„Niemand gab mir eine Chance, aber ich stehe doch wieder in den Play-offs“ – Jonny Clayton peilt zweiten Premier League Darts-Titel an
PDCDas Lächeln ist bei Jonny Clayton nie weit weg. Auch jetzt nicht, wo der Druck Richtung Play-offs in der Premier League Darts erneut enorm ist. In den Katakomben der O2 Arena in London wirkt der 51-jährige Waliser außergewöhnlich entspannt, wie fast immer. Doch hinter dieser ruhigen Fassade steckt ein Spieler, der weiterhin vor Ehrgeiz brennt und auf einen zweiten Premier-League-Titel abzielt.
Clayton jagt zweiten Premier League Titel
Zum vierten Mal in seiner Karriere steht Clayton unter den letzten Vier der Premier League Darts. Und obwohl die Buchmacher ihn vor Monaten noch als größten Kandidaten für den letzten Platz sahen, steht „The Ferret“ am Donnerstagabend erneut auf der größten Bühne des wöchentlichen Dartzirkus. „Ehrlich gesagt kann ich es kaum erwarten“, sagte Clayton mit breitem Grinsen. „Das ist mein Lieblingsturnier. Wieder die Play-offs zu erreichen, bedeutet mir enorm viel. Es gibt kein Gefühl wie das in der Walk-on-Area zu stehen und zu warten, bis dein Name aufgerufen wird. Das bleibt etwas Besonderes.“
Die Premier League Darts bleibt eine einzigartige Prüfung. 16 Wochen Reisen, Spielen unter konstantem Druck und jeden Donnerstag Leistung vor vollen Arenen. Am Ende bleiben nur die vier Stärksten für den Finaltag in London übrig. Dass Clayton erneut dazugehört, fühlt sich für ihn wie eine Bestätigung an. „Die letzten Vier in der O2 zu erreichen, ist großartig“, sagte er. „Und ehrlich? Zweiter in der Liga zu werden, war schon ein Traum.“
Danach folgt direkt ein Scherz in Richtung seines jungen Konkurrenten Luke Littler. „Eigentlich wurde ich nur Zweiter, weil ich Luke Littler eine Chance gegeben habe“, sagte Clayton.
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Von leeren Rängen zur brodelnden O2
Als Clayton 2021 die Premier League gewann, geschah das in einer völlig anderen Welt. Es war die Zeit der Corona-Beschränkungen, mit nur einer begrenzten Zahl an Zuschauern in der Halle in Milton Keynes. Nun bekommt er die Chance, erneut um den Titel zu spielen, diesmal jedoch vor einer ausverkauften O2 Arena. „Damals waren vielleicht zweitausend Leute da“, blickte er zurück. „Aber diese Trophäe vor zehntausend oder zwölftausend Fans hochzuhalten? Das wäre unglaublich besonders.“
Für Clayton wäre ein zweiter Premier-League-Titel erneut ein Höhepunkt in einer Karriere, die seit Jahren von Durchhaltevermögen und relativer Bescheidenheit geprägt ist. Während viele Spieler sich gerne in den Vordergrund stellen, bleibt der Waliser auffallend bodenständig. Dennoch gab er zu, dass ihn bestimmte Kommentare in dieser Saison durchaus getroffen haben.
„Es tat weh, dass sie mich als Letzten vorhersagten“
Zu Beginn der Premier-League-Saison wurde Clayton von vielen Experten und Buchmachern als eine der schwächsten Kräfte im Teilnehmerfeld gesehen. Manche sagten sogar voraus, dass er als Letzter abschließen würde.
Diese Unterschätzung blieb hängen. „Das hat wirklich wehgetan“, gab Clayton offen zu. „Als die Buchmacher sagten, ich sei Favorit auf den letzten Platz, dachte ich: Schaut ihr euch eigentlich Darts an?“
Laut dem Waliser wurde dabei zu wenig auf seine Meriten und Erfahrung geachtet. „Offenbar haben sie nicht auf Ranglisten oder Historie geschaut“, sagte er. „Aber gut, am Ende hat es mich nur zusätzlich motiviert, allen das Gegenteil zu beweisen.“
Und das tat er überzeugend. Mit noch vier Spielabenden zu gehen hatte Clayton seinen Platz in den Play-offs bereits sicher. „Also habe ich offenbar doch etwas richtig gemacht“, lächelte er.

Jonny Clayton gewann die Premier League Darts 2021
Spielen mit Gicht – und gewinnen
Typisch für Clayton ist der Umgang mit Rückschlägen. Der Waliser spielte in den ersten Wochen der Premier League sogar mit Gicht, einer äußerst schmerzhaften Erkrankung, die Bewegung manchmal erschwert. Trotzdem klagte er kaum. Mehr noch: In dieser Phase gewann er einfach einen Spielabend. „Meckern hilft ohnehin nicht“, sagte Clayton nüchtern. „Du musst einfach weitermachen. Gicht ist absolut nicht angenehm, glaub mir, aber ich habe an dem Abend trotzdem eine Trophäe geholt. Im Nachhinein kann ich darüber lachen.“
Dieser mentale Aspekt macht Clayton seit Jahren zu einem gefährlichen Außenseiter bei großen Turnieren. Sein Auftreten bleibt entspannt, doch auf der Bühne kann er sich plötzlich in einen gnadenlosen Scorer verwandeln. „Ich gebe immer eine Million Prozent“, betonte er. „Wenn es mein Abend ist und meine Darts gut laufen, bekommt es jeder Gegner schwer mit mir.“
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Humphries wartet in harter Halbfinale
Im Halbfinale wartet jedoch sofort eine gewaltige Herausforderung. Luke Humphries ist erneut in hervorragender Form und scheint pünktlich zur Finals Night seinen Peak zu erreichen. Dennoch versteht Clayton wenig von all der Kritik, die Humphries in den vergangenen Monaten einstecken musste. „Wie kann man die Nummer zwei der Welt jemals abschreiben?“, fragte er sich laut. „Jeder Spieler kennt Höhen und Tiefen. Luke hatte ein paar schwächere Wochen, aber sobald es darauf ankam, hat er einfach wieder einen Gang hochgeschaltet.“
Laut Clayton beweist Humphries gerade, warum er zur absoluten Weltspitze gehört. „Er hat gezeigt, was Topspieler tun: zu den wichtigen Momenten aufstehen.“
Trotz des Respekts vor seinem Gegner bleibt der Waliser von seinen eigenen Chancen überzeugt. „An einem Finaltag zählen Rankings nicht mehr“, stellte er fest. „Dann geht es nur um eines: Wer will es am meisten. Und glaub mir, ich will das hier sehr.“
Traumszenario: ein rein walisisches Finale
Auf der anderen Seite des Tableaus tritt Gerwyn Price gegen Littler an. Ein rein walisisches Finale ist also weiterhin möglich. Dieses Szenario beflügelt Claytons Fantasie enorm. „Zwei Waliser in einem Premier-League-Finale wären fantastisch“, sagte er. „Aber seien wir ehrlich: Erst müssen wir noch die Nummer eins und zwei der Welt schlagen.“
Dennoch spürt man in allem, dass Clayton von einem historischen Abend für Wales träumt. „Das wäre großartig für unser Land“, erklärte er. „Aber am Ende ist mir egal, wer mir gegenübersteht. Ich will einfach diese Trophäe gewinnen.“
„Dann werden ein paar Bars leergetrunken“
Und sollte es tatsächlich gelingen, die Premier League erneut zu gewinnen, weiß Clayton genau, wie er feiern wird. „Ich denke, dann werden ein paar Bars leergetrunken“, witzelte er lachend.
Diese Leichtigkeit ist typisch für ihn. Trotz seiner Erfolge bleibt Clayton nahbar und beliebt bei Kollegen, Fans und Medien. Doch täuschen sollte man sich nicht: Hinter dem Humor steckt weiterhin ein Spieler, der hungrig auf weitere große Titel ist. „Ich spiele gut, ich habe Vertrauen und ich laufe mit einem Lächeln herum“, sagte er. „Das sind alles positive Signale.“
Der Waliser blickt zudem weiter als nur auf die Play-offs. Mit dem World Matchplay, dem World Grand Prix, dem Grand Slam of Darts und schließlich der WM im Alexandra Palace warten noch genug Chancen, erneut ein Major zu gewinnen. „Ich würde zu gerne wieder einen großen Titel holen“, erzählte er. „Aber ich schaue nie zu weit voraus. Es geht Turnier für Turnier.“
Neue Herausforderung beim World Cup
Auch der World Cup of Darts kam kurz zur Sprache. Dort wird Clayton diesmal nicht an der Seite von Price antreten. Stattdessen bildet er ein Duo mit Nick Kenny. Clayton blickt dem positiv entgegen. „Nick ist der Nächste in der Reihe und er ist ein stolzer Waliser“, sagte er. „Ich kenne ihn seit Jahren aus dem BDO-Zirkus. Er spielt mit Herz und Seele, und das ist wichtig.“
Laut Clayton unterschätzen viele das walisische Team erneut. „Die Leute schreiben uns schon wieder ab“, lächelte er. „Aber ich habe das Gefühl, dass wir es ziemlich gut machen können.“
Danach folgt erneut ein Scherz, diesmal über Kennys Liebe zum Fußballklub Chelsea. „Das ist eigentlich das Einzige, was gegen ihn spricht“, lachte Liverpool-Anhänger Clayton. „Ansonsten sind es großartige Jungs.“
Der Underdog, der nie verschwindet
Vielleicht ist das am Ende die größte Stärke von Jonny Clayton. Während die Aufmerksamkeit oft den großen Stars gilt, liefert er im Hintergrund weiter ab. Ruhig, freundlich und ohne große Sprüche. Doch immer wieder steht er da, wenn es zählt.
Und so reist „The Ferret“ am Donnerstagabend erneut auf die größte Bühne der Premier League, mit demselben Traum wie vor drei Jahren. „Hoffentlich wird es mein Abend“, schloss er. „Und hoffentlich geht die Trophäe wieder mit zurück nach Wales.“

Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026










