ist laut Insidern wie Van der Voort Teil eines größeren Prozesses. Oder wie er es selbst zusammenfasst: „Es geht nicht immer in einer geraden Linie nach oben. Manchmal muss man einen Schritt zurück machen, um danach wieder zwei nach vorn gehen zu können.“