Für Außenstehende wirkt
Damon Heta oft wie der entspannte Australier, der mit einem Lächeln die Bühne betritt. Doch hinter dieser gelassenen Fassade steckt nach eigenen Worten ein Spieler, der ständig analysiert, zweifelt und sich selbst unter Druck setzt. Im Gespräch mit Online Darts blickte Heta offen auf ein schwieriges Jahr zurück, sprach über seine Form, seinen Umzug ins Vereinigte Königreich und seine neue Rolle im Team Australia beim
World Cup of Darts.
„Am Ende zählt nur der Sieg“
Die vergangenen Monate waren für Heta alles andere als einfach. Die Ergebnisse blieben häufig hinter den Erwartungen zurück, obwohl er selbst das Gefühl hatte, dass sein Niveau besser war, als die Resultate vermuten ließen.
„Ich habe mir ein paar Statistiken angeschaut und eigentlich spiele ich ziemlich solide“,
erzählt er. „Nur bekommst du nicht immer die Siege, die dazu passen. Und letztlich geht es genau darum: egal, wie du spielst.“
Genau dieser Mangel an Ergebnissen begann mental zu drücken. Besonders gegen Ende der vergangenen Saison merkte Heta eine Veränderung an sich. „Am Ende des letzten Jahres konntest du sehen, dass es mich zu zerbrechen begann“, sagt er ehrlich. „Man erwartet viel von sich. Gerade ich, weil ich so viel investiere. Wenn du dann die Belohnung nicht bekommst, von der du glaubst, sie verdient zu haben, setzt du dich nur noch mehr unter Druck.“
Dabei blieb es nicht. Auch abseits des Boards kam einiges zusammen. „Es gibt immer Dinge hinter den Kulissen, die ihren Tribut fordern“, erklärt Heta. „Aber ich arbeite weiter hart. Ich glaube immer noch, dass es wieder laufen wird und ich einfach wieder oben mitmische.“
Eine der größten Fallen für Topsportler ist Überanalyse, und Heta gibt ohne Zögern zu, dass er sich darin wiederfindet. „Ja, ich überdenke fast alles“, lacht er. „Wirklich alles. Ich bin mein größter Kritiker. Ich brauche niemanden, der mir sagt, wann ich schlecht spiele.“
In der jüngeren Vergangenheit fiel zudem auf, dass Heta häufig mit seinem Material experimentierte. Inzwischen scheint er jedoch zu seinem vertrauten Setup zurückgekehrt zu sein. „Ich bin eigentlich wieder bei meinem normalen Material“, berichtet er. „Manchmal musst du Dinge ausprobieren. Gute Spieler können im Prinzip mit allem werfen, aber am Ende zählt, was an deinen schlechtesten Tagen verlässlich ist.“
Laut Heta hängt Vertrauen an Details. „Wenn die Darts gut fliegen, fühlst du dich wohl. Dann bekommst du Selbstvertrauen und musst nicht mehr darüber nachdenken.“ Das heißt jedoch nicht, dass er nie wieder etwas verändern wird. „Es wäre auch naiv, nie wieder etwas zu versuchen“, sagt er. „Es wird immer kleine Dinge geben, mit denen man experimentiert.“
Heta und Whitlock bildeten in den vergangenen Jahren ein Duo für Australien beim World Cup of Darts
Ein neues Leben in England
Seit einiger Zeit lebt Heta dauerhaft im Vereinigten Königreich. Für den Australier fühlt sich das inzwischen wie ein logischer Schritt in seiner Karriere an. „Es ist eigentlich einfach der Lauf des Lebens“, sagt er nüchtern. „Am Anfang denkst du vielleicht: Ich bleibe hier zehn Jahre und gehe dann zurück nach Australien. Aber so läuft es nicht immer.“
Nach Heta verändert sich nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der Menschen zu Hause. „Alle in Australien gehen auch ihren Weg weiter. Und ehrlich gesagt wäre es im Moment auch komisch, dem Dartsport den Rücken zu kehren, denn die Sportart ist derzeit riesig.“
Der Australier denkt daher ernsthaft über eine endgültige Zukunft in England nach. „Wir bauen uns hier jetzt wirklich ein Leben auf“, erzählt er. „Wir schauen sogar nach dem Kauf eines Hauses, also bleiben wir vorerst wohl dauerhaft hier.“
Mit dem Abschied von Simon Whitlock als fester Größe im Team Australia beginnt für Heta ebenfalls ein neues Kapitel. Beim kommenden
World Cup of Darts übernimmt er erstmals die Rolle des Anführers. „Allen Respekt für Simon und alles, was er jahrelang geleistet hat“, sagt Heta. „Aber es ist auch Zeit für neues Blut.“
Dieses neue Blut kommt in Form von Tim Pusey, der sich in jüngerer Zeit deutlich auf der internationalen Bühne gezeigt hat. „Er ist unheimlich hungrig“, berichtet Heta begeistert. „Er will sogar gemeinsam trainieren, um wirklich dieses Teamgefühl aufzubauen.“
Während Heta sich jahrelang nicht als Kapitän sah, solange Whitlock aktiv war, ist ihm nun klar, dass er diese Verantwortung übernehmen muss. „Wenn ich jetzt der Leader bin, dann werde ich auch aufstehen und tun, was nötig ist.“
Zugleich betont er, dass das Spielen für Australien immer zusätzlichen Druck mit sich bringt. „Du trägst die Farben deines Landes. Das sorgt für zusätzliche Spannung. Aber es bleibt großartig, für Australien anzutreten.“
Nach Heta erlebt das australische Darts derzeit eine enorme Wachstumsphase. Die erfolgreiche Premier League in Australien und das Aufkommen neuer Talente stimmen ihn optimistisch. „Es ist fantastisch, was gerade passiert“, sagt er. „Auch bei der ADA siehst du enorme Teilnehmerzahlen und starke Averages.“
Wo er zuvor noch dachte, dass Neuseeland statistisch stärker sei, erkennt er nun eine klare Verschiebung. „Jetzt sehe ich, dass Australien wirklich Großartiges leistet.“ Heta nennt dabei unter anderem Brodie Klinge und erneut Pusey als Beispiele für Spieler, die sich stark entwickeln.
Daher erwartet er auch, dass die World Series of Darts in Australien in diesem Jahr für die etablierten PDC-Namen deutlich gefährlicher wird. „Wenn die Jungs ihr Niveau abrufen, können sie jeden schlagen“, sagt er überzeugt. „Sie bekommen jetzt viel mehr Aufmerksamkeit durch Streaming und die Premier League dort. Dadurch gewöhnen sie sich an große Bühnen und Nerven.“