Nach einer schwierigen Phase mit ausbleibenden Ergebnissen hat Gian van Veen bei den US Darts Masters wieder gezeigt, warum er zu den besten niederländischen Spielern zählt. Der 24-jährige Dartspieler erreichte in New York das Halbfinale und überzeugte vor allem mit einem bärenstarken Viertelfinale gegen Jonny Clayton. Obwohl Van Veen am Ende auf schmerzhafte Weise an Luke Humphries scheiterte, sieht Ex-Profi Vincent van der Voort genügend positive Signale.
Van Veen schien lange auf dem Weg zu einer Sensation gegen die Nummer eins der Welt. Im Halbfinale ging der Niederländer sogar mit 6:3 in Führung, doch Humphries kämpfte sich zurück und entschied das Match mit 7:6 für sich. Eine bittere Niederlage, fanden auch Van der Voort und Moderator Damian Vlottes im Podcast Darts Draait Door.
Hängen blieb jedoch vor allem die Art und Weise, wie Van Veen sich während der US Darts Masters präsentierte. Im Viertelfinale gegen Clayton notierte er einen Average von stolzen 106, ein Niveau, das in den vergangenen Monaten kaum noch zu sehen war.
„Das schaffst du nicht, wenn du völlig außer Form bist“, stellt Van der Voort fest. Laut dem Ex-Profi ist das vielleicht die wichtigste Erkenntnis des Wochenendes. „Daraus muss er viel Selbstvertrauen ziehen.“
Dennoch will Van der Voort nicht zu schnell zu hohe Erwartungen schüren. Dass Van Veen ein herausragendes Turnier spielte, bedeutet seiner Ansicht nach nicht automatisch, dass alle Probleme überwunden sind. „Man merkt, dass noch immer genug Niveau vorhanden ist“, erklärt er. „Nur ist es noch nicht so, dass er damit sofort komplett zurück ist.“
Dem schließt sich auch Vlottes weitgehend an, wenngleich er den Auftritt in New York vor allem als wichtigen Zwischenschritt sieht. „Ja, aber das waren auf jeden Fall gute Vorzeichen.“
Das wirkt wie ein stimmiges Fazit. Van Veen zeigte bei den US Darts Masters wieder den entspannten, flüssigen Wurf, mit dem er sich in den vergangenen Jahren deutlich ins Rampenlicht gespielt hat. Besonders seine Scoring-Power wirkte wieder wie früher, und auch unter Druck hielt er gegen die absolute Weltspitze lange stand.
Entspannte Rahmenbedingungen
Laut Van der Voort könnte auch das Setting des Turniers eine Rolle gespielt haben. Die US Darts Masters sind ein World Series-Event und zählen nicht für die Weltrangliste. Zudem werden die Partien wegen der Zeitverschiebung vom europäischen Publikum weniger intensiv verfolgt.
„Es kann auch sein, dass er das alles mitnimmt“, sagt Van der Voort. „Dass er denkt: Die erste Runde muss ich überstehen und dann kann ich einfach frei aufspielen. Ich denke, das ist gut gelungen.“
Gerade diese entspannten Rahmenbedingungen können dafür sorgen, dass Spieler ohne zusätzlichen Druck ihr bestes Spiel abrufen. Für Van Veen, der in den vergangenen Monaten sichtbar mit Form und Selbstvertrauen kämpfte, schien das hervorragend zu funktionieren.
Gian van Veen erreichte die Halbfinals in New York
New York genießen
Van der Voort nennt noch eine weitere mögliche Erklärung für den starken Auftritt des Niederländers: die Reise selbst. Van Veen flog gemeinsam mit seiner Freundin und seinem Manager nach New York und hatte laut Van der Voort womöglich schlicht eine hervorragende Woche abseits der Bühne. „Oder er hat einfach eine fantastisch schöne Zeit in New York gehabt“, lacht Van der Voort. „Das ist natürlich wirklich eine sehr schöne Stadt.“
Er fährt fort: „Du kannst auch einfach eine absolute Topwoche gehabt haben. Und dass das für ihn dadurch ein wenig entspannend gewirkt hat.“
Wie groß der Einfluss davon tatsächlich war, wird niemand genau wissen. Fakt ist jedoch, dass Van Veen in den USA wieder das Niveau zeigte, von dem viele Dartsfans wissen, dass er es abrufen kann.
Auch wenn ein gutes Turnier noch keine endgültige Wende bedeutet, kann das Halbfinale bei den US Darts Masters für Van Veen genau der Impuls sein, den er für den weiteren Saisonverlauf braucht. Wenn er das Vertrauen aus New York mit in die kommenden Ranglistenturniere nimmt, könnte dieses Wochenende der Beginn der langersehnten Wiederauferstehung sein.
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.